LONDON (IT BOLTWISE) – Die OECD veröffentlicht die neuesten Ergebnisse der PISA-Studie 2025, die weltweit 15-Jährige in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften testet. Für Deutschland nahmen rund 6.700 Schülerinnen und Schüler an etwa 250 Schulen teil, die Tests dauern jeweils zwei Stunden am Computer. Zusätzlich wird in diesem Zyklus das modellbasierte Problemlösen als Teil des Lernens in der digitalen Welt erhoben. Die Englisch-Ergebnisse folgen erst 2027, sodass Bildungspolitik zunächst auf die Kernfächer und die neue digitale Kompetenz schaut.

Die nächste Runde der internationalen Bildungskontrolle der OECD kommt mit einer Mischung aus Kontinuität und neuen Messachsen: PISA testet erneut Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften bei 15-Jährigen, ergänzt aber in PISA 2025 einen vierten Schwerpunkt, der sich stärker auf digitale Denk- und Problemlöseprozesse richtet. Genau diese Kombination ist politisch brisant, weil sie nicht nur zeigt, wie Schülerinnen und Schüler einzelne Fachinhalte abrufen, sondern auch, ob sie in „realitätsnahen“ Aufgaben mit Modellen und Wechselwirkungen zurechtkommen. Dass die Studie heute erst mit dem Zyklusnamen „PISA 2025“ erscheint, obwohl die Datenerhebung bereits 2025 stattfand, verdeutlicht dabei den langen Atem solcher Vergleichsmessungen.
Technisch läuft die Datenerhebung in der aktuellen Runde wieder nach einem klaren Prüfplan: In den Ländern und Regionen, die teilnehmen, legten im April und Mai 2025 insgesamt mehr als 760.000 Schülerinnen und Schüler in 91 Staaten und Regionen Tests ab, darunter die 38 OECD-Staaten. Für den deutschen Part bedeutete das rund 6.700 Teilnehmende an etwa 250 Schulen. Die Durchführung ist computerbasiert und umfasst zwei Stunden, wobei ein Teil der Aufgaben im Multiple-Choice-Format organisiert ist – also das Ankreuzen der richtigen Antwort aus vorgegebenen Möglichkeiten. Daneben gibt es auch offene Antwortformate, in denen die Lernenden selbst eine Lösung formulieren müssen. Dadurch werden nicht nur Ergebnisrichtigkeiten abgefragt, sondern auch die Art, wie Kompetenzen in schriftlicher Form begründet oder sprachlich strukturiert werden.
Für die Einordnung ist entscheidend, warum sich die OECD überhaupt auf die Altersgruppe 15 Jahre konzentriert: Nach dem Studienkonzept endet zu diesem Zeitpunkt in vielen Ländern typischerweise die Schulpflicht, wodurch sich ein vergleichbarer „Querschnitt“ über Bildungswege ergeben soll. PISA versteht sich als Messinstrument für Grundkompetenzen, die in der internationalen Bildungspolitik seit dem frühen Jahr 2000er Jahrzehnt eine Art Referenzrahmen geworden sind. In Deutschland verbindet sich damit bis heute das sogenannte „PISA-Schock“-Narrativ aus dem Jahr 2000, als das Abschneiden besonders stark verunsicherte und den Druck erhöhte, Curricula, Unterricht und Bildungszugänge systematisch zu reformieren. Im Zentrum steht jedoch nicht die kulturelle Diskussion, sondern die harte Vergleichbarkeit: In jedem Zyklus ist mindestens ein Bereich detaillierter untersucht, diesmal die naturwissenschaftliche Kompetenz.
Der neue Schwerpunkt in PISA 2025 verschiebt den Fokus zusätzlich auf modellbasiertes Problemlösen. Konkret wird diese Kompetenz als Teil des „Lernens in der digitalen Welt“ erhoben – ein Hinweis darauf, dass die Studie typische digitale Lernsituationen nicht nur über Content, sondern über Denkprozesse modellieren will. Das ist mehr als ein kosmetisches Extra: Modellbasiertes Problemlösen verlangt, dass Lernende Zusammenhänge in einer Aufgabe erkennen, Annahmen ableiten und Entscheidungen unter variierenden Bedingungen treffen. Solche Aufgaben lassen sich mit klassischem Multiple-Choice-Design oft nur begrenzt abbilden; die Kombination aus geschlossenen und offenen Formaten in der Testlogik zielt daher darauf, sowohl Auswahlentscheidungen als auch Erklärungsanteile zu erfassen. In Deutschland wird dabei außerdem die Fremdsprachenkompetenz in Englisch getestet, allerdings mit zeitlicher Verzögerung: Die Englisch-Ergebnisse kommen erst 2027.
Wie das in der Praxis ankommt, zeigt der Vergleich mit der zuletzt gemessenen Vorgängerrunde aus dem Jahr 2022. Damals fielen die Resultate in Deutschland nach Angaben der Studienlogik deutlich schwach aus, insbesondere in Mathematik: Die Schülerinnen und Schüler erreichten 475 Punkte, nach 500 im Vergleich zur vorherigen PISA-Studie. Auch im Lesen lagen die Werte mit 480 unter dem Referenzwert von 498; in Naturwissenschaften wurden 492 gemessen gegenüber 503 zuvor. Gleichzeitig ordnete die Studienauswertung diese Werte ein: Deutschland lag in PISA 2022 nahe am OECD-Durchschnitt und in Teilen darüber. Für die Einordnung der aktuellen Ergebnisse bedeutet das: Selbst deutliche Schwankungen können in den internationalen Kontext eingebettet sein – und genau deshalb werden die neuen Daten so genau beobachtet.
Für Bildungspolitik und Schulleitungen ist damit nicht nur die Rangliste relevant, sondern vor allem die Richtung, in die die gemessenen Teilkompetenzen weisen. Wenn sich bei der naturwissenschaftlichen Kompetenz und beim modellbasierten Problemlösen Verbesserungen oder Rückschritte abzeichnen, lässt sich daraus eher ableiten, wo Unterrichtsentwicklung ansetzen muss: bei der Fähigkeit, naturwissenschaftliche Konzepte in Aufgaben anzuwenden, aber auch bei der Kompetenz, in digitalen oder modellartigen Situationen strukturierte Lösungen zu entwickeln. Darüber hinaus entstehen Anschlussfragen für die nächsten Jahre, etwa wie sich Lernzeit, Übungsdesign und Unterstützungssysteme in den Schulen konkret auf diese Kompetenzdimensionen auswirken. Interessant ist dabei auch der organisatorische Unterbau: Das Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien an der Technischen Universität München verantwortet den deutschen Teil, sodass die Ergebnisse nicht nur aus internationalen Vergleichen bestehen, sondern über eine lokale Umsetzung und Testlogistik in Deutschland hinweg vorbereitet werden.
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