LONDON (IT BOLTWISE) – Nach dem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung wird sich das Filialnetz von Kodi weiter verkleinern. Das Unternehmen plant die Aufgabe von 19 der 144 Geschäfte; für 56 steht die Zukunft noch unter Verhandlung. Für weitere 69 Filialen soll der Betrieb dagegen gesichert bleiben. Betroffene Standorte liegen ausschließlich in Nordrhein-Westfalen, der Räumungsverkauf soll bereits starten.

Der Non-Food-Discounter Kodi schrumpft nach dem Einstieg in ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung spürbar zusammen – und mit ihm die regionale Präsenz. Wie das Unternehmen mitteilt, werden von insgesamt 144 Geschäften 19 Standorte aufgegeben. Zusätzlich bleiben 56 Filialen zunächst im Schwebezustand, weil Verhandlungen über eine Fortführung noch laufen. 69 weitere Läden sollen demgegenüber in jedem Fall erhalten bleiben. Damit verschiebt sich das operative Gewicht von einer breiteren Fläche hin zu einer kleineren, wirtschaftlich tragfähigeren Ladenbasis.
Besonders konkret wird die Planung bei den Standorten, die offenbar als erste Phase der Sanierung auf die Schließung zusteuern. Für die Aufgabe nennt Kodi ausschließlich Filialen in Nordrhein-Westfalen – darunter Ahaus, Bochum-Drehscheibe, Duisburg-Rumeln, Düsseldorf-Oberbilk und Essen-Kupferdreh. Hinzu kommen unter anderem Gelsenkirchen-Buer, Jülich, Kleve Herzogstraße, Königswinter, Mönchengladbach-Wickrath sowie Solingen Kirchstraße und Wuppertal-Vohwinkel. Auch Wuppertal-Barmen II und Zülpich zählen zu den betroffenen Standorten. Für die Betroffenen bedeutet das einen schnellen Übergang in den Räumungsverkauf: Für diese Filialen soll der Verkauf zur Bestandsräumung jetzt beginnen.
Für die Belegschaft sind die nächsten Wochen eng getaktet. Kodi schreibt, dass den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach den Angaben für den erwarteten Start des Insolvenzverfahrens Anfang Oktober gekündigt werden soll. Wie genau viele Beschäftigte pro Filiale betroffen sind, nennt das Unternehmen nicht; als Referenzgröße verweist Kodi allerdings auf einen Schnitt von etwa sechs Menschen pro Standort. Insgesamt beschäftigt Kodi nach eigenen Angaben knapp 1.200 Personen. Das schafft zwar eine grobe Orientierung, bleibt aber politisch und arbeitsrechtlich entscheidend: Ohne konkrete Zahlen zu jeder einzelnen Filiale lässt sich schwer abschätzen, wie stark die regionale Arbeitsbelastung ausfällt.
Auf Unternehmensseite steht der Fokus auf der Stabilisierung über eine Eigenverwaltung. Bei einer Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt und leitet die Sanierung selbst, anders als bei Konstellationen, in denen ein Insolvenzverwalter die Geschäfte vollständig übernimmt. Kodi hatte den Insolvenzantrag im Juli gestellt und dabei die schwierige Lage im Einzelhandel als Begründung angeführt; zudem waren Löhne und Gehälter nach Unternehmensangaben bis September durch Insolvenzgeld gesichert. Der Geschäftsführer Fabian Grund verweist zwar auf belastende Wochen für die Beschäftigten, betont aber gleichzeitig, dass es gelungen sei, bereits viele Standorte und die damit verbundenen Arbeitsplätze zu sichern. Welche 56 Filialen konkret gefährdet sind und welche 69 sicher weiter betrieben werden, bleibt jedoch weiterhin unklar – die Liste wird damit zum operativen Signal, während die Zahlengrundlage schon feststeht.
Die Entwicklung passt in ein breiteres Muster von Insolvenzen im Einzelhandel, das sich zuletzt weiter verstärkt hat. Kodi hatte bereits 2024 ein Schutzschirmverfahren beantragt: Von etwa 240 Filialen blieb anschließend nur noch ein Bestand von rund 150, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen. Damals wurden mehr als 500 Beschäftigte gekündigt – ein Indiz dafür, wie stark zuvor schon Kostenstrukturen und Standortdichte unter Druck geraten waren. Der Discounter verkauft vor allem Haushaltswaren und Drogerieartikel; der Firmensitz liegt in Oberhausen, während der Sitz der Gesellschaft in Landsberg in Sachsen-Anhalt sitzt. Die Verschiebung innerhalb des Filialnetzes zeigt damit nicht nur eine aktuelle Krise, sondern setzt eine bereits eingeschlagene Schrumpfungs- und Restrukturierungslogik fort.
Dass die Lage nicht auf Kodi begrenzt ist, unterstreichen weitere Fälle und Marktmeldungen aus dem Handel. Die Kodi-Muttergesellschaft hatte im Februar den Non-Food-Discounter Mäc Geiz übernommen, der vor allem in Ostdeutschland präsent ist. Mäc Geiz stellte im Mai ebenfalls einen Insolvenzantrag; zudem wurde bekannt, dass rund 50 Läden geschlossen werden sollen. Auch andere bekannte Händler sind in den vergangenen Monaten betroffen gewesen: Die Deko-Kette Depot stellt Ende September den Geschäftsbetrieb ein, Arbeitsverhältnisse und Mietverträge wurden gekündigt. Daneben meldeten Hellweg sowie BayWa Bau- & Gartenmärkte im Juni ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung mit dem Ziel, Unternehmen abzuwickeln und Marken aufzugeben, während andere Händler Teile der Filialen übernehmen sollen.
Aus Branchenperspektive wird damit vor allem eines deutlich: Standortkonzepte geraten in einem Umfeld aus schwächerer Nachfrage und hohem Kostendruck schnell an die Grenze der Tragfähigkeit. Laut Angaben des Kreditversicherers Allianz Trade hat die Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel ein Zehnjahreshoch erreicht: Zwischen Juni 2025 und Mai 2026 meldeten demnach gut 2.600 Einzelhändler Insolvenz an, die Dynamik habe sich zuletzt zwar leicht abgeschwächt, bleibe aber hoch. Für Betreiber, Lieferanten und die regionale Wirtschaft bedeutet das, dass Sanierungspläne und mögliche Übernahmen immer häufiger parallel zu laufenden Kündigungs- und Umstellungsprozessen entschieden werden. Selbst wenn Kodi für 69 Standorte eine Fortführung vorsieht, zeigt die Streuung zwischen „sicher“, „offen“ und „schließt“ wie eng getaktet die Entscheidungen in der Filialökonomie derzeit sind – und warum sich Händler und Partner künftig noch stärker auf Szenarien für schnelle Bestandsanpassungen einstellen müssen. Und ja: Gerade weil in vielen Organisationen inzwischen KI (Künstliche Intelligenz) für Bedarfsvorhersagen und Bestandssteuerung eingesetzt wird, wirkt die aktuelle Lage wie ein Stresstest – die entscheidende Stellschraube bleibt aber oft die Umstrukturierung von Netz und Kosten, nicht nur die Optimierung einzelner Artikel.
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