DRESDEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Ein Dresdner Startup will die Schädlingsbekämpfung rund um Mäuse und Ratten stärker nachweisbar und messbar machen. Seit dem 1. Juli dürfen in Sachsen Giftköder nicht mehr vorsorglich ausgelegt werden, sondern nur bei nachgewiesenem Befall. Zepta ersetzt in Kisten statt Bioziden einen Monitoring-Köder und koppelt eine Küchenwaage per SIM an eine App. Damit entfällt die manuelle Kontrolle, während Auswertung und Dokumentation im Hintergrund laufen.

Zepta in Dresden: Digitale Waage macht Schädlingsbekämpfung bei Mäusen und Ratten datenbasiert
Zepta in Dresden: Digitale Waage macht Schädlingsbekämpfung bei Mäusen und Ratten datenbasiert (Foto: IT BOLTWISE)
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Seit dem 1. Juli ist die Schädlingsbekämpfung in Sachsen deutlich stärker an Nachweise gebunden: Kammerjäger dürfen Köderboxen gegen Mäuse und Ratten nicht mehr vorsorglich mit Gift bestücken. Die Intention dahinter ist klar auf Umwelt- und Wildtierschutz ausgerichtet, denn nur ein tatsächlich belegter Befall rechtfertigt das Auslegen. Genau diese Verschiebung trifft die Praxis an einem neuralgischen Punkt: Wer bislang die Boxen von Anfang an „sicher“ mit Biozid-Ködern befüllte, musste plötzlich eine zusätzliche, belastbare Dokumentationskette aufsetzen. Ein Dresdner Startup adressiert diese Lücke nicht mit einem neuen Wirkstoff, sondern mit mehr Messbarkeit im Alltag.

Technisch setzt Zepta auf einen Ansatz, der in der Außenwirkung wie ein Kleinstgerät wirkt, aber in der Prozesskette viel Zeit spart: Eine Waage wird in Verbindung mit den Köderboxen gebracht und misst kontinuierlich, wie viel Monitoring-Köder verbraucht wird. Im Artikel ist die Systemidee greifbar beschrieben: Statt Gift kommt ein ungiftiger Köder zum Einsatz, der beispielsweise nach Vanille riechen kann. Das Monitoring läuft dann über die Gewichtsdaten der Waage, die laut Beschreibung miniaturisiert, in die Box integriert und mit einer SIM-Karte verbunden wurde. Diese Kombination verwandelt eine vormals manuelle Sichtprüfung in eine datenbasierte Auswertung, weil Schwundkurven und Verbrauchsraten nicht mehr nur geschätzt werden.

Damit verschiebt sich auch der „Kern“ der Arbeit vom Öffnen einzelner Boxen hin zur Interpretation von Messwerten. Ein Schädlingsbekämpfer muss nicht mehr jede Box einzeln öffnen, prüfen und dokumentieren, wo wie viel gefressen wurde. Die App von Zepta macht den Verlauf über die Zeit sichtbar, sodass sich der Prozess – im Sinne einer sogenannten Abfraßrate – aus der Gewichtsabnahme ableiten lässt. Praktisch heißt das: Die Entscheidung, ob und wo ein Köder nachgelegt oder anders eingesetzt werden soll, kann sich stärker an tatsächlichen Verbrauchssignalen orientieren, statt an starren Routinen oder Erfahrungswerten allein. Gerade bei begrenzter Zeit auf einem Objekt ist das ein Unterschied, der sich direkt in der Effizienz und in der Qualität der Dokumentation bemerkbar machen kann.

Die Startstory zeigt zudem, dass das Produkt nicht aus einer „Halluzination der Industrie“ entstanden ist, sondern aus einem konkreten Branchenproblem. Der Mitgründer Lukas Deuscher beschreibt als Auslöser die Arbeit seines Vaters in der Schädlingsbekämpfungsindustrie und im Verkauf von Bioziden – und damit auch die Beobachtung, wie mühsam die manuelle Köderkontrolle zu Beginn der Corona-Zeit war. Daraus wurde bei Deuscher und Nick Leiding vom Startup Zepta relativ früh die Idee, die Kontrolle in der Fläche zu digitalisieren. Dass dabei eine Küchenwaage als Sensorik-Baustein gewählt wird, ist weniger spektakulär als konsequent: Wie bei vielen IoT-Setups geht es darum, eine robuste physikalische Messgröße (Gewicht) in ein steuerbares Datenformat zu überführen, das im Backend einer App weiterverarbeitet und später nachvollziehbar exportiert werden kann.

Organisatorisch wächst das Unternehmen seit der Gründung 2024: Laut Angaben ist Zepta von zunächst vier auf neun Personen angewachsen. Interessant ist auch die Aufteilung der Entwicklungsschwerpunkte über Standorte hinweg: In Dresden entwickelt das Team vor allem die Software, während in Mühlhausen in Thüringen die Hardware verantwortet wird. Dieses Setup macht für ein Hardware-nahes Produkt Sinn, weil Firmware- und Sensorik-Integration sowie mechanische Anpassungen an Boxen oft in enger Iteration passieren. Gleichzeitig profitieren Software-Teams von kurzen Zyklen im Feld, etwa wenn Messprofile von unterschiedlichen Objektarten (Betriebe, Lager, Wohnumfelder) in die Auswertung einfließen. Zepta berichtet zudem von Aktivitäten in ganz Deutschland und auch im Ausland, darunter auf den Philippinen sowie in Großbritannien.

Mit Blick auf die Marktdynamik ist die neue Gesetzeslage der entscheidende Timing-Faktor: Wenn vorsorgliches Auslegen von Gift nicht mehr zulässig ist, steigen die Anforderungen an Kontrolle, Nachweis und Vorbeugung. Ein Messsystem, das Boxen kontinuierlich überwacht und die manuelle Dokumentationsarbeit reduziert, passt daher in die gleiche Richtung wie die regulatorische Verschiebung. Zudem kommt noch ein Business-Aspekt dazu: Wer die Daten schneller und konsistenter erfasst, kann Prozesse besser planen und wahrscheinlich auch stärker standardisieren. Eine erste Finanzierungsrunde konnte Zepta im März 2025 erfolgreich abschließen; als Geldgeber wird unter anderem ein Technologiegründerfonds Sachsen genannt. Für eine junge Firma ist das vor allem deshalb relevant, weil Hardware, SIM-Konnektivität und App-Betrieb laufende Kosten verursachen, die sich in der frühen Skalierungsphase nicht allein über Projektumsätze decken lassen.

Für Betreiber und Teams in der Schädlingsbekämpfung bedeutet das in der Praxis: Digitalisierung ist hier nicht „nice to have“, sondern wird zur Infrastruktur für Entscheidungen. Entscheidend ist nicht nur, dass eine Waage Daten liefert, sondern wie die Messdaten in eine nachvollziehbare Arbeitsroutine übergehen – also wo nachgesehen werden muss, wie die Ergebnisse dokumentiert werden und wie schnell daraus Handlung abgeleitet werden kann. Zepta setzt genau an dieser Schnittstelle an, indem es Monitoring-Köder, Sensorik in der Box und eine App in einem System zusammenführt. Ob sich das Modell als Standard durchsetzt, hängt davon ab, wie gut die Messdaten im Alltag mit sehr unterschiedlichen Befallsbildern korrelieren und wie reibungslos sich das Setup in bestehende Abläufe integrieren lässt.


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