NEW YORK / LONDON (IT BOLTWISE) – Take-Two Interactive treibt die Aufklärung der GTA-6-Leaks weiter voran und beantragt per DMCA-Subpoenas Informationen zu mehreren Online-Accounts. Konkret sollen Google und X Corp Daten liefern, um die Identität hinter dem Leak-Kanal „Cyberleek“ zu ermitteln. In den Anträgen werden unter anderem Konto- und Servermetadaten sowie Logdateien genannt. Parallel bleibt die Veröffentlichung weiterer angeblicher Gameplay-Materialien durch Cyberleek online offenbar weiterhin ein Thema.

Take-Two Interactive, der Mutterkonzern von Rockstar Games, erhöht den Druck auf die Person oder Gruppe hinter den GTA-6-Leaks. In einem neuen Schritt wandte sich das Unternehmen am 21. August 2026 an das U.S. District Court for den Southern District of New York und beantragte dort, dass sowohl Google als auch X Corp Datenauskunft leisten. Ziel ist es, die Identität derjenigen zu ermitteln, die nach Take-Twos Darstellung mit dem Verstoß gegen Urheberrechte in Verbindung stehen. Dabei geht es nicht nur um das „Entfernen“ einzelner Inhalte, sondern ausdrücklich auch um das Zusammenführen digitaler Fußspuren, die eine Zuordnung über Plattformgrenzen hinweg ermöglichen sollen.
Technisch gesehen zielt das Vorgehen auf die typischen Metadaten ab, die Plattformanbieter in der Praxis für Moderation, Betrugsprävention und Infrastrukturzugriffe vorhalten. In den Gerichtsanträgen wird beschrieben, dass die mutmaßlich infringing Inhalte mit bestimmten Online-Personas verknüpft seien, darunter „CyberLeeks“ sowie weitere Accounts/Handles, die dem Leak-Umfeld zugeordnet werden. Für die DMCA-Prozedur ist entscheidend, dass Take-Two die Dienste als „service providers“ adressiert und damit in den Prozess der Auskunftserteilung gelangt, sobald ein konkreter Content-Bezug und eine Zuordnung zu bestimmten Accounts hergestellt werden. Besonders deutlich wird das in der Beschreibung, die X Corp auf ein Set an „Images and videos“ aus einem nicht veröffentlichten Werk bezieht.
In den Dokumenten taucht außerdem ein DMCA-Takedown-Request auf, der an X gesendet wurde. Laut den Angaben in den Anträgen soll dieser Takedown unter anderem Screenshots und eine Verknüpfung zu gepostetem Material umfassen, das als extrahiert aus einem unveröffentlichten, urheberrechtlich geschützten Spiel beschrieben wird. In einem weiteren Schritt verlangt Take-Two für die betroffenen Accounts eine breite Palette an Informationen: Dazu zählen unter anderem Konto-IDs, Servermetadaten, Telemetriedaten, Original-Nachrichtenlogs, IP-Zugriffsprotokolle, E-Mail-Adressen, Telefonnummern sowie „connected accounts“ und Registrierungszeitpunkte. Die Reichweite ist deshalb so hoch, weil ein Leak-Account häufig nicht nur für die Verbreitung genutzt wird, sondern auch als Knotenpunkt dient: von dort führen oft Wiederverwendungsstrategien bei Identitäten, Geräten und Login-Historien zusammen.
Der Gang über mehrere Plattformen ist dabei kein Zufall, sondern folgt einer aus der Praxis bekannten Logik. Take-Two geht zugleich gegen andere Dienste vor: Es wird auf ähnliche Anträge gegen Microsoft und Discord verwiesen, die inhaltlich in dieselbe Richtung zielen, nämlich die Mischung aus Content-Entfernung und Identifikationsarbeit. Dadurch wird die Hürde für den Leak deutlich: Wer Inhalte ausschließlich auf einer Plattform veröffentlichen kann, kann hoffen, dass die Gegenmaßnahmen dort enden. Wenn aber dieselben Fragmente über verschiedene Netzwerke laufen, entstehen mehr Ansatzpunkte für Korrelationen. Genau diese Korrelationen will Take-Two nach eigenen Angaben bei den Auskünften mit Datenfeldern wie Gerätekennungen und Registrierungszeitpunkten ermöglichen.
Cyberleek setzt offenbar parallel weiter auf regelmäßige Veröffentlichungen. Laut den im Umfeld der Leaks beschriebenen Aktivitäten wurden in den Tagen vor den aktuellen Gerichtsschritten weitere angebliche Gameplay-Videos, Umfragen und Kartenbilder geteilt. Genannt werden dabei unter anderem Szenen, die eine Nudist-Kolonie, eine Tankstellen-Entführung und kurze Einblicke in eine geschnittene Zwischensequenz zeigen sollen. Take-Two und Rockstar hätten sich zu den Inhalten selbst bislang nach Angaben aus den Berichten außerhalb der gerichtlichen Anträge nicht öffentlich geäußert; gleichzeitig bleibt aus Nutzersicht die Verbreitung trotz Meldungen über entfernte Inhalte ein praktisches Problem. Selbst wenn einzelne Posts auf Plattformen verschwinden, wandern Kopien häufig in andere Netzwerke, wodurch die Wirkung von Einzelmaßnahmen begrenzt bleibt.
Aus Markt- und Innovationsperspektive ist das Vorgehen vor allem ein Signal für die Art, wie Urheberrechtsdurchsetzung heute technisch „operationalisiert“ wird: Nicht nur Rechtsfragen werden gestellt, sondern Datenzugriff wird gezielt nach vorne gedreht. Für Unternehmen mit großen digitalen Assets bedeutet das, dass die Beweisführung zunehmend in der Infrastruktur beginnt, etwa bei Plattform-Logs, Account-IDs und Zugriffsdaten. Gleichzeitig zeigt der Fall auch die Grenzen klassischer Löschkampagnen. Sobald Inhalte mehrfach gespiegelt und in unterschiedliche soziale Kanäle weitergereicht wurden, verlagert sich der Schwerpunkt auf Nachvollziehbarkeit und Identifikation statt allein auf Sichtbarkeitsreduktion.
Ob die Person hinter Cyberleek am Ende strafrechtlich belangt wird, hängt laut den vorliegenden Angaben davon ab, wie das Material beschafft wurde und in welcher Rechtsordnung der Schwerpunkt des Handelns liegt. Schon jetzt ist klar, dass die Subpoenas als Datensammlungsschritt konzipiert sind: Sie dienen dazu, aus anonymen Online-Spuren konkrete Zuordnungen herzustellen. Für Rockstar und Take-Two bedeutet das zugleich mehr als nur Abwehr; es ist auch ein Versuch, die Leaking-Infrastruktur zu verstehen. Sollte sich die Identität dadurch rekonstruieren lassen, könnten Folgeentscheidungen sowohl für weitere Moderations- und Sperrmaßnahmen als auch für spätere rechtliche Schritte schneller getroffen werden.
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