LONDON (IT BOLTWISE) – Sicherheitsforscher melden 13 bösartige Composer Theme-Pakete auf Packagist, die JavaScript in Streaming-Seiten einschleusen. Auf iPhones mit ungepatchtem iOS soll eine WebKit-zu-Kernel-Exploit-Kette eingesetzt werden, die am Ende Spyware installiert und Wallet-Seeds abgreift. Das finale Payloadsystem sammelt u. a. Keychain-Daten, Wi‑Fi-Passwörter, SMS, Fotos und Browser-Cookies und lädt sie über HTTPS zu rotierenden Command-and-Control-Domains hoch. Betroffen sind nach den Angaben vor allem iOS-Geräte zwischen 18.4 und 18.6.x, während Apple bereits in iOS/macOS 26.1 eine Kernel-Lücke geschlossen haben soll.

Eine ungewöhnlich große Lücke klafft zwischen „normalem“ Paket-Ökosystem und dem tatsächlichen Angriffsweg: Auf Packagist wurden laut Sicherheitsforschung 13 bösartige Composer Theme-Pakete entdeckt, die wie harmlose Bibliotheken für Webseiten-Deployments wirken. Der zentrale Mechanismus ist nicht das klassische Ausnutzen einer Server-Schwachstelle, sondern das Trozialisieren von Komponenten, die Seitenbetreiber typischerweise aus dem Community-Umfeld nachladen. Sobald die Bibliotheken in Vietnamese Movie- und Comic-Streaming-Angeboten installiert sind, wird in den Browser der Besucher zielgerichtetes JavaScript eingeschleust, das im Hintergrund Redirect-Ketten und Werbeinjektionen anstößt.
Aus Sicht der Techniker ist der Ablauf zweistufig: Zuerst läuft eine mobile Ad-Fraud- und Gambling-Redirect-Chain, also eine Kombination aus Werbetransparenz-Umgehung und Umleitung hin zu Glücksspiel- beziehungsweise Adult-Content-Zielen. Parallel dazu folgt auf iPhones eine spezifisch zugeschnittene Exploit-Chain, die WebKit-Funktionen in Richtung Kernel entkapselt. Die Forschenden beschreiben dabei, dass ein verstecktes iframe-Element die iOS-Version ermittelt und daraufhin eine passende Betriebssystem-Variante der Schwachstelle nachlädt. Technisch ist das deshalb relevant, weil die Angreifer nicht „eine“ Exploit-Strategie versuchen, sondern eine Versionierungslogik in den Client integrieren, um die Trefferquote zu erhöhen.
Besonders greifbar wird das Ganze über die genannten CVEs: Laut den Angaben werden zwei WebKit-Schwachstellen als Grundlage genutzt, CVE-2025-31277 sowie CVE-2025-43529. Die Schwachstellen gelten als in bestimmten iOS-Versionen bereits gepatcht: CVE-2025-31277 sei ab Version 18.6 geschlossen, während CVE-2025-43529 in 18.7.3 und 26.2 behoben worden sein soll. Die Logik des Exploits wird dabei als „analog“ zu bekannten Exploit-Kits beschrieben (DarkSword wird als Referenz genannt), was den Rückschluss nahelegt, dass die Angreifer etablierte Muster aus anderen Kampagnen wiederverwenden und sie in eine Web-zu-Kernel-Pipeline übersetzen. Danach pivotiert der Payload aus dem WebContent-Sandbox-Kontext in Richtung GPU-Prozess, bevor eine zweite Stufe den Kernel über einen AppleM2ScalerCSCDriver IOKit-User-Client erreicht.
Damit ändert sich auch die Qualitätsdimension der Malware: Wer „nur“ Code im Browser ausführt, kommt oft nicht zu persistenten, systemnahen Aktionen. Hier soll der Prozess nach dem Kernel-Einstieg Lese- und Schreibrechte erlangen und im Erfolgsfall eine breite Palette persönlicher Daten und Kontoinformationen extrahieren. Genannt werden Keychain-Datenbanken, Wi‑Fi-Passwörter, die SMS-Datenbasis, Adressbuch, Fotos, Browser-Cookies, die Historie von Anrufen sowie Standorthistorie und weitere Kontodaten. Anschließend werden die Datensätze mit AES verschlüsselt und per HTTPS per POST an einen Upload-Endpunkt übermittelt, der in eine rotierende Menge von Command-and-Control-Domains eingebettet ist. Zudem melden die „Worker“-Komponenten den Ausnutzungsfortschritt über eine Statusseite, genannt wird dafür cloudfareintcdn[.]com/wd-status.html.
Die Kampagne wird nicht als einmaliges „Dropper“-Ereignis beschrieben, sondern als wiederverwendetes Muster über mehrere Iterationen. Bereits im März 2026 sei sie erstmals dokumentiert worden, damals mit sechs bösartigen Packagist-Paketen, die als OphimCMS-Themes auftraten und Besucher umleiteten, URLs exfiltrierten, Ads injizierten und eine weitere Second-Stage-Instanz über Infrastruktur mit Funnull-Bezug ausspielten. Im Verlauf wird außerdem erwähnt, dass die iOS-Kette bis zum 12. August 2026 neu ausgerollt wurde, mit Fokus auf iOS-Geräte zwischen 18.4 und 18.6.x und einem aktualisierten Payload, der zusätzlich iOS Keychain-Seed-Wörter für Krypto-Wallets sowie einen „Mnemonic“-Stealer umfasst. Interessant ist dabei der Schritt von Device-Diebstahl zu Finanzdiebstahl: Die Malware greift Wallet-Material offenbar aus Passwortspeichern verschiedener Anbieter ab und nennt u. a. Bitget, BitKeep, Bitpie, Phantom, Tonkeeper, Trust Wallet und OKX.
Für Betreiber von Streaming-Plattformen liegt der praktische Handlungsdruck daher weniger in „harten“ Server-Firewalls, sondern im Paket- und Theme-Management. Die Forschenden berichten, dass dieselben fünf Vendor-Namespace-Bereiche weitere Theme-Pakete veröffentlicht haben, die zum Zeitpunkt der Analyse keine aktiven Payloads tragen, jedoch so konfiguriert sind, dass bösartiger Code über „Custom JS“-Felder aktiviert werden kann, sobald er in Seiten eingebettet wird. Hinzu kommt, dass die iOS-Exploit-Hosting-Infrastruktur Funnull zugerechnet wird; Funnull sei nach Angaben bereits im vergangenen Mai durch die US-Behörden sanktioniert worden, weil es angeblich dabei geholfen habe, Romance-Baiting-Schemata zu ermöglichen, die laut Quelle in Summe über 200 Millionen US-Dollar Krypto-Verluste auslösten. Für Unternehmen ergibt sich daraus ein klares Muster: Ein Webangebot ist nicht nur Angriffsfläche, sondern kann auch unbemerkt zum Versandkanal werden – die Opfer sind dann sowohl Besucher als auch die Betreiber, weil die kompromittierten Themes die Payload „mit ausliefern“.
Als Gegenmaßnahmen werden Site-Owner mit OphimCMS oder KKPhim explizit aufgefordert, zu prüfen, ob eines der genannten Pakete installiert wurde, betroffene Pakete sofort zu entfernen und Zugangsdaten zu rotieren. Zusätzlich sollten sie ihre ausgelieferten jQuery- und Theme-Skripte auf Indicators of Compromise (IoCs) auditieren. Auf iOS-Seite ist die Grundlage für die Wirksamkeit der Angriffe die Frage „ungepatcht oder gepatcht“: Die beschriebenen WebKit-Lücken sind in bestimmten iOS-Releases geschlossen, und Apple habe die Kernel-Escape-Lücke laut Quelle in iOS und macOS 26.1 adressiert. Für die KI-Sicherheitspraxis lässt sich daraus ein wichtiges Signal ableiten: Auch wenn KI-gestützte Erkennung in der Zukunft hilft, bleibt der Kernhebel klassisch – Supply-Chain-Hygiene, Paket-Review und schnelles Reagieren, sobald neue, verdächtige Abhängigkeiten im Deployment auftauchen.
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