LEIPZIG / LONDON (IT BOLTWISE) – Nach der Insolvenz der Life Forestry Switzerland AG geraten tausende Anleger in die Unsicherheit über ihre Teakholz-Investments. Viele Investorinnen und Investoren berichten von Versprechen zu zweistelligen Renditen, die sich nun nicht mehr einlösen lassen. Besonders streitig ist, ob Anleger tatsächlich Eigentum an einzelnen Bäumen erwarben oder ob Bäume mehrfach vermittelt wurden. Rechtsanwälte setzen parallel auf Schadenersatz, zugleich laufen Pläne für strafrechtliche Schritte und Verfahren in mehreren Ländern.

Die Teakholz-Anlagen von Life Forestry sollten für viele Anlegerinnen und Anleger eine seltene Kombination aus Rendite und „natürlicher“ Kapitalanlage darstellen. Vor allem Kleinanleger investierten über die Life Forestry Switzerland AG in Teakbäume in Costa Rica und Ecuador, laut den Angaben in den Unterlagen als langfristige, nachhaltige Geldanlage. Bis zu 7.000 Betroffene, darunter hunderte aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, bangen nun um ihr Erspartes. Der entscheidende Bruch kam kurz vor dem erwarteten „Geldsegen“, als die Muttergesellschaft im November 2025 Konkurs anmeldete – der allerdings mangels Vermögen eingestellt wurde und damit als Vertragspartner plötzlich praktisch nicht mehr greifbar ist.
Für die Anleger bedeutet das weniger ein abstraktes Marktproblem als vielmehr die konkrete Frage, wer die Plantagen weiter bewirtschaftet und wer Holzverkauf sowie Abwicklung organisiert. In den Verkaufsprospekten wurde diese Rolle bislang als durchgängige Wertschöpfungskette inszeniert: Bäume wachsen, später wird geerntet und daraus sollen Erträge entstehen. Als Ausgleich haben sich in Leipzig eine Anleger-Interessengemeinschaft gebildet und nach Darstellung der Beteiligten bereits mehr als 1.000 Investorinnen und Investoren angeschlossen, darunter solche, die selbst aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingezahlt hatten. In Summe zahlten Anlegerinnen und Anleger über rund 20 Jahre mutmaßlich „um die 200 Millionen Euro“ ein, die bis zur Erntephase in die Pflege, Bewirtschaftung und Vermarktung der Plantagen hätten fließen sollen.
Die rechtliche Auseinandersetzung dreht sich dabei weniger um die Frage, ob Teakholz grundsätzlich wertvoll ist, sondern um den Zuschnitt des Eigentums. Viele Investoren glaubten, sie besäßen konkrete, nummerierte Teakbäume, gestützt durch Urkunden und sogar GPS-Koordinaten. Relevanter wird jedoch, was sich rechtlich überhaupt abbilden lässt: Für einzelne Bäume unabhängig vom Plantagengrundstück ist es nach Darstellung des Kapitalmarktrechtsanwalts Jens Reime offenbar nicht möglich, Eigentum zu erwerben – weder in Costa Rica noch in Ecuador. Seine Schlussfolgerung: Anleger können dann nicht wie bei einer klaren Immobilie verfügen, sondern bewegen sich in einem Konstruktrahmen, der rechtlich anders gelagert ist, als es Werbeunterlagen nahegelegt haben könnten. Dass Teakbäume über Metallplaketten nummeriert und Anleger zugeordnet wurden, löst dieses grundlegende Eigentumsproblem nicht automatisch.
Daneben wächst der Streit um die Einmaligkeit der vermittelten „Einheiten“. Reime verweist darauf, dass Aussagen von Plantagenmitarbeitern darauf hedeuteten, Bäume könnten mehrfach vermittelt worden sein. Ähnlich formulieren es auch andere anwaltliche Vertretungen: Klaus Seimetz beschreibt Ungereimtheiten in Unterlagen und spricht davon, dass „dieselben Bäume oder auch Plantagenflächen mehrfach verkauft oder verpachtet“ worden sein könnten, jedoch ohne bereits vollständige Klarheit. Ergänzend kommt der Renditeversuch: In Verkaufsbroschüren wurde unter anderem eine Jahresrendite von bis zu zwölf Prozent in Aussicht gestellt; zudem wurde das Wachstum als „natürlicher Zinseszinseffekt“ beschrieben und ein geringeres Risiko als bei Aktien beworben. Dass Risiken wie Währungsbewegungen oder steigende Transportkosten im Detail kaum adressiert wurden, ist aus Anlegersicht ein weiterer Baustein der Kritik – selbst wenn sich Warnhinweise in AGB finden.
Auf der anderen Seite steht die Darstellung eines früheren Ex-Geschäftsführers, Lambert Liesenberg, der nach Anfrage von Rechtslage und Unterlagen „ohne Begründung“ mitteilte, es sei keinerlei Schaden entstanden, weshalb es auch keine Schadenersatzansprüche gebe. Konkrete Fragen nach Anzahl vermittelter und gepflanzter Teakbäume oder dem Ertragswert der Plantagen beantwortete er nicht. Parallel dazu berichten die Anwaltschaften von einem Urteil, das zumindest die Sicht stützt, dass die Anleger mit zu optimistischen Renditeprognosen konfrontiert wurden. Für die Beteiligten heißt das: Ein strafrechtliches oder zivilrechtliches Vorgehen steht nicht „entweder oder“, sondern die Strategien werden kombiniert – mit dem klaren Hinweis, dass solche Verfahren Zeit kosten und die Erfolgswahrscheinlichkeit stark davon abhängt, welche Vermögenswerte tatsächlich auffindbar sind.
Rechtsanwalt Klaus Seimetz setzt auf eine Doppelstrategie aus strafrechtlichen Ermittlungen und regulärer Verwertung, gleichzeitig fordert seine Kanzlei nach Darstellung der aktuellen Lage Schadenersatzansprüche nicht vorschnell ein, weil unklar sei, ob diese durchsetzbar sind und ob Geld real verfügbar ist. Auch Reime verfolgt Schadenersatz als Kernweg: Er verweist auf die begrenzte Mandantenanzahl und die Hoffnung auf eine vollständige Befriedigung, falls die rechtliche Verfolgung gelingt. Dabei soll in mehreren Staaten gleichzeitig Druck aufgebaut werden – in Costa Rica und Ecuador, in der Schweiz, in Deutschland sowie in Liechtenstein. Ziel ist, verbliebene Unternehmen, eine Stiftung der Life-Forestry-Gruppe und Privatvermögen von Verantwortlichen heranzuziehen. Gleichzeitig beschreibt Seimetz Gespräche mit einem früheren Life-Forestry-Mitarbeiter, der laut den Planungen eine neue Vermarktung der Teakbäume nach Schweizer Recht anstoßen wolle, damit Anleger gegebenenfalls ohne zusätzliche Kosten neue Verträge abschließen können.
Dass Anleger nach dieser Lage „geduldig“ und finanziell belastbar bleiben müssen, liegt auf der Hand: Neben der rechtlichen Komplexität entstehen Prozesskosten, und die Dauer wird eher im Bereich mehrerer Monate bis mehrerer Jahre erwartet. Für die betroffenen Investoren ist das vor allem psychologisch spürbar, weil viele Altersvorsorgen und Abfindungen in die Teakholz-Investments geflossen sein sollen. Unabhängig vom Ausgang zeigt der Fall eine wiederkehrende Schwachstelle solcher Sachwertmodelle: Wenn Eigentum und Bewirtschaftungsrechte nicht eindeutig und im Ziel-Land rechtssicher ausgestaltet sind, entsteht im Krisenfall ein Informationsvakuum, das Verwertung, Auszahlung und Vergleichsbereitschaft erschwert. Für Unternehmen und Projektträger im Finanzierungs- und Agrarinvestmentbereich ist damit auch eine Lehre verbunden: Transparent geregelte Rechte an konkreten Vermögensgegenständen sind nicht nur ein Verkaufsargument, sondern die Voraussetzung dafür, dass Investoren im Ernstfall überhaupt wissen, was sie rechtlich besitzen – und was nicht.
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