AMSTERDAM / LONDON (IT BOLTWISE) – AI-Media stellt auf der IBC2026 eine mehrsprachige KI-Toolchain für Rundfunk-Workflows vor. Mit der LEXI-Suite können Medieninhalte live sowie aufgezeichnet mit Untertiteln, Übersetzungen, Sprachausgabe, Audiodeskription und Lokalisierung versehen werden. Zusätzlich präsentiert der Anbieter neue LEXI-Encoder für SDI-, IP- und ST-2110-Umgebungen. Im Fokus stehen außerdem europäische Datenverarbeitungsoptionen und ein erster Einblick in LEXI Link als Proof-of-Concept für personalisierte Audioinhalte am Empfangsgerät.

Auf der IBC2026 geht es für AI-Media nicht nur um „mehr KI“, sondern um die konkrete Produktionskette im Rundfunk: Aus einem Audio- oder Videostream sollen Untertitel, Übersetzungen und sogar mehrsprachige Sprachausgabe werden – und zwar dort, wo Sender technisch schon arbeiten. Am Messestand mit der LEXI-Story (Stand 5.C34) positioniert sich das Unternehmen damit als Brücke zwischen Sprach-KI und der typischen Infrastruktur von Redaktionen und Sendezentren. Der Claim ist klar auf den Workflow zugeschnitten: Live-Formate und aufgezeichnete Inhalte sollen skalierbar barrierefrei und sprachlich passend gemacht werden, ohne dass man dafür zwingend die komplette Prozesslandschaft neu aufsetzen muss.
Der Kern ist die LEXI-Suite, die im Text als zusammenhängendes Toolkit beschrieben wird: LEXI Text für KI-Untertitel in Echtzeit, LEXI Translate für mehrsprachige Untertitel, LEXI Voice für KI-gestützte mehrsprachige Sprachausgabe sowie LEXI AD für Audiodeskription und LEXI Recorded für die Untertitelung, Übersetzung und Lokalisierung von aufgezeichneten Inhalten. Praktisch bedeutet das für Rundfunkunternehmen, dass sie mehrere Barrierefreiheits- und Lokalisierungsbausteine in einem System bündeln können, statt einzelne Use-Cases über unterschiedliche Tools zu orchestrieren. Gerade im Zusammenspiel wirkt das technisch anspruchsvoll, denn Untertitel und Übersetzungen müssen zeitlich präzise auf dem Material liegen, während Sprachausgabe zusätzlich Anforderungen an Sprechstil, Sprachqualität und Output-Format erfüllen muss.
Mit zwei neuen Encoder-Varianten treibt AI-Media die Integration in bestehende Sende-Umgebungen voran: Der neue LEXI Text Encoder und der LEXI Voice Encoder sollen für professionelle Rundfunkumgebungen gebaut sein und dabei SDI-, IP- und ST-2110-Workflows unterstützen. Der Hinweis auf „höhere Rechenleistung“ zielt dabei auf ein ganz konkretes Engpass-Thema: KI-gestützte Untertitel und Übersetzungen brauchen Rechenressourcen, und je näher man an der Live-Produktion agiert, desto stärker werden Latenz und Durchsatz relevant. Interessant ist außerdem der erklärte Übergang zur IP-basierten Produktion der nächsten Generation: Wer heute noch SDI nutzt, aber langfristig auf IP und ST-2110 umstellt, kann die KI-Funktionen offenbar als konsistente Komponente im System behalten und über die Encoder schrittweise in die Zielarchitektur überführen.
Neben der eigenen Hardware setzt AI-Media auf einen weiteren Zugangskanal: LEXI Direct liefert programmatischen Zugriff auf LEXI, damit sich KI-gestützte Sprachfunktionen in Plattformen, Anwendungen und Arbeitsabläufe von Drittanbietern integrieren lassen. Gleichzeitig baut das Unternehmen seine europäische Infrastruktur aus; die Datenverarbeitung für LEXI in der EU soll bis Januar 2027 verfügbar sein. Für IT-Leiter und Medienbetriebe ist das mehr als ein Standort-Detail: Der Text stellt ausdrücklich mehr Wahlmöglichkeiten beim Ort der Verarbeitung in Aussicht und adressiert damit die Erwartung, Anforderungen zu Datenhoheit und regionaler Datenaufbewahrung besser abdecken zu können. In der Praxis heißt das auch, dass sich Projektentscheidungen leichter mit internen Governance-Vorgaben der Senderlandschaft in Einklang bringen lassen, ohne die KI-Fähigkeiten aus Kostengründen wieder aus dem Setup herauszuziehen.
Zur Einbettung in den Medien-Stack nennt AI-Media zudem mehrere Kooperationspartner aus dem Ökosystem, darunter NVIDIA, Akamai, Grass Valley, Techex, Amagi, Pebble, Vizrt, PlayBox Neo und NDI. Die Botschaft dahinter ist weniger Marketing als Architektur: KI-Funktionen im Rundfunk werden dann produktiv, wenn sie über die üblichen Schnittstellen in vorhandene Content-Delivery- und Produktionsketten passen. Außerdem deutet der Text an, dass Besucher der IBC „Innovation“ sehen können, die sich noch in der Entwicklung befindet: LEXI Link als Proof-of-Concept, der Live-Untertitel, Übersetzungen und mehrsprachige KI-generierte Audioinhalte direkt auf die Geräte der Zuschauer übertragen soll. Damit rückt ein Modell in den Fokus, bei dem Personalisierung am Empfangspunkt stattfindet – und nicht erst im redaktionellen Produktionsendpunkt.
Für die Branche ist der Timing-Aspekt relevant, weil mehrsprachige Zielmärkte nicht nur die Untertitel betreffen, sondern die gesamte Art, wie Inhalte wiederverwendet und in verschiedenen Sprachversionen ausgespielt werden. Die Kombination aus Live-Funktionalität (LEXI Text/Translate/Voice) und einem eigenen Pfad für aufgezeichnete Inhalte (LEXI Recorded) adressiert genau diese Zweiteiligkeit: News, Sport und Events brauchen Echtzeitnähe, während Archive, Bibliotheken und Wiederverwertungskanäle häufig eine andere Verarbeitungskadenz und Qualitätskontrolle verlangen. Ob Sender damit am Ende vor allem Kosten in der Lokalisierung senken oder neue Reichweiten in Märkten erschließen, hängt von der Implementierung ab – aber die Richtung ist in jedem Fall deutlich: KI wird in der Medienproduktion von einer „sinnvollen Ergänzung“ zur standardisierten Pipeline-Komponente.
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