LONDON (IT BOLTWISE) – OpenAI sperrt eine Gruppe russischer ChatGPT-Konten, die per VPN Zugriffsbeschränkungen umgingen und eine koordinierte Einflussoperation betrieben. Die Kampagne nutzte die KI, um englischsprachige Social-Media-Beiträge und Kommentare zu erzeugen und über Kanäle wie Substack, Telegram, X, Facebook und LinkedIn zu verbreiten. Laut OpenAI zielte das Vorgehen außerdem darauf ab, die russische Herkunft der Betreiber sprachlich zu verschleiern. Zusätzlich entstanden verlinkende Assets rund um das International Burke Institute und dessen „Sovereignty“-Index.

OpenAI sperrt russische ChatGPT-Konten für Einflussoperation mit KI-generierten Posts
OpenAI sperrt russische ChatGPT-Konten für Einflussoperation mit KI-generierten Posts (Foto: IT BOLTWISE)
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OpenAI hat nach eigenen Angaben mehrere russische ChatGPT-Konten gesperrt, weil sie in einem Bündel von Aktivitäten eingesetzt worden seien, um eine Einflussoperation zu steuern. Zentral ist dabei nicht nur die technische Umgehung von Zugriffsbeschränkungen über VPNs, sondern vor allem die Funktion der Künstlichen Intelligenz als Produktionsmittel: Die Konten sollen Social-Media-Posts und Kommentare erzeugt haben, die anschließend auf Plattformen wie Substack, Telegram, X, Facebook und LinkedIn geteilt wurden. Die Mehrheit des Inhalts sei dabei in englischer Sprache verfasst gewesen, und die Betreiber hätten ChatGPT offenbar gezielt instruieren lassen, sprachliche Hinweise zu unterdrücken, die auf eine russische Herkunft hindeuten könnten.

Spannend wird die Einordnung, weil OpenAI die Operation nicht als isoliertes „Content-Stitching“ beschreibt, sondern als Paket aus mehreren Komponenten. So heißt es, der Ausgangspunkt der Prüfung habe in Beiträgen gelegen, die von der KI generiert wirkten, die Untersuchung habe sich dann aber auf eine breitere Einflussstruktur ausgeweitet. Dazu zählten laut OpenAI ein Website-Ökosystem, in dem kopierte und teils falsch zugeschriebene akademische Arbeiten auftauchten, außerdem ein „Sovereignty“-Index, der Russland günstiger darstellen sollte, und Maßnahmen, um die Herkunft der Akteure zu verschleiern. OpenAI betont zugleich, die Reichweite sei „relativ klein“ gewesen: Telegram habe zwar mehr Nutzer angezogen, pro Kanal jedoch nur etwa 10.000 bis 20.000 Follower aggregiert.

Technisch und organisatorisch zeigt sich hier ein Muster, das in der Praxis häufig zwischen „KI als Megafon“ und „KI als Autoritätsverstärker“ unterscheidet. In der von OpenAI beschriebenen Ausprägung habe ChatGPT vor allem dazu gedient, einzelne Werbe-Posts herzustellen, die dann auf eine scheinbar glaubwürdige Institution mit angeblichen Expertinnen und Experten verwiesen. Genau an dieser Stelle wird KI zur Eintrittskarte: Wenn die Community, die Zitationen und die Bewertungslogik bereits wie ein solides Forschungs- oder Think-Tank-Asset wirken, reichen vergleichsweise kleine Werbeimpulse, um die Wahrnehmungswirkung zu erhöhen. OpenAI beschreibt das als Herstellung von Autorität, als Verdeckung der Quelle bevorzugter Narrative und als Aufbau von skalierbaren Assets über die Zeit.

Das prominenteste Element ist dabei das International Burke Institute (IBI), das in der Meldung als „expert community“ mit Standort Israel charakterisiert wird. Die zugehörige Website (ibi[.]institute) sei im Februar 2025 registriert worden; sie erklärt den sogenannten Sovereignty Index bzw. Burke Index anhand von sieben Indikatoren, die politische, ökonomische, technologische, informationsbezogene, kulturelle, kognitive und militärische Souveränität abdecken. Die Logik der Berechnung wird als gleichgewichtete Punkteaggregation dargestellt: Jede der sieben Dimensionen erhalte über „Equalization“-Koeffizienten einen Wert, aus dem sich pro Bereich bis zu 100 Punkte erheben. Der finale „Cumulative Sovereignty Index“ entstehe dann als Summe über den Bereich 100 bis 700. Auffällig ist auch die konkrete Länderliste: Die USA werden mit 650,9 geführt, China mit 649,1, die Schweiz mit 610,7 und Russland mit 601,4; im Russland-Profil wird außerdem eine hohe Souveränität mit militärischer und wirtschaftlicher Selbstständigkeit sowie eine begrenzte Flexibilität der zivilen Wirtschaft beschrieben.

Unternehmens- und Branchenblick: Auch wenn OpenAI ausdrücklich sagt, dass es keine Belege dafür gebe, dass die Artikel auf der IBI-Website mit ChatGPT erstellt wurden, beschreibt die Meldung eine andere Art von KI-Nähe im Umfeld der Operation. Viele Inhalte wirkten kopiert und teils falsch zugeschrieben; andere Texte seien offenbar von einer slawischsprachigen Person formuliert und anschließend maschinell ins Englische übertragen worden. Außerdem habe ein ChatGPT-Nutzer das Tool genutzt, um ein Profilbild für einen Telegram-Kanal („American Observer“) zu erstellen und wiederholt russischsprachige Zusammenfassungen der Kanalaktivität anzufordern. Für die Verteidigung gegen solche Muster ist das relevant, weil es die „Umfeld-Angriffskette“ zeigt: KI wird nicht zwingend als alleiniger Autor eingesetzt, sondern als Werkzeug zur Pflege von Distribution, Präsentation und kommunikativem Feintuning.

Ein weiterer Punkt ist die Abgrenzung: OpenAI ordnet die Kampagne als eigenständig ein und nennt als Besonderheit die Erstellung des „Sovereignty“-Index, der von dem so genannten Think Tank genutzt worden sei, um Russland vorteilhaft zu positionieren und westliche Länder zu kritisieren. In der Praxis bedeutet das, dass Einflussakteure nicht nur Content verbreiten, sondern auch Daten- und Bewertungsformate bauen, die wie unabhängige Kennzahlen wirken. Selbst wenn die unmittelbare Zielgruppe klein bleibt, kann die Infrastruktur über die Zeit wachsen und den Rahmen für weitere Narrative liefern. Genau diese Ambivalenz adressiert OpenAI: Die Bedeutung liege weniger in der kurzfristigen Reichweite als in der technischen und redaktionellen Grundlage, die später skaliert werden könnte. Gleichzeitig liefert die Meldung einen Ansatzpunkt für die Sicherheitsteams: Wenn KI-generierte Beiträge als Einstieg sichtbar werden, können sie auf die dahinterliegenden Assets hinweisen und so die Operation als Ganzes enttarnen.


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