LONDON (IT BOLTWISE) – Die auf Solana basierende Neobank Avici erstattet nach einem Sicherheitsvorfall 1.685 Nutzer vollständig. Der gemeldete Gesamtschaden liegt bei rund 1 Million US-Dollar, betroffen sind dabei auch Gelder in Höhe von 500.859,22 US-Dollar aus Rain-Kartenkonten. Avici kündigt automatische Gutschriften ohne separaten Antrag an und arbeitet parallel an zusätzlichen Schutzmaßnahmen. Zudem wurde das Internet Crime Complaint Center (IC3) des FBI für die strafrechtliche Verfolgung eingeschaltet.

Die Meldung klingt zunächst nach Schadensbegrenzung, zeigt aber auch, wie schnell sich Security-Vorfälle im Krypto-Umfeld in den Produktbetrieb hinein auswirken: Die auf der Solana-Blockchain operierende Neobank Avici hat eine vollständige Rückerstattung für 1.685 Nutzer angekündigt. Laut Unternehmensangaben betrifft der Vorfall einen Gesamtschaden von rund 1 Million US-Dollar, wobei die Gutschriften automatisch erfolgen sollen und die Betroffenen dafür keinen separaten Antrag stellen müssen. Während die konkreten Untersuchungen noch laufen, hat Avici bereits mit dem Ausbau der Sicherheitsmaßnahmen begonnen, statt die weiteren Schritte bis zur endgültigen forensischen Klärung aufzuschieben.
Technisch rückt dabei eine Schwachstelle im Smart Contract des Kartenausgebers Rain in den Fokus. Nach aktuellen Erkenntnissen entstanden Teile der Verluste genau in diesem Bereich: 500.859,22 US-Dollar sollen durch die Sicherheitslücke von den Kartenkonten der 1.685 betroffenen Nutzer entwendet worden sein. Der Angreifer habe lediglich rund 190 US-Dollar an Transaktionsgebühren (Gas) verursacht, was auf eine gezielte Ausnutzung hindeutet, bei der keine großvolumigen, kostenintensiven Transaktionsketten nötig waren. Zusätzlich legen On-Chain-Analysen nahe, dass der mutmaßliche Angreifer Zugriff auf Bestände von 10.005 SOL hatte; zum Zeitpunkt des Vorfalls entsprach das einem Gegenwert von etwa 1,07 Millionen US-Dollar.
Parallel dazu taucht ein zweiter Angriffskanal auf, der in der Praxis oft unterschätzt wird: Nutzer wurden offenbar über gefälschte Websites in die Irre geführt. Laut Meldung kam es am Vortag zu Verlusten von über 600.000 US-Dollar, die auf betrügerische Seiten wie „getavici.today“ zurückgeführt werden. Das Muster ist dabei typisch für Phishing-Angriffe auf Wallet-Nutzer: Betroffene verbinden ihre Wallets mit manipulierten Seiten, woraufhin sogenannte Drainer-Malware Guthaben entwendet. Avici stellt klar, dass es sich nicht um einen internen Bruch der Plattform-Infrastruktur handelt, und verweist für die weitere strafrechtliche Aufarbeitung auf die Einbindung des Internet Crime Complaint Center (IC3) des FBI.
Für das Ökosystem sind solche Vorfälle nicht nur eine Frage der einzelnen Neobank, sondern ein Belastungstest für die Kette der angebundenen Partner. Die Veröffentlichung der Sicherheitslage traf im Solana-Finanzumfeld mehrere Sicherheitsreaktionen: Der Kartenausgeber Rain setzte Abhebungen kurzzeitig aus, nahm den Normalbetrieb jedoch nach einer umfassenden Sicherheitsprüfung wieder auf. Auch Jupiter pausierte vorübergehend bestimmte Funktionen, teilte später aber mit, dass keine Jupiter-Konten direkt betroffen gewesen seien; Kartenzahlungen über den Dienst sollen weiterhin funktioniert haben, und die On-Chain-Wallets blieben den Angaben zufolge unberührt. Weitere Marktakteure wie Ether Fi, KAST und Hyperbeat meldeten ebenfalls keine Auswirkungen auf ihre Systeme oder Kundenkonten.
Dass das Thema nicht nur operativ, sondern auch marktseitig spürbar ist, zeigt die Reaktion rund um den AVICI-Token. Die Nachricht über den Sicherheitsvorfall belastete demnach die eigene Kryptowährung erheblich: Der Kurs stürzte um 49,4 Prozent und fiel auf ein neues Allzeittief von 0,2175 US-Dollar. Solche Bewegungen sind in Krypto-Märkten häufig eine Mischung aus Risiko-Neubewertung und Liquiditätslogik: Selbst wenn ein Anbieter einen klaren Rückerstattungsplan kommuniziert, bleibt die Unsicherheit über Zeit, Restschäden und mögliche Folgereignisse kurzfristig im Preis sichtbar.
Inhaltlich passt Avicis Ansatz damit in einen Trend, den viele Teams im DeFi- und Fintech-Umfeld inzwischen verfolgen: nicht nur einzelne Schwachstellen zu schließen, sondern auch die „Angriffsoberfläche“ aus Smart-Contract-Ebene und Nutzerinteraktion durchgängig härter zu machen. Das Unternehmen arbeitet laut eigener Aussage an robusteren Sicherheitsprotokollen, um zukünftige Angriffe auf die Smart-Contract-Schicht und Phishing-Versuche effektiver zu verhindern. Hier reicht ein rein technischer Fix selten aus, weil Drainer-Szenarien häufig über Benutzerhandlungen, OAuth-ähnliche Freigaben oder kompromittierte Web-Links laufen. Dass gleichzeitig verschiedene Partner Abhebungsfunktionen temporär einschränkten und danach wieder öffneten, zeigt zudem, wie wichtig reproduzierbare Incident-Prozesse sind, um in Stunden statt Tagen zur Stabilität zurückzukehren.
Für Unternehmen, die Krypto-Infrastrukturen oder Krypto-nahe Finanzservices betreiben, lässt sich aus dem Vorfall vor allem eine operative Lehre ziehen: Rückerstattungen müssen mit einer technischen Ursachenanalyse und einer nachvollziehbaren Risikoreduktion gekoppelt sein. Avici nennt für die Auszahlungen einen automatisierten Weg, beschreibt die betroffene Smart-Contract-Komponente und beschreibt den zweiten Kanal über gefälschte Websites; genau diese Kombination erleichtert es Händlern, Plattformen und Support-Teams, Anfragen konsistent zu beantworten. Gleichzeitig bleibt abzuwarten, wie weit die laufenden Untersuchungen gehen und ob sich weitere Abflüsse oder technische Nebeneffekte zeigen. Bis dahin gilt für alle Marktteilnehmer: Awareness ist ein Prozess, kein Projekt – und bei Phishing-Szenarien entscheidet oft die Geschwindigkeit der Erkennung darüber, wie viele Nutzer nachträglich noch abgesichert werden können.
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