LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Milchschokolade der Marke Romy wird ab sofort mit „Neuer Look, gleicher Genuss“ beworben, kostet im Handel aber offenbar weniger als zuvor. Der Preisvorteil entsteht laut Verbraucherangaben vor allem dadurch, dass der Inhalt von 200 auf 150 Gramm sinkt. Gleichzeitig soll der Kakaoanteil im Milchschokoladenanteil von 35 auf 31 Prozent gefallen sein. Die Kritik richtet sich damit weniger gegen den Etikettenspruch als gegen die versteckte Preiserhöhung pro Kilogramm.

Im Regal wirkt die Romy Milchschokolade mit Kokos-Kakao-Creme zunächst wie ein klassisches Sparangebot: Für die Tafel sollen im Supermarkt meist 2,49 Euro statt 2,99 Euro fällig werden. Genau an dieser scheinbaren Entspannung setzt die Auseinandersetzung an, denn der „günstigere“ Preis bezieht sich nicht auf die gleiche Menge. Die Verbraucherzentrale Hamburg macht deshalb den zentralen Rechenfehler deutlich, den viele Käufer ohne Grundpreisvergleich übersehen: Während der Verkaufspreis sinkt, wird die Packungsgröße gleichzeitig reduziert.
Der eigentliche Hebel liegt in der Grammzahl. Laut Angaben aus der Verbraucherschutzprüfung stecken statt 200 Gramm nur noch 150 Gramm in der Packung. Das entspricht einem Mengenrückgang um 25 Prozent – bei einem Kaufpreis, der zwar um 0,50 Euro niedriger ausfällt, aber in Relation zur reduzierten Füllmenge eben nicht entsprechend mitgeht. Bezogen auf den Grundpreis ergibt sich dadurch trotz des niedrigeren Verkaufspreises eine versteckte Preiserhöhung von rund elf Prozent. Für die Praxis heißt das: Wer nur auf die Zahl am Preisschild schaut, zahlt im Endeffekt mehr pro Kilogramm Schokolade als zuvor.
Zusätzlich verschiebt sich beim Blick auf das Verpackungsdesign die Wahrnehmung: Die Packung bleibt nach den beschriebenen Änderungen nahezu unverändert in Größe und Grundformat. Hosta verkauft die kleinere Tafel weiterhin in einer quadratischen Packung gleicher Größe, die jedoch optisch „modernisiert“ wird. Auf der Vorderseite steht der Slogan „Neuer Look, gleicher Genuss“, ein Hinweis auf das Marketing-Redesign – aber kein Hinweis darauf, dass sich der Inhalt um ein Viertel verringert hat. Genau dieser Punkt ist für Verbraucherschützer besonders kritisch, weil der Satz den Eindruck „gleicher Genuss“ erzeugt, obwohl sich die Menge messbar unterscheidet.
Hosta GmbH & Co. KG stellt sich der Kritik mit einer Begründung, die auf die Marktsituation und Konsumgewohnheiten abzielt: In der Antwort heißt es, die kleinere Tafel entspreche stärker den heutigen Konsumgewohnheiten. Daneben verweist das Unternehmen auf gestiegene Rohstoffkosten in den vergangenen Jahren, auch wenn sich die Marktlage wieder entspannt habe. Aus Sicht der Verbraucherzentrale Hamburg greift diese Argumentation jedoch zu kurz, weil die Rohkakao-Preise inzwischen laut ihren Angaben wieder auf ein Niveau gefallen seien, das etwa dem von Ende 2023 entspricht; zeitweise hätten die Preise sogar deutlich niedriger gelegen. Für die Einordnung ist das wichtig: Selbst wenn Preisbewegungen im Rohstoffbereich wirken, entscheidet letztlich das Zusammenspiel aus Menge, Preispolitik und Kennzeichnung darüber, ob der Kunde real besser oder schlechter dasteht.
Auch bei den Zutaten setzt die Kritik an. Bei der Romy Schokolade wird demnach ein Teil der Kakaobutter durch andere pflanzliche Fette wie etwa Sheabutter ersetzt. Die Verbraucherzentrale Hamburg führt an, dass dies bereits bei der „alten“ Variante der Fall gewesen sei und Herstellkosten senken könne. Zugleich verweist die Quelle auf die Kakaoverordnung, wonach bestimmte pflanzliche Fette bis zu einem Anteil von maximal fünf Prozent am Gesamtprodukt zugesetzt werden dürfen. Interessant ist dabei die Formulierung „bei Schokolade in Deutschland unüblich“, die auf die Wahrnehmung zielt, wie die Zusammensetzung in der Praxis erwartet wird. Zusätzlich sei der Mindestkakaoanteil im Milchschokoladenanteil von 35 auf 31 Prozent gesunken, was nicht nur sensorisch eine Rolle spielen kann, sondern auch zeigt, dass sich nicht nur Verpackung und Menge, sondern auch die Rezeptur-Komponente in der Wahrnehmung verändert haben könnte.
Für den Markt bedeutet die Entwicklung vor allem eines: Der Wettbewerb um den „günstigeren“ Preis im Regal verlagert sich auf Grundpreis- und Größenlogik, nicht nur auf Preisetiketten. Solche sogenannten „Shrinkflation“-Effekte sind seit Jahren ein wiederkehrendes Muster, weil sie das Preisgefühl der Kundschaft aushebeln, während Hersteller ihre Marge teilweise stabilisieren. Gleichzeitig macht der Fall deutlich, wie stark die Verbrauchersicht davon abhängt, ob Kunden Grundpreis und Nettogewicht konsequent prüfen. Für Unternehmen in der Lebensmittelverarbeitung ist das zweischneidig: Einerseits lassen sich Portionierung und Packaging an Konsumrhythmen anpassen, andererseits steigt das Risiko von Vertrauensverlust, wenn das Packaging-Redesign ohne klare Mengenhinweise wirkt. Wer künftig auf „Neuer Look“ setzt, wird sich daher stärker daran messen lassen müssen, ob Transparenz über Inhalt und Grundpreis vom Marketing genauso konsequent transportiert wird wie die neue Gestaltung.
Unterm Strich stellt sich der Kernkonflikt weniger als reine Preismeldung dar, sondern als Frage nach Fairness und Vergleichbarkeit im Einkauf: Sinkt der Inhalt, muss die Information so gestaltet sein, dass sie die reale Vergleichsbasis liefert. Die Romy-Kritik knüpft genau dort an, indem sie die versteckte Preiserhöhung pro Kilogramm sowie die Zusammensetzungsanpassungen in den Fokus rückt. Für Verbraucher bleibt damit der pragmatische Ansatz, künftig stärker auf das Nettogewicht und den Grundpreis zu schauen – für Hersteller und Handel dagegen die Lehre, dass ein „gleicher Genuss“-Claim ohne Mengen-Transparenz schnell als Verschleierung wahrgenommen werden kann.
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