SAARLAND / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie im Umfeld von E.ON beziffert die Mehrkosten saarländischer Haushalte durch nicht flexibel genutzten Strom auf rund 19 Millionen Euro pro Jahr. Deutschlandweit sieht die Untersuchung Einsparpotenziale von bis zu 1,7 Milliarden Euro jährlich, wenn Verbraucher wie E-Autos, Wärmepumpen und Waschmaschinen gezielt in günstigere Zeitfenster verlagert werden. Der Hebel liege dabei weniger in neuen Kraftwerken, sondern in flexiblen Tarifen und der flächendeckenden Nutzung intelligenter Stromzähler. Damit solche Modelle im Alltag funktionieren, müssen Hürden für Kunden bei Tarifwechsel und Regulierung möglichst niedrig bleiben.

Studie: Saar-Haushalte zahlen rund 19 Millionen Euro zu viel für Strom
Studie: Saar-Haushalte zahlen rund 19 Millionen Euro zu viel für Strom (Foto: IT BOLTWISE)
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Für viele Haushalte klingt „Strompreis“ nach einem festen Wert – dabei hängt der tatsächliche Kostenblock inzwischen stark davon ab, wann der Verbrauch stattfindet. Eine Studie, die im Auftrag von E.ON sowie unter Beteiligung einer Forschungsstelle für Energiewirtschaft entstanden ist, kommt für das Saarland auf eine konkrete Größenordnung: Rund 19 Millionen Euro pro Jahr könnten dort zu viel gezahlt werden, weil der Strom nicht flexibel genutzt wird. Der Kern ist dabei nicht, dass Energie teurer wäre als zuvor, sondern dass Lastspitzen und Verbrauchszeiten nicht optimal zu den Zeitpunkten passen, in denen Stromsystem und Marktangebot am günstigsten sind.

Überträgt man das Muster auf Deutschland, wird die Dimension noch deutlicher: Die Studie nennt Einsparpotenziale von knapp 1,7 Milliarden Euro pro Jahr, sofern Verbraucherbedarfe – etwa von E-Autos, Wärmepumpen oder Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen – gezielt in günstigere Zeitfenster gelegt werden. Technisch ist das im Grunde eine klassische Lastverschiebung: Statt zu festen Uhrzeiten zu laden oder zu heizen, nutzt man Steuerlogik in Geräten, Apps oder Energiemanagementsystemen, damit der Zeitpunkt der Energieaufnahme mit Preissignalen oder Prognosen zusammenfällt. Genau hier entsteht eine Schnittstelle zwischen Energiesystemtechnik (Lastmanagement, Mess- und Steuerfähigkeit) und Tarifdesign (damit Kunden die Vorteile ohne übermäßige Komplexität erhalten).

Für die praktische Umsetzung spielt Smart Meter eine zentrale Rolle, weil sie die Voraussetzung dafür schaffen, Verbrauch nicht nur zu messen, sondern zeitlich aufgelöst auszuwerten. In der Studie wird explizit betont, dass flächendeckend intelligente Stromzähler installiert sein müssten, um flexible Tarife zuverlässig abrechnen und steuern zu können. Ohne diese granularen Messdaten bleibt Flexibilität oft Theorie oder erfordert Umwege über Schätzungen und inoffizielle Zusatzgeräte. Mit Smart Metern wird das Energiemanagement dagegen planbarer: Der Netz- und Marktkontext kann in Lastentscheidungen einfließen, und Geräte können entsprechend „zeitversetzt“ betrieben werden, ohne dass der Haushalt ständig manuell eingreifen muss.

Auch das Nutzerverhalten ist ein Engpass, und die Studie nimmt ihn direkt in den Blick: Laut den Studienmachern wären etwas mehr als zwei Drittel der Befragten bereit, ihren Verbrauch mithilfe flexibler Tarife in günstigere Zeiten zu verschieben. Gleichzeitig wird klar, dass Akzeptanz nicht nur eine Frage der Zahlungsbereitschaft ist, sondern auch der Einstiegshürden: Die Hürden für Kunden sollen sowohl regulatorisch als auch in der Tarifgestaltung möglichst niedrigschwellig sein. In der Praxis bedeutet das unter anderem, dass Tarife verständlich sein müssen (z. B. klare Regeln, keine unnötigen Nebenbedingungen) und dass der technische und administrative Wechselaufwand für Haushalte gering bleibt – sonst verpufft der theoretische Nutzen, obwohl das System technisch bereit wäre.

Der zweite Treiber ist Wachstum im Verbrauch selbst. Wenn der Stromverbrauch in den kommenden Jahren steigt, wächst nach Ansicht der Studie auch das Einsparpotenzial – weil dann zusätzliche Flexibilitäten benötigt und nutzbar werden. Gerade mit zunehmender dezentraler Stromerzeugung können Privathaushalte laut Studie Schlüsselpositionen einnehmen: Ein Haushalt mit Wärmepumpe und Wallbox wird dann von einem „passiven“ Verbraucher zu einem aktiven Knoten, der Last dämpfen oder in Phasen mit günstigerem Angebot verlagern kann. Für Unternehmen und IT-Teams ergibt sich daraus ein klarer Auftrag, digitale Energiesteuerung stärker in Endkundenprozesse zu integrieren: nicht als Zusatzspielerei, sondern als Bestandteil von Automatisierung, die den Nutzer entlastet und gleichzeitig netz- und marktorientiert agiert.

Damit solche Modelle im Alltag funktionieren, muss außerdem die Kette stimmen: Daten (Smart Meter und zeitnahe Verbrauchsprofile), Regellogik (z. B. Prioritäten zwischen Komfort, Zeitfenstern und Gerätezustand), und Tariftransparenz (damit die ökonomische Wirkung nachvollziehbar bleibt). Gerade in Haushalten zählt dabei weniger die „perfekte“ Optimierung als die robuste Regel, die auch bei unklaren Randbedingungen (spontaner Bedarf, Wetter bei Wärmepumpen, Fahrtplanung bei E-Autos) zu akzeptablen Ergebnissen führt. Daneben bleibt das Stromumfeld dynamisch: In weiteren Stromthemen wird im Kontext des Saarlands auf mehr Beratungen wegen drohender Stromsperren hingewiesen und darauf, dass ein Gerichtsurteil die Verbraucherrechte gestärkt habe. Für die Energiewende bedeutet das insgesamt: Flexibilität muss nicht nur technisch möglich sein, sondern sozial und prozessual so eingebettet werden, dass Haushalte sie verlässlich nutzen können.

Für den Markt ist die Studie damit weniger eine reine Kostenrechnung als ein Signal für Prioritäten. Wenn Einsparpotenziale in Milliardenhöhe als erreichbar gelten, verschiebt sich der Wettbewerb von „wer erzeugt Strom“ hin zu „wer macht Verbrauch steuerbar“. Das begünstigt KI-gestützte Prognosen und prädiktive Steuerungen zwar indirekt, aber der unmittelbare ROI hängt an verständlichen Tarifmodellen und belastbarer Mess- und Dateninfrastruktur. Für Energieversorger und Technikdienstleister liegt der nächste Schritt daher in Pilot-zu-Produktiv-Umsetzungen: Tarife so zu implementieren, dass sie mit Smart Metern sauber abrechenbar sind, und Automatisierung so zu gestalten, dass sie im Haushalt nicht als „zusätzliche Arbeit“ ankommt.


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