LONDON (IT BOLTWISE) – Die Defense Health Agency (DHA) hat eine konkrete Screening- und Behandlungslogik für weibliche Soldaten in Kraft gesetzt. Im Rahmen der Periodic Health Assessment (PHA) sollen Ärztinnen und Ärzte jährlich auf hormonelle Dysregulation achten und bei Warnzeichen eine gezielte Abklärung einleiten. Dazu gehört auch das RED-S-Screening, das funktionelle hypothalamische Amenorrhö durch Kontrazeption überdecken kann. Zusätzlich regelt die Anleitung, wie bei perimenopausalen und menopausalen Beschwerden weiter vorzugehen ist und wann eine Überweisung an Spezialisten erfolgt.

Die neue Hormon-Screening-Anleitung der Defense Health Agency (DHA) zielt auf etwas, das im militärischen Alltag lange nur indirekt adressiert wurde: körperliche und leistungsrelevante Veränderungen werden nicht nur über Trainingseinheiten und Belastungsberichte sichtbar, sondern auch über Zyklusmuster, Energieverfügbarkeit und endokrine Marker. Die am 2. September unterzeichnete Guidance schafft dafür eine formale „Pfad“-Logik für weibliche Service Members und bindet sie an den bestehenden Prozess der Periodic Health Assessment (PHA). Anders als beim männlichen Dienstbetrieb, bei dem für Männer ab 30 eine verpflichtende Teststrecke für niedriges Testosteron genannt wird, beginnt der weibliche Pfad mit einem jährlichen klinischen Screen auf hormonelle Dysregulation während der PHA.
Technisch und klinisch setzt die Richtlinie dabei bewusst nicht bei einem einzelnen Blutwert an, sondern bei einer Kombination aus Symptomclustern und anschließender Risikostufung. DHA nennt als Hinweise auf potenziellen Relative Energy Deficiency in Sport (RED-S) unter anderem Fatigue, muskuläre und/oder muskuläre Schmerzen sowie Änderungen in den Menstruationsmustern – konkret etwa Zyklen länger als 35 Tage. Der Hintergrund: Militärische Einsatzanforderungen, Fitness-Standards und arbeitsbezogener Stress können das Risiko erhöhen, dass Energiezufuhr und Energieverbrauch dauerhaft nicht zusammenpassen. RED-S steht dabei in Verbindung mit Knochenstress-Verletzungen, einer beeinträchtigten endokrinen Funktion und einem Verlust an Einsatzbereitschaft. Wenn der erste Screen keinen RED-S-Hinweis liefert, fordert die Guidance keine weitere Abklärung.
Sollte jedoch ein Risiko bestehen bleiben, schaltet die DHA in der nächsten Stufe auf strukturierte Beurteilung um. Aktive Dienstkräfte werden laut Anleitung an ihren Primary Care Manager verwiesen; als nächster Schritt kann ein validiertes Screening-Instrument wie das „Low Energy Availability in Females Questionnaire“ zum Einsatz kommen, gefolgt vom International Olympic Committee RED-S Clinical Assessment Tool Version 2. Dieses Tool ordnet in vier Risikokategorien ein – von Low Risk mit uneingeschränktem Training und Dienst bis zu High Risk, bei dem begrenzte Aufgaben, medizinisches Profiling oder sogar eine Hospitalisierung erforderlich werden können. Besonders relevant für den Praxisalltag ist die Einschränkung, dass einige sichtbare Indikatoren durch Behandlung verdeckt sein können: funktionelle hypothalamische Amenorrhö kann demnach durch hormonelle Kontrazeptiva maskiert werden. Gleichzeitig weist die Richtlinie darauf hin, dass Menstruations- und Sexualhormon-Indikatoren in dem RED-S-Assessment für Frauen, die thyroid- oder sex-hormonverändernde Medikamente einnehmen, nicht bewertet werden.
Die Guidance beschreibt außerdem, wie Diagnostik und Therapie ineinandergreifen, wenn RED-S oder verwandte hormonelle Probleme medizinisch plausibel werden. Bei RED-S-Verdacht nennt DHA Bluttests, darunter ein vollständiges Blutbild (Complete Blood Count), ein umfassendes metabolisches Panel (Comprehensive Metabolic Panel), Ferritin sowie Eisen-Studien, Vitamin B12 und den Wert für Thyroid-Stimulierendes Hormon. Bei längerer oder ausbleibender Menstruation kann eine Schwangerschaftsprüfung und – wenn klinisch angezeigt – eine weitere Hormonabklärung hinzukommen. Behandlungsseitig steht zuerst das Beheben des zugrunde liegenden Energiedefizits: Dazu kann die Erhöhung der Ernährungsenergie gehören, eine Reduktion des Trainingsvolumens oder beides. Ebenso fordert DHA, Protein, Kohlenhydrate, Calcium und Vitamin D stärker in den Blick zu nehmen, und sie nennt psychologische Unterstützung als Baustein, wenn disordertes Essverhalten, Belastungen durch Körperbild oder Leistungsdruck eine Rolle spielen.
Für das zweite große Themenfeld erweitert die DHA den Blick über RED-S hinaus auf den Übergang in die Lebensmitte. Frauen ab 35 mit klinisch signifikanten Symptomen einer Perimenopause oder Menopause sollen daraufhin beurteilt werden, ob diese Symptome operative Pflichten oder die Lebensqualität beeinträchtigen. Wenn dies zutrifft – oder wenn die betroffene Person Bildung oder Behandlung anfragt – soll eine Überweisung an einen Midlife-Transition-Spezialisten erfolgen. Die Guidance nennt als mögliche Ansprechpartner unter anderem Fachärztinnen und -ärzte für Gynäkologie/Geburtshilfe, zertifizierte Nurse Midwives, Women’s Health Nurse Practitioners, Endokrinologinnen bzw. Endokrinologen oder entsprechend ausgebildete Primary Care Provider. Falls vor Ort nicht die passende Expertise verfügbar ist, verweist die DHA auf ihr Midlife Telehealth Hub.
Beim dritten Schwerpunkt geht es um Testosteron: Die Guidance adressiert Testosteron-Therapie für Frauen nur in einem engen klinischen Kontext und bettet sie in Evidenzlage und Entscheidungslogik ein. Sie verweist auf das 2019 „Global Consensus Position Statement“ zur Testosterontherapie und nennt Hypoactive Sexual Desire Disorder (HSDD) bei postmenopausalen Frauen als die einzige evidenzbasierte Indikation für Testosteron in dieser Patientinnengruppe. Gleichzeitig wird explizit kein Labor-Schwellenwert für die Diagnose von HSDD festgelegt; stattdessen fordert die Anleitung eine klinische Einschätzung, die Berücksichtigung anderer Ursachen und gemeinsames Entscheiden zwischen Patientin und Behandler. DHA sieht zudem keine überzeugenden Vorteile für Testosterontherapien hinsichtlich psychischem Wohlbefinden, depressiven Symptomen, kognitiver Leistungsfähigkeit, kardiovaskulären Outcomes, Knochenmineraldichte sowie Muskelmasse und -leistung. Für Perimenopause-Patientinnen gilt laut Guidance, dass die Datenlage zur Behandlung von HSDD begrenzt ist. Wenn sich eine postmenopausale, belastende Abnahme der Sexualfunktion zeigt, soll daher zuerst geprüft werden, was sonst als Ursache infrage kommt.
Entscheidet man sich dennoch für eine Therapie, erfolgt sie off-label und sehr kontrolliert: DHA empfiehlt eine Dosierung in Höhe von einem Zehntel der bei Männern zugelassenen 1%-igen Testosteron-Creme oder -Gelmenge. Die Therapieüberwachung sieht Testosteron-Kontrollen drei bis sechs Wochen nach Beginn bzw. nach einer Dosisanpassung vor, mit dem Ziel, Werte im Bereich des normalen Testosteron-Referenzbandes für prämenopausale Frauen zu halten. Eine Fortführung nach sechs Monaten ohne nachgewiesenen Nutzen empfiehlt die Guidance nicht. Für Frauen, die weiter behandelt werden, verlangt die Richtlinie klinische Evaluation und Testosteron-Tests alle vier bis sechs Monate. Außerdem mahnt DHA, dass sich Sicherheitsdaten für „physiologisches“ Testosteron bei Frauen nur bis zu 24 Monaten erstrecken; bei Patientinnen mit hormon-sensitivem Brustkrebs oder hohem cardiometabolischem Risiko soll daher besondere Vorsicht gelten. Die Guidance gilt ab sofort und läuft ein Jahr nach ihrer am 2. September datierten Unterzeichnung, sofern DHA sie nicht früher erneut herausgibt oder widerruft.
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