LONDON (IT BOLTWISE) – Laut F6 zielt die pro-ukrainisch verortete Ransomware-Gruppe VantaCore auf russische Organisationen ab und fordert Zahlungen in Millionenhöhe. Die Aktivität wird seit August beobachtet, während die zugehörige Leak-Webseite bereits Anfang Juni entstanden sein soll. F6 ordnet VantaCore als Rebranding von Thor ein und beschreibt eine Ransomware-as-a-Service-Logik mit Tor-basiertem Chat und eigenen Schadprogrammen. Im Zentrum stehen maßgeschneiderte Komponenten, die sowohl Verschlüsselung als auch System- und Sicherheitsmanipulation ermöglichen.

Die neue Ransomware-Aktivität rund um die pro-ukrainisch verortete Gruppe VantaCore wirkt vor allem deshalb anders als viele zuletzt beobachtete Kampagnen, weil sie nicht nur auf „Standard“-Schadcode setzt, sondern nach Angaben der russischen Sicherheitsfirma F6 stark auf eigene, maßgeschneiderte Toolsets. F6 schreibt, VantaCore richte sich gegen russische Organisationen und fordere dabei Zahlungen in Millionenhöhe. Auffällig ist außerdem der Einsatz einer Ransomware-as-a-Service-Logik: Entwickler stellen dabei Malware und Infrastruktur bereit, während „Affiliates“ die Angriffe durchführen. Damit wird aus einem einmaligen Exploit-Event ein skalierbares Geschäftsmodell, das sich organisatorisch wie ein Produkt ausrollen lässt.
Den zeitlichen Rahmen ordnet F6 in mehreren Spuren gleichzeitig ein. Die Ermittler haben die Aktivität der Gruppe demnach zuerst im August erkannt, während die zugehörige Daten-Leak-Webseite offenbar bereits Anfang Juni erstellt worden sein soll. Gleichzeitig glaubt F6, dass VantaCore ein Rebranding der Gruppe Thor sei, die im vergangenen Jahr zu den aktiveren Ransomware-Operationen gegen Ziele in Russland gehört haben soll. Für die Einordnung nennt F6 mindestens 12 Angriffe, die Thor im Jahr 2025 zugeschrieben wurden. Gerade diese Verbindung ist für Unternehmen relevant, weil Rebrands oft nicht bedeuten, dass sich das Vorgehen komplett ändert: Häufig bleiben Vorgehensweisen wie Zugriffswege und Taktiken gleich, während Branding, Messaging und einzelne Module ausgetauscht werden.
Technisch beschreibt F6 eine Kette, die mit typischen Einfallstoren startet und dann in sehr spezifische Schadsoftware übergeht. Als Eintrittswege nennt das Unternehmen unter anderem unsicher konfigurierte VPNs und andere Remote-Access-Tools, Schwachstellen in internetfähigen Anwendungen sowie gestohlene Zugangsdaten aus Partnerschaften. Der zentrale Punkt ist dabei nicht, dass die Gruppe „neue“ Schwachstellen entdeckt, sondern dass die Kombination aus initialem Zugriff und anschließender Tool-Architektur offenbar effizient genug ist. F6 bewertet die Taktiken, Techniken und Prozeduren als weitgehend wirksam, zugleich aber nicht als besonders ausgefeilt oder innovativ.
Was VantaCore laut F6 in der Breite von der Masse abhebt, ist die interne Werkzeugfamilie. Die Gruppe betreibt eine eigene, proprietäre Ransomware-Komponente – ebenfalls unter dem Namen VantaCore – die Daten auf Servern sowie auf Rechnern von Mitarbeitenden verschlüsseln kann. Zum Ausrollen setzen die Angreifer den „VantaCoreLoader“ ein, der die Ransomware und weitere schädliche Software in kompromittierte Netzwerke verteilt. Ergänzend wird ein Backdoor-Modul namens „VantaCoreRAT“ beschrieben, mit dem sich Informationen aus infizierten Systemen sammeln, Dateien übertragen und Befehle aus der Ferne ausführen lassen. Dazu kommt „SnowKiller“, das darauf ausgelegt ist, Sicherheitssoftware gezielt außer Gefecht zu setzen – inklusive Antivirus-Produkten. In der Praxis bedeutet das: Selbst wenn ein Teil der Verteidigung auf Standard-Detektionen reagiert, bleibt die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass weitere Stufen nachgeladen oder Schutzmechanismen während der Eskalation gezielt umgangen werden.
Für die operative Kommunikation nennt F6 zudem eine Tor-basierte Chat-Lösung für den Kontakt mit Opfern, flankiert von einer Leak-Seite, auf der gestohlene Informationen veröffentlicht werden können. Auch das passt zur jüngeren Entwicklung im Ransomware-Ökosystem, bei der Erpressung nicht nur über Verschlüsselung funktioniert, sondern über „Double Extortion“: Unternehmen sollen nicht nur Lösegeld zahlen, sondern zudem reputations- und schadensträchtige Datenabflüsse befürchten. F6 weist außerdem darauf hin, dass VantaCore Daten aus russischen Organisationen möglicherweise nicht ausschließlich zur Erpressung nutzt. Möglich sei auch ein späterer Handel oder eine anderweitige Verwendung in weiteren Cyberangriffen bzw. Operationen gegen russische Firmen und Privatpersonen. Diese Perspektive ist für IT- und Security-Leitungen wichtig, weil sie Entscheidungen über Incident Response, forensische Erhaltung und Datenklassifizierung unmittelbarer an den Risiko-„Restwert“ der gestohlenen Inhalte bindet.
Der Aufstieg von VantaCore fällt laut F6 in eine Phase, in der pro-ukrainisch verortete Gruppen ihre Strukturen über 2025 und 2026 hinweg neu organisiert haben. Ein Signal in dieser Entwicklung: Einige Akteure verwenden zunehmend selbst entwickelte Malware statt weit verbreiteter Ransomware-Familien wie LockBit 3 Black oder Babuk. F6 führt diesen Wechsel teilweise auf Schwächen der etablierten Ransomware-Tools zurück, die sich über die Zeit angesammelt hätten, und auf eine gewisse Zurückhaltung, auf Software „mit russischen Wurzeln“ zu setzen. Für die Verteidigung heißt das: Je stärker Angreifer proprietäre Komponenten einführen, desto weniger hilfreich werden generische Signaturen. Stattdessen gewinnen Verhaltens- und Telemetrie-basierte Ansätze an Gewicht, zum Beispiel das Monitoring von Ladeketten (Loader->Ransomware->Backdoor) sowie die Erkennung von Versuchen, Sicherheitsprodukte gezielt zu deaktivieren.
Auf Unternehmensebene ergibt sich daraus ein klarer Handlungsdruck, der über „Ransomware-Schutz“ hinausgeht. Da F6 als Auslöser wiederkehrende Eintrittswege beschreibt, sind gehärtete Remote-Zugänge, die schnelle Schließung internetrelevanter Schwachstellen und ein konsequentes Credential-Management keine reine Hygieneaufgabe, sondern ein direkter Hebel gegen spätere Eskalation. Gleichzeitig sollten Security-Teams ihre Incident-Response-Playbooks so auslegen, dass sie nicht nur die Verschlüsselungsphase verhindern wollen, sondern auch das Nachladen eigener Toolchains und die Backdoor-Funktionalität frühzeitig erkennen. In der Summe zeigt VantaCore damit ein Muster, das gerade in der Region und im aktuellen Cyberkrieg besonders schnell skaliert: weniger „wunderbar neue“ Exploits, dafür mehr Kontrolle über die komplette Angriffsarchitektur – vom ersten Zugriff bis zur Manipulation der Verteidigung.
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