TEXAS (VAL VERDE COUNTY) / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie von Purdue-Ökonomen verschiebt die Diskussion über ausländische Agrarflächen: Nicht die Gesamtzahl, sondern die Lage zählt. Laut Auswertung von Transaktionen rund um China ergeben sich deutliche Häufungen in US-Countys mit „Military Interest Points“. Besonders relevant werden die Beispiele aus Texas und anderen Bundesstaaten, wo Projekte wegen lokaler Genehmigungen scheiterten. Damit rückt die Frage in den Fokus, wie Gesetzgeber aus dem Zonen- und Transaktionsmuster politische Leitplanken ableiten können.

US-Bodennutzung wird in vielen Debatten über globale Abhängigkeiten auf eine einzige Kennzahl reduziert: den Flächenanteil. Genau dort setzt eine neue Untersuchung von Purdue Agricultural Economics an und macht die Logik „weniger als fünf Prozent der Gesamtfläche“ angreifbar. Ausgangspunkt ist die USDA-Zahl von rund 880 Millionen Acres Ackerland. Davon entfallen laut Berichtslage etwas mehr als 46 Millionen Acres auf Pacht oder Eigentum ausländischer Akteure – dazu werden unter anderem Kanada, die Niederlande, Deutschland und die Volksrepublik China (PRC) gezählt. Die Studie betont jedoch, dass die bloße Größe der Auslandsflächen strategisch zu kurz greift, sobald die Standorte in unmittelbarer Nähe sicherheitsrelevanter Infrastrukturen liegen.
Technisch betrachtet geht es dabei um die Verknüpfung zweier Ebenen: Transaktionen im Agrarbereich und die räumliche Zuordnung zu Gebieten, die als „Military Interest Points“ beschrieben werden. Die Purdue-Ökonomen Valerie Kilders und Nicole Olynk Widmar argumentieren, dass die Betrachtung nur auf Acre-Bilanzen Muster überdecken kann, die sich erst im County-Kontext zeigen. Konkret berichten sie, dass nahezu 44% der landwirtschaftlichen Transaktionen, die im Material als PRC-verknüpft ausgewiesen sind, in Countys stattfanden, die US-„Military Interest Points“ enthalten. Gleichzeitig sei diese Gruppe nur mit 14% aller US-Countys vertreten gewesen. Diese Diskrepanz ist das zentrale Muster der Arbeit: selbst wenn die Gesamtmenge klein bleibt, können die Transaktionen in sicherheitsnahen Regionen überproportional konzentriert sein.
Damit die statistische Aussage belastbar bleibt, zerlegt die Studie zudem einzelne Ereignisse, die die Auswertung stark prägen können. Im Datensatz wurden insgesamt 38.722 gemeldete Auslands-Transaktionen identifiziert; davon sollen 131 Transaktionen mit der PRC in Verbindung stehen. Ein großer Hebel ist in den Zahlen sichtbar: 60 dieser PRC-bezogenen Fälle werden dem Smithfield-Foods-Kauf in 2013 zugeschrieben, durchgeführt über die WH Group. Die Purdue-Forscher prüfen deshalb die Lage noch einmal, nachdem Transaktionen im Zusammenhang mit Smithfield Foods aus der Analyse herausgerechnet wurden. In dieser bereinigten Sicht lagen 43,7% der PRC-verknüpften Transaktionen in Countys mit „Military Interest Points“, während der entsprechende Anteil bei allen ausländischen Agrarland-Transaktionen im Datensatz nur 11,3% betragen habe.
Auch die zeitliche Dynamik wird im Bericht aufgegriffen. Laut Studie sei das Interesse an der Entwicklung ausländischer Flächen zwar oft als Randthema abgetan worden, die Zunahme betrage aber fast 2,2 Millionen Acres pro Jahr seit 2015. Gleichzeitig bleibt die absolute Größe der PRC-Flächen – ebenfalls im Bericht genannt – im Verhältnis zur gesamten Auslandsfläche klein: Für 2024 werden rund 247.659 Acres für die PRC ausgewiesen, das entspricht laut Darstellung weniger als 0,6% der ausländisch gehaltenen Acres. Diese Gegenüberstellung ist entscheidend für die politische Interpretation: Sie trennt die Frage „wie viel“ von „wo“. Genau hier ordnen die Autoren auch die öffentlich besonders diskutierte Transaktion in Texas ein, bei der über 130.000 Acres in der Nähe des Laughlin Air Force Base genannten Areals in Val Verde County ins Gespräch kamen. Die Basis gilt im Bericht als zentrale Pilot-Trainingsstätte der US Air Force.
In den praktischen Beispielen zeigt sich, wie stark regionale Genehmigungspfade die Entwicklung prägen können. Für Texas wird beschrieben, dass GH America Energy LLC – eine Tochtergesellschaft der China-basierten Guanghui Energy Co. im Umfeld des Unternehmers Sun Guangxin, der als ehemaliger chinesischer Militäroffizier eingeordnet wird – innerhalb von zwei Jahren ab 2016 Flächen über private Transaktionen aufgebaut habe, reportedly für ein Wind-Farm-Projekt. Ein zweites Beispiel nennt die Purdue-Arbeit in North Dakota: Der Fufeng Group wird der Erwerb von 300 Acres im Raum Grand Forks zugeordnet, berichtet als Teil eines Vorhabens für eine Corn-Milling-Anlage, die etwa 12 Meilen vom Grand Fork Air Force Base entfernt liegen sollte. In diesem Fall sei das Projekt jedoch gestoppt worden, weil die Stadt Grand Forks keine Bauanträge bearbeitete und die Fläche zudem umgewidmet bzw. neu zoniert habe – der Bericht beschreibt damit indirekt, wie lokale Planungshoheit Wirkung entfaltet, selbst wenn eine Unternehmensseite Fläche erwirbt.
Der Bericht erweitert die Einordnung anschließend in die Politik- und Gesetzeslandschaft. Seit 2022, so die Studie, habe es eine Welle staatlicher Gesetzgebung gegeben; im Material heißt es, dass 22 Bundesstaaten Vorstöße eingeführt hätten, um den Erwerb von Land durch ausländische Akteure zu beschränken oder zu begrenzen. Für Unternehmen und Investoren ist das relevant, weil sich damit die Risiko- und Zeitachse bei Transaktionen verändert: Wert liegt nicht mehr nur im Grundstückspreis, sondern auch in der Frage, wie schnell Genehmigungen laufen, wie „Foreign ownership“-Regeln in konkreten Countys wirken und wie stark sicherheitsnahe Lagen in Genehmigungs- und Prüfprozessen berücksichtigt werden. Gleichzeitig bleibt die Studie als Datenquelle auch für Analysten interessant, weil sie Muster auf Transaktionsebene herausarbeitet, die Gesamtstatistiken häufig glätten.
Unterm Strich liefert die Purdue-Arbeit eine präzisere Antwort darauf, warum selbst kleine ausländische Flächenanteile im sicherheitsrelevanten Kontext Gewicht bekommen können. Die Ergebnisse widersprechen nicht der Kernaussage, dass adversäre Länder nur einen geringen Anteil am gesamten US-Ackerland halten; sie zeigen aber, dass die Verteilung innerhalb der USA entscheidend sein kann. Für die künftige Umsetzung bedeutet das: Gesetzgeber, aber auch Banken, Berater und Betreiber landwirtschaftsnaher Projekte dürften künftig stärker fragen, in welchem County eine Transaktion stattfindet und ob dort „Military Interest Points“ liegen. Für die KI-gestützte Analyse von M&A- und Land-Registrierungsdaten folgt daraus zudem ein praktischer Ansatz: Transparenz entsteht weniger durch eine einzige Flächenkennzahl, sondern durch die Kombination von Geodaten, Transaktionshistorien und Regeln zur regionalen Sicherheitsrelevanz. So wird aus einer abstrakten Acre-Debatte ein überprüfbares Lage- und Risiko-Mapping, das sich in Due-Diligence-Prozessen und Compliance-Workflows abbilden lässt.
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