NIEDERLANDE / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine virtuelle-Realität-Studie zeigt: Menschen mit höherer sozialer Ängstlichkeit laufen nicht automatisch langsamer auf andere zu und halten auch nicht generell mehr Abstand. Der entscheidende Faktor ist vielmehr, wie nah sie ihre Mitmenschen gefühlt einschätzen. Wer den Abstand zu anderen unterschätzt, lässt in bestimmten Messgrößen spürbar mehr Raum. Damit rückt ein Wahrnehmungsfehler als fehlendes Puzzlestück in den Zusammenhang zwischen sozialer Angst und persönlicher Distanz.

Soziale Ängstlichkeit wird häufig mit klar sichtbaren Verhaltensmustern verknüpft: langsameres Herantasten, mehr körperliche Distanz und insgesamt ein vorsichtigeres Auftreten. Eine Studie, die im Journal of Psychiatric Research veröffentlicht wurde, relativiert diese Annahme allerdings deutlich. In einem virtuellen Setting zeigte sich, dass Menschen mit höheren Werten für soziale Ängstlichkeit nicht per se anders laufen oder dauerhaft größere Abstände einhalten. Stattdessen macht die Arbeit sichtbar, dass der Abstand vor allem dann eine Rolle spielt, wenn der Abstandseindruck im Kopf von der realen Distanz abweicht.
Der Ausgangspunkt der Forschenden ist inhaltlich naheliegend: Soziale Angst ist durch die Angst vor sozialer Beobachtung und einer negativen Bewertung gekennzeichnet. Viele reagieren darauf zwar durch das Vermeiden sozialer Situationen; dennoch untersuchen die Autorinnen und Autoren explizit subtilere Handlungen. Dazu zählen das Zögern beim Annähern, das Auslassen oder Vermeiden von Blickkontakt und das Wahren eines etwas größeren physischen Spielraums. Solche Mikroentscheidungen können die Dynamik einer Interaktion prägen, weil sie beeinflussen, wie die andere Person den Kontakt wahrnimmt und darauf reagiert.
Die neue Arbeit wurde von Stefania Bucur an der Radboud University in den Niederlanden geleitet. Die Teilnehmenden wurden in eine immersive virtuelle Realität versetzt, die eine soziale Situation in einem Café nachbildete. Nach dem Ausschluss von drei Personen wegen fehlerhafter oder fehlender Daten blieben 106 Erwachsene im Sample, mit einem Durchschnittsalter von 23,5 Jahren und einem Anteil von 70% Frauen. In sechs Durchläufen innerhalb der VR-Umgebung protokollierten die Forschenden sowohl die Annäherungsgeschwindigkeit an Gruppen virtueller Personen als auch die tatsächlich erreichte Distanz – und zwar, ohne dass die Teilnehmenden ausdrücklich wussten, dass persönliche Distanz als Messgröße im Fokus stand.
Für die spätere Einordnung kombinierten die Forschenden objektive Distanzmessungen mit einer gezielten subjektiven Komponente. Nach den VR-Durchläufen wurden die Teilnehmenden bewusst aufgefordert, eine Distanz auszuwählen, die sie als komfortabel empfinden. Zudem mussten sie abschätzen, wie weit weg sie die virtuellen Personen beziehungsweise den Zielbereich erlebt hatten – numerisch und visuell. Auf diese Weise lässt sich messen, ob die Teilnehmenden die Distanzsystematisch überschätzen oder unterschätzen. Genau an diesem Punkt weicht das Ergebnis von früheren Befunden ab: Die sozialen Ängstlichkeitswerte waren weder direkt mit langsamerem Gehen noch mit größeren interpersonalem Abstand verbunden – sowohl bei der automatischen Erfassung während der Aufgabe als auch bei der bewussten Bewertung danach.
Die Distanzwahrnehmung erklärt aber, warum der Zusammenhang dennoch zustande kommen kann. Die Studie berichtet, dass Teilnehmende, die glaubten, sie seien näher an der virtuellen Gruppe gewesen als sie es tatsächlich waren, unter bestimmten Messbedingungen mehr Raum ließen. Besonders wichtig ist zudem die Richtung des Wahrnehmungsfehlers: Eine numerische Unterschätzung der Distanz veränderte die Beziehung zwischen sozialer Ängstlichkeit und der bewusst bevorzugten Distanz. Bei Personen, die ihre Entfernung zu den virtuellen Zielen unterschätzten, hing eine höhere soziale Ängstlichkeit mit dem Wunsch nach mehr Abstand zusammen. Bei jenen, die ihre Distanz überschätzten, zeigte sich dagegen kein vergleichbarer Effekt. Die Autorinnen und Autoren fassen das Muster so zusammen, dass Personen mit hoher sozialer Ängstlichkeit nicht grundsätzlich mehr interpersonale Distanz halten, sondern dies nur dann tun, wenn sie die Distanz zu anderen tendenziell als sehr nah bewerten.
Damit verschiebt sich der Fokus von einem reinen Vermeidungsverhalten hin zu einem kognitiven Mechanismus: Nicht die Zentimeterzahl entscheidet allein, sondern die subjektive Distanzrepräsentation. Die Arbeit greift damit eine Idee auf, die aus früheren Experimenten bereits bekannt ist: Wenn Menschen den Abstand falsch einschätzen, kann das Verhalten in sozialen Situationen entsprechend „übersteuern“ – selbst wenn die tatsächliche körperliche Situation nicht dramatisch verändert ist. Für die Technik- und Gesundheitsforschung ist VR hier mehr als nur eine neuartige Umgebung: Das kontrollierte Messdesign erlaubt es, wahrnehmungsbezogene Verzerrungen getrennt von der beobachtbaren motorischen Annäherung zu untersuchen.
Natürlich bleiben Einschränkungen. Die Autorinnen und Autoren nennen unter anderem, dass VR soziale Szenarien möglicherweise nicht vollständig die Bandbreite komplexer realweltlicher Ängste aktiviert. Auch die feste Reihenfolge der Durchläufe und die Unklarheit in den Instruktionen zur Distanzschätzung könnten Reaktionen beeinflusst haben. Außerdem wurden die Teilnehmenden gebeten, ihre Distanz von einer Tabelle zu schätzen; dabei könnten sie je nach Person unterschiedliche Referenzpunkte genutzt haben. Für die Interpretation heißt das: Die Richtung des Zusammenhangs und die Rolle des Estimationsbias sind plausibel, die Übertragung auf echte soziale Kontakte erfordert jedoch weitere Studien mit präziseren Referenzbedingungen und variableren Gesprächssituationen. Unterm Strich liefert die Arbeit aber einen klaren, testbaren Ansatzpunkt – nämlich dass der Abstandseindruck, nicht der Abstand an sich, eine zentrale Stellschraube in der Selbstregulation sozial ängstlicher Menschen sein kann.
Wer den zentralen Datensatz nachverfolgen möchte, findet den Beitrag unter dem Titel Social Anxiety and Preferred Interpersonal Distance: The Role of Estimation Bias, veröffentlicht mit der DOI https: //doi.org/10.1016/j.jpsychires.2026.07.007. Besonders relevant ist dabei die Kombination aus objektiver Distanzmessung, bewusster Distanzpräferenz und der quantifizierten Verzerrung in der Distanzschätzung. Für Anwendungen in Diagnostik, Therapieplanung oder auch für designorientierte VR-Interventionen ergibt sich daraus eine konkrete Frage: Lässt sich der Wahrnehmungsfehler gezielt adressieren, bevor er das komfortable Sicherheitsverhalten dauerhaft festigt?
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Soziale Ängstlichkeit und Distanz: Entscheidend ist der falsche Abstandseindruck" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Soziale Ängstlichkeit und Distanz: Entscheidend ist der falsche Abstandseindruck" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Soziale Ängstlichkeit und Distanz: Entscheidend ist der falsche Abstandseindruck« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!