IRLAND / LONDON (IT BOLTWISE) – Laut den aktuellen Angaben der Central Bank of Ireland sind die Verluste durch Zahlungsbetrug 2025 deutlich gestiegen. Die Schadenssumme kletterte im Vergleich zum Vorjahr von 140,80 Mio. Euro auf 179,04 Mio. Euro. Besonders stark nahm der autorisierte Push-Payment-Betrug zu, der bereits 45 % des gesamten Schadens ausmacht. Gleichzeitig betonen die Verantwortlichen die internationale Dimension der Überweisungen und die Rolle der Empfängerprüfung bei jeder Zahlungsfreigabe.

Der Zahlungsbetrug verlagert sich zunehmend von der klassischen Manipulation technischer Kontrollen hin zu Angriffen, die am Ende genau dort ansetzen, wo Nutzer Entscheidungen treffen: bei der Zahlungsfreigabe. Besonders deutlich wird das in den aktuellen Zahlen der Central Bank of Ireland. Für 2025 weist die Aufsicht einen Gesamtumfang von 179,04 Mio. Euro aus, nachdem der Wert 2024 noch bei 140,80 Mio. Euro lag. Das entspricht einem Anstieg um 27 % und unterstreicht, dass Kriminelle nicht nur häufiger zuschlagen, sondern auch mit besseren Methoden arbeiten.
Innerhalb dieser Schadensentwicklung sticht eine Betrugsform heraus: der sogenannte autorisierte Push-Payment-Betrug (APP). Dabei bewegen Betrüger die Betroffenen durch Täuschung dazu, eine Überweisung zu autorisieren, die auf ein von Kriminellen kontrolliertes Konto führt. Für 2025 beziffert die Zentralbank den Anteil von APP auf 45 % des gesamten Schadensbetrags. Umgerechnet bedeutet das 74,86 Mio. Euro – ein klarer Hinweis darauf, dass sich die Angriffsstrategie immer stärker auf Social Engineering stützt und weniger auf das Erschleichen von Zugangsdaten.
Aus technischer Sicht ist genau diese Lücke problematisch, weil mobile Banking-Apps zwar Sicherheitsfunktionen bieten können, die jedoch nicht vollständig verhindern, dass ein Nutzer eine betrügerische Zieladresse bestätigt. Die Differenz zwischen „Zugang gesichert“ und „Zahlungsinhalt richtig“ bleibt als Angriffsfläche bestehen. Die Entwicklung passt deshalb zu einem beobachtbaren Branchenmuster: Wenn Sicherheitsmechanismen unbefugte Zugriffe abwehren, versuchen Täter stattdessen, die Bedienhandlung zu „steuern“. In den Daten der Central Bank of Ireland zeigt sich das auch am Vergleich zum Vorjahr: 2024 lag der Anteil von APP am Gesamtschaden noch bei 35,2 %, 2025 ist er deutlich auf 45 % gestiegen.
Hinzu kommt eine zweite Ebene, die für die Risikobewertung und die spätere Geldrückverfolgung entscheidend ist: die grenzüberschreitende Dimension der Angriffe. Laut Central Bank of Ireland entfielen 69,8 % der Gesamtschäden auf grenzüberschreitende Vorgänge – das sind 124,89 Mio. Euro. Für Behörden wird die Nachverfolgung dadurch typischerweise aufwendiger, weil die Beträge häufig über mehrere Jurisdiktionen verschoben werden. Auf operativer Ebene heißt das: Selbst wenn eine Manipulation erkannt wird, bleibt die Frage, wie schnell Zahlungsflüsse gestoppt oder gesichert werden können, und ob sich die beteiligten Institute in der notwendigen Geschwindigkeit abstimmen.
Der stellvertretende Gouverneur der Central Bank of Ireland, Colm Kincaid, hebt in diesem Zusammenhang den menschlichen Prüfprozess hervor. In seiner Warnung geht es um Transaktionen mit unbekannten Parteien und darum, Empfängerdaten vor jeder Zahlungsfreigabe sorgfältig zu prüfen. Das ist weniger eine „Soft-Skill“-Botschaft als ein konkreter Sicherheitshebel: Sobald eine Zahlung autorisiert wurde, hängt die weitere Wirksamkeit von Rückabwicklungs- und Abwehrmechanismen stark davon ab, wie früh die falsche Empfängeradresse erkannt wird. Für Unternehmen mit vielen externen Zahlungsbeziehungen bedeutet das konkret, dass Freigabeprozesse nicht nur auf Kontozugriffen, sondern auch auf der Verifikation von Empfängerniveau (zum Beispiel über verlässliche Stammdaten- und Kanalprüfungen) aufgebaut sein müssen.
Welche Schutzstrategie sich daraus ableitet, ist vor allem für das mobile Banking relevant. Angesichts der Zahlen wird klar, dass technische Absicherungen allein nicht reichen, wenn Betrüger die Betroffenen aktiv in die Freigabehandlung drängen. Für Banken und Regulierer bleibt der Mix aus Detektion, Prävention und Nutzerführung deshalb zentral: Abseits von Werbeaussagen zählt, dass Warnsysteme und Limits so gestaltet sind, dass APP-Szenarien nicht erst dann erkannt werden, wenn der Schaden bereits entstanden ist. Gleichzeitig steigt der Bedarf an klaren, umsetzbaren Routinen im Alltag – etwa durch konsequente Prüfung von Empfängerdaten und durch das konsequente Infragestellen ungewöhnlicher Zahlungsanfragen. Die Entwicklung der letzten Monate zeigt, dass der Kampf gegen Zahlungsbetrug auch 2025 eine Priorität bleiben wird, weil sich Angriffe offenbar weiter professionalisieren und Endkundenhandlungen gezielt ausnutzen.
Auch wenn Sicherheitslösungen in den letzten Jahren technisch deutlich reifer geworden sind, bleibt die Sensibilisierung der Verbraucher ein entscheidender Faktor, um die steigenden Schadenssummen mittelfristig zu begrenzen. Für IT-Verantwortliche und Compliance-Teams in Banken und Zahlungsdienstleistern ist das eine klare Einladung, Security UX und Prozessdesign stärker als Sicherheitskomponente zu behandeln. Denn bei autorisiertem Push-Payment-Betrug liegt die „letzte Meile“ nicht im Rechenzentrum, sondern in der Entscheidung am Smartphone – und genau dort müssen Prävention, Vertrauen und Prüfung zusammenwirken, bevor Kriminelle die nächste Transaktion anstoßen.
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