BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine große Umfrage der Krankenkasse DAK zeigt, dass in den Klassen fünf bis zehn fast die Hälfte der Schülerinnen und Schüler über Schlafstörungen klagt. Zusätzlich geben 69 Prozent mindestens einmal pro Woche Erschöpfung an. Gleichzeitig blicken nur 57 Prozent positiv in ihre Zukunft, während die Tendenz laut den Angaben insgesamt negativ bleibt. Als mögliche Ursache nennt ein Kinder- und Jugendmediziner vor allem späte Mediennutzung, die den Schlaf aus dem Takt bringt.

Die Ergebnisse treffen mitten in den Schulalltag: In den Klassenstufen fünf bis zehn klagt nach einer Umfrage der Krankenkasse DAK fast die Hälfte der Schülerinnen und Schüler über Schlafstörungen. Die Erschöpfung ist dabei noch breiter sichtbar – 69 Prozent fühlen sich mindestens einmal pro Woche müde. Ergänzend berichten 49 Prozent von einem verminderten Wohlbefinden. Dass parallel nur 57 Prozent positiv in die eigene Zukunft blicken, macht deutlich, wie stark Schlaf und psychisches Befinden im Alltag miteinander verknüpft sind.
Technisch betrachtet ist das Präventionsradar kein einzelner Schnelltest, sondern ein wiederkehrendes Messinstrument: Es wird seit 2016 vom Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung regelmäßig erstellt und erscheint bereits zum zehnten Mal. Die Befragung zielt nicht nur auf Symptome, sondern auch auf Gesundheitsverhalten. Im Schuljahr 2025/2026 nahmen rund 30.000 Kinder und Jugendliche an 141 allgemeinbildenden weiterführenden Schulen in 15 Bundesländern teil – beteiligt waren damit nahezu alle Regionen, lediglich das Saarland fehlte. Damit entsteht eine Datengrundlage, die weit über lokale Momentaufnahmen hinausgeht.
Auch im Zeitverlauf wird der Druck auf den Schulbetrieb sichtbar. Laut den Vergleichsdaten haben die Schlafprobleme in den vergangenen Jahren zugenommen: Im Schuljahr 2019/2020 klagten 36 Prozent darüber, im vergangenen Schuljahr waren es bereits 46 Prozent. Bei der Erschöpfung liegt die Entwicklung noch markanter: Vor drei Jahren sprachen 52 Prozent von Erschöpfung, heute sind es 69 Prozent. Die DAK bringt diese Belastung ausdrücklich in Zusammenhang mit schwachen deutschen Ergebnissen in der internationalen Bildungsstudie Pisa – und argumentiert, dass Erschöpfung und Schlafprobleme die Lernvoraussetzungen verschlechtern.
Ein zentraler Erklärungsansatz kommt dabei aus der Kinder- und Jugendmedizin. Der Präsident des Verbands der Kinder- und Jugendärzte, Michael Hubmann, verweist auf eine mögliche Rolle übermäßiger Mediennutzung. Seiner Einschätzung nach bleiben Kinder und Jugendliche vom gesunden Schlaf abgehalten, wenn sie bis spät in den Abend soziale Medien nutzen oder – algorithmisch getriggert – aufwühlende Videos konsumieren. Das wirkt plausibel, weil soziale Plattformen typischerweise auf Interaktion optimieren und damit die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Bildschirmpausen hinausgeschoben werden. Gleichzeitig passt das in die von der Bundesschülerkonferenz betonte Gemengelage aus Leistungsdruck, Mobbing sowie fehlendem Wohlbefinden in der Schule, die auch im Kontext von Pisa 2025 sichtbar wurde.
Für Schulleitungen und Eltern ergibt sich daraus eine Frage, die über Gesundheitsempfehlungen hinausgeht: Wie lässt sich Schlafkompetenz im System Schule konkret erhöhen? Die DAK fordert mehr Gesundheitskompetenz und knüpft damit an einen Punkt an, der in vielen Familien zwar bekannt ist, aber im Alltag schwer umsetzbar bleibt. Wenn 69 Prozent regelmäßig erschöpft sind, reicht es nicht, einzelne Ratschläge für „besseres Schlafverhalten“ auszugeben. Dann braucht es Strukturen, etwa klare Regeln für digitale Routinen am Abend, Entlastung bei Leistungs- und Stressspitzen sowie Angebote, die Belastungen früh erkennen. Denn wer schon unter Schlafstörungen leidet, hat nicht nur weniger Energie – laut DAK-Chef Andreas Storm fehlen auch die Voraussetzungen, um mit solchen Belastungen angemessen umzugehen.
Aus Marktsicht betrifft die Meldung nicht nur das Gesundheitswesen, sondern auch Bildungsanbieter, Entwickler von Schul- und Gesundheitssoftware sowie Arbeitgeber im weiteren Umfeld, die Fachkräfte mit stabiler Lern- und Konzentrationsfähigkeit benötigen. Besonders relevant wird dabei die Timing-Frage: Die Erhebung wird seit 2016 geführt und liefert daher eine Art Trendlinie statt eines Einmal-Eindrucks. Gleichzeitig zeigt die DAK-Einordnung auf, dass Schlaf nicht als Randthema auftaucht, sondern als Faktor, der mit Bildungsleistung und Wohlbefinden in Beziehung gesetzt wird. Unternehmen und Kommunen, die präventive Programme koordinieren, können die Daten als Grundlage nutzen, um Prioritäten zu setzen – etwa dort, wo digitale Gewohnheiten und Stress in der Schule zusammenwirken.
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