SCHWEIZ / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Ergebnisse der PISA-Studie 2025 zeichnen ein düsteres Bild der Lesekompetenz: In der Schweiz können 28,8 Prozent der 15-Jährigen die Kernaussage eines mittelschweren Textes nicht mehr erfassen. Gleichzeitig nimmt die tägliche Nutzung digitaler Medien und KI in Schulen sichtbar zu. Das sorgt nicht nur für Leistungsrückgänge, sondern erhöht offenbar auch den Stress bei Jugendlichen. Gegensteuern soll vor allem ein bewusster Mix aus Unterrichtspraxis und dem gezielten Einsatz von Lesen ohne Ablenkung.

PISA 2025: Stilltes Lesen senkt Stress um 68 Prozent – und zeigt Lernlücken
PISA 2025: Stilltes Lesen senkt Stress um 68 Prozent – und zeigt Lernlücken (Foto: IT BOLTWISE)
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Die PISA-Ergebnisse 2025 liefern weniger eine einzelne Überraschung als vielmehr einen konsistenten Befund: Europas schulische Basiskompetenzen bröckeln, besonders bei der Lesefähigkeit. In der Schweiz liegt der Anteil der 15-Jährigen, die die Kernaussage eines mittelschweren Textes nicht erfassen können, bei 28,8 Prozent. Damit erreicht das Land laut den PISA-Daten den tiefsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2000. Schon diese Zahl macht deutlich, dass es nicht nur um Noten geht, sondern um die Fähigkeit, Texte wirklich zu verstehen – eine Kompetenz, die später in Ausbildung, Studium und Beruf über viele Fachbereiche hinweg Voraussetzung ist.

Für Deutschland wird der Trend anschließend noch konkreter über Punktwerte. Im Lesen erreicht das Land 465 Punkte, das entspricht einem Rückgang um 15 Punkte gegenüber 2022. Auch in den Naturwissenschaften geht es um 7 Punkte auf 486 Punkte, in der Mathematik sogar um 11 Punkte auf 464 Punkte. Damit bleibt Deutschland zwar knapp über dem OECD-Durchschnitt von 461 Punkten, verliert aber laut Darstellung kontinuierlich an Boden. Österreich ergänzt das Bild mit einer Besonderheit: Obwohl die Ergebnisse erstmals über dem OECD-Schnitt lagen, melden die Daten zugleich historische Tiefstwerte in allen Kernbereichen. Besonders auffällig ist dort die Zunahme von Schülerinnen und Schülern, die zwar schnell, aber ungenau lesen; ihr Anteil hat sich zwischen 2018 und 2025 auf 9 Prozent fast verdoppelt.

Die Studie verknüpft diese Entwicklungen mit Veränderungen im Umgang mit digitalen Medien. Die OECD konstatiert demnach eine globale Verschlechterung bei der kritischen Textprüfung und bei der Bewertung von Informationsquellen. Als wesentlichen Treiber macht die Argumentation die Verlagerung in den digitalen Raum aus: Wer Texte auf Displays liest, bewältigt andere Bedingungen als beim Papierlesen – etwa durch Ablenkung, Layoutwechsel und häufigeren Kontextwechsel. Der Deutschdidaktiker Maik Philipp wird in diesem Zusammenhang mit der Aussage eingeordnet, dass digitales Lesen grundsätzlich anspruchsvoller sei als das Lesen auf Papier. Ergänzend stützen regionale Daten den Eindruck: In Castilla-La Mancha sank das Leseverständnis seit 2015 kontinuierlich, während eine Umfrage unter Lehrkräften und Schülern zeigt, dass Jugendliche täglich mehr als drei Stunden in sozialen Netzwerken verbringen.

Der Alltag in den Schulen wirkt dadurch zugleich schneller und fragiler. KI-Nutzung für Schularbeiten ist mittlerweile laut Quelle „Standard“: Neun von zehn Schülerinnen und Schüler verwenden dafür entsprechende Tools. Allerdings übernehmen etwa 30 Prozent der Befragten die Ergebnisse häufig ungeprüft. Das Spannungsfeld ist damit klar: Viele Jugendliche sehen in KI dennoch eine wertvolle Lernhilfe – rund 75 Prozent erkennen darin Unterstützung beim Lernen. Gleichzeitig zeigen Mobilitätsdaten, wie früh Gewohnheiten entstehen: Die KIM-Studie 2024 nennt für 6- bis 13-Jährige einen Smartphone-Besitz von 46 Prozent. In der JIMplus-Studie 2026 kommt die ambivalente Haltung hinzu: 82 Prozent nutzen soziale Medien als Informationsquelle, aber 40 Prozent berichten, dass ihre Konzentration dadurch beeinträchtigt wird; außerdem nennen 71 Prozent die Konfrontation mit Falschinformationen als belastend. Genau hier wird verständlich, warum Lesefähigkeit nicht nur eine Deutschthematik ist, sondern auch eine Frage von Aufmerksamkeit, Filterkompetenz und Medienhygiene.

Interessant wird die Gegenstrategie, weil sie zugleich überraschend simpel wirkt. Während strenge Handyverbote an Schulen laut einer Untersuchung des NBER, die Daten von über 40.000 Schulen ausgewertet hat, nicht automatisch zu besseren Noten führen, fallen in den ersten Jahren der Verbote laut Darstellung Disziplinarmaßnahmen und ein höheres Stressempfinden auf. Das spricht dafür, dass Verbote allein selten Verhaltensänderungen dauerhaft in bessere Lernprozesse übersetzen. Demgegenüber steht ein klassischer Hebel: Eine Studie der University of Sussex wird so eingeordnet, dass bereits sechs Minuten stilles Lesen das Stresslevel um 68 Prozent senken können. Diese Größenordnung passt als Signal zur Debatte um kognitive Entlastung: Still betrachtetes Lesen schafft eine ruhige Aufgabenhaltung, reduziert ständige Reizwechsel und gibt dem Gehirn Zeit, Bedeutung aufzubauen statt nur „oberflächlich zu scannen“.

Neben Digitalisierung und KI treten in der Quelle aber auch soziale Faktoren deutlich hervor. In Deutschland ist laut Text der Anteil der 15-Jährigen mit Migrationshintergrund seit 2015 von 22 Prozent auf 29 Prozent gestiegen; gleichzeitig wuchs der Leistungsabstand in Mathematik zwischen einheimischen Schülerinnen und Schülern und Zuwanderern der ersten Generation signifikant. Aus der Praxis wird das über Berichte von Realschullehrern wie Jonas Schreiber aus Bayern greifbar: Er beschreibt Schulen mit Migrationsanteilen zwischen 50 und 80 Prozent und fordert verpflichtende Vorklassen für Schülerinnen und Schüler ohne Deutschkenntnisse sowie zusätzliche Förderstunden. Diese Forderung zielt nicht nur auf Sprache, sondern auf einen frühen Ausgleich, damit Lesen als Grundlage anderer Fächer überhaupt funktionieren kann. PISA-Initiatoren und Bildungsgewerkschaften wie die GEW Sachsen plädieren zudem laut Darstellung für massive Investitionen in frühkindliche Bildung und eine verstärkte Förderung im Vorschulalter. Bundesbildungsministerin Karin Prien verweist darauf, dass bereits an Maßnahmen gearbeitet werde, um dem Abwärtstrend entgegenzuwirken, während in der Zivilgesellschaft Gegenbewegungen entstehen, etwa „Silent Reading Clubs“, die der dauerhaften Smartphone-Nutzung bewusst etwas entgegenstellen.

Für Unternehmen und Bildungspartner ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: Lernfähigkeit ist auch eine KI-Frage, aber vor allem eine Text- und Aufmerksamkeitsfrage. Wer KI in Lehr- und Trainingsprozesse einsetzt, braucht deshalb neben technischen Tools vor allem Qualitätskontrollen für Ergebnisse und Routinen, die „ungeprüft übernehmen“ verhindern. Gleichzeitig zeigt die Quelle, dass digitale Medien nicht per se als Ursache zu verabsolutieren sind; die entscheidende Variable scheint vielmehr die Kombination aus Nutzung, Bewertungskompetenz und ruhiger Einübung von Lesestrategien zu sein. Wenn stilles Lesen messbar Stress reduziert, kann das als Baustein für Trainings- und Förderkonzepte dienen – etwa als kurze, wiederholte Intervention im Schulalltag. So entsteht ein praktikabler Rahmen, in dem KI unterstützend wirkt, während Lesekompetenz als Fundament stabilisiert wird.


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