BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Brandmail von Jung von Matt START an den Startup-Verband stellt die Frage nach der echten Marktwirkung: Es gehe nicht nur um Reichweite, sondern darum, ob Kunden daraus entstehen. Im Fokus steht dabei die Sichtbarkeit bei Konsumenten, weil gute Ideen ohne Bekanntheit keine Nachfrage erzeugen. Die Agentur verbindet das mit einem Startup Brand Ranking 2026, das die Branche auf „Bewegung statt Fortschritt“ abklopfen will. Der Verband reagiert, erkennt den Impuls an und verschiebt zugleich den Schwerpunkt auf Politik, Finanzierung und Skalierungskapital.

Jung von Matt Start kritisiert den Startup-Verband: Entscheidend ist die Marktwirkung
Jung von Matt Start kritisiert den Startup-Verband: Entscheidend ist die Marktwirkung (Foto: IT BOLTWISE)
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In Berlin landet ein Brandbrief nicht als leises Feedback, sondern als sichtbares Signal: Jung von Matt START richtet sich direkt an den Startup-Verband und attackiert dessen Selbstbild. Die zentrale Kritik lautet, dass der Verband zwar viel über die Szene spricht, aber zu selten darüber, wie daraus tatsächlich marktfähige Unternehmen werden. Die Agentur stellt damit eine unangenehme Messfrage in den Raum: Wie erkennt man, ob es der Startup-Szene wirklich besser geht – oder ob man vor allem steigende Gründungszahlen feiert, ohne den Blick auf Kunden, Wachstum und Markenaufbau zu richten? Für Entscheider in Tech-Umfeldern ist das mehr als PR-Rhetorik, weil es die Erfolgskriterien verschiebt: vom „Gibt es neue Startups?“ hin zu „Kommen sie bei den Zielgruppen an und skalieren sie?“

Technisch lässt sich diese Denkweise auf das übertragen, was in modernen Go-to-Market-Organisationen längst als KPI-Cluster gilt: Sichtbarkeit muss sich in Nachfrage übersetzen, und Nachfrage muss sich in wiederholbarer Kundenakquise, Retention und nachhaltigem Umsatz verdichten. Jung von Matt START argumentiert in genau dieser Logik, wenn der Brief die Reichweite des Verbands nicht als Selbstzweck versteht. Die Agency nimmt dabei eine Formulierung auf, die wie ein Leitmotiv klingt: Öffentlichkeit sei dann nützlich, wenn sie Begehrlichkeit schafft und am Ende Markenwirkung entsteht. Der Vergleich mit „Die Höhle der Löwen“ dient in diesem Zusammenhang weniger als Unterhaltungskritik, sondern als Gegenfolie: Selbst wenn die Sendung „inszeniert“ wirkt, habe sie B2C-Startups etwas ermöglicht, das in der Verbandsrealität fehle – nämlich Sichtbarkeit, die sich in Kaufentscheidungen übersetzen lässt. Genau hier berührt der Brief die Marketing-Mechanik hinter Consumer-Produkten, etwa wenn eine Marke ohne messbare Nachfrage am Markt zwar existiert, aber nicht skaliert.

Der Ton des Briefs ist auch deshalb scharf, weil Jung von Matt START nicht nur allgemein moniert, sondern konkrete Befunde aus dem eigenen Kontext anführt. Das Startup Brand Ranking 2026, das Anfang September erscheinen soll, soll die Branche nach einem anderen Raster bewerten. Dabei nennen die Autoren ein Beispiel aus der neuen Kategoriendefinition: In der Logik des Verbands gilt ein Startup nur bis zu zehn Jahre als „Startup“. Das sei grundsätzlich nachvollziehbar, so die Einordnung im Brief, aber dann müssten in diesem Zeitfenster eben genug neue und zugleich erfolgreiche Startups nachrücken – genau das sehen die Autoren im deutschen B2C-Markt nicht in ausreichender Zahl. Auffällig ist außerdem die Streichung der Kategorie „Top 5 Digital Consumer Services & AI Startups“, die im Brief mit „Mangel an wirklich relevanten Fällen“ begründet wird. Auch im E-Commerce soll es rechnerisch eng werden, wenn nur noch vier statt fünf Startups in die Betrachtung passen. Für die Interpretation ist entscheidend: Jung von Matt START spricht nicht von einem „Problem des Rankings“, sondern bezeichnet es als Symptom des Marktes – was die Debatte weg von angeblichen Schönheitsfehlern im Reporting und hin zu Verfügbarkeit, Skalierung und Markenfähigkeit lenkt.

Marktpolitisch verschiebt der Brandbrief zudem den Blick von der klassischen Startup-Erzählung. Im Schreiben heißt es sinngemäß: Mehr Neugründungen seien kein Erfolg, wenn niemand die Gründerinnen und Gründer kennt. Mehr Förderlogik sei ebenfalls kein Fortschritt, wenn aus Innovation keine Marke wird. Gerade im Consumer-Umfeld ist das plausibel, denn selbst technisch starke Produkte konkurrieren gegen Gewohnheiten, Distribution und Budgets – und die öffentliche Wahrnehmbarkeit entscheidet oft darüber, ob sich ein Leistungsvorteil überhaupt in Nutzerzahlen übersetzt. Interessant ist, dass der Startup-Verband später genau auf diesem Punkt teilweise zustimmt: Er betont, dass Innovation ohne starke Markenbildung und Nachfrage nicht skaliert. Gleichzeitig nimmt der Verband eine andere Schwerpunktsetzung ein. Seine Hauptaufgabe sieht er in der politischen Interessenvertretung, etwa bei Finanzierung, Bürokratieabbau und Fachkräften, und ergänzt das um Maßnahmen zur Sichtbarkeit über Events, Pressearbeit und Formate wie die German Startup Awards. Dass dabei Gründungszahlen wichtig seien, aber nicht die ganze Geschichte erzählten, ist für sich genommen ein Bekenntnis – nur eben eines, das durch den Brandbrief mit dem Vorwurf konfrontiert wird, zu wenig auf die „unternehmerische Relevanz“ zu schauen.

Im Gegenzug versucht der Startup-Verband, den Vorwurf in ein konkreteres Koordinatensystem zu legen. Die Reaktion formuliert, der Brandbrief sei „auf kreative Art und Weise“ im Sinne einer Geste auf dem „Bürgersteig“ geschrieben worden; der Verband verweist zudem darauf, dass man den direkten Austausch prinzipiell lieber gewesen wäre. Inhalte bleiben aber nicht beim Symbol: Der Verband sieht im internationalen Vergleich bei B2C-Marken in Deutschland „ohne Frage Nachholbedarf“. B2B und Deep Tech seien dagegen stärker aufgestellt. Gleichzeitig nennt der Verband als Engpass nicht nur die Kreation, sondern das Skalierungsproblem: Es fehlten ausreichend Skalierungskapital und Geld für den Aufbau großer Marken. Bemerkenswert ist, wie hier eine Lücke zwischen Anspruch und Wirkung sichtbar wird: Wenn Markenaufbau Kapital und Zeit braucht, dann ist „Sichtbarkeit“ nicht nur eine Kommunikationsaufgabe, sondern auch eine Finanzierungs- und Skalierungsfrage. Genau deshalb ist der Brief für Technologie-Entscheider relevant: Er koppelt Marketingwirkung an Marktlogik und nicht an Veranstaltungstermine. Auch Beispiele, die der Verband für KI-Bereiche nennt, werden im Brief-Kontext eher als Indikatoren verstanden, dass einzelne Teams sichtbar werden können – aber dass die Breite fehlt, um als Kategorie dauerhaft zu dominieren.

Für Unternehmen und Gründerteams lässt sich aus der Debatte eine praktische Leitlinie ableiten: Startup-Erfolg entsteht nicht durch die bloße Anzahl von Meldungen, sondern durch wiederholbare Marktdurchdringung. Entscheidend ist dabei, ob aus einer Produktidee eine Marke wird, die Nachfrage erzeugt – und ob diese Nachfrage anschließend in Vertrieb, Kundenbindung und Skalierung überführt wird. Der Startup-Verband und Jung von Matt START liegen laut Reaktionen in einem Punkt überraschend nah: Substanz entsteht erst durch echte Marktdurchdringung. Der Konflikt liegt eher in der Gewichtung und im Messansatz. Während der Verband vor allem politische Rahmenbedingungen und Netzwerkformate priorisiert, fordert die Agentur, dass Wirkungsketten stärker in den Mittelpunkt rücken. Damit wird die Debatte zu einem Wettbewerb um KPI-Definitionen: Welche Kennzahlen gelten als „Erfolg“ – Reichweite, Anträge, Gründungszahlen oder die Fähigkeit, Käufer zu erreichen? In einer Startup-Landschaft, in der KI-Produkte und digitale Consumer-Dienste immer schneller entstehen, entscheidet diese Unterscheidung darüber, ob die nächste Generation von Firmen nur startet oder tatsächlich ankommt.


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