LONDON (IT BOLTWISE) – Rund 62 Prozent der Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland nutzen KI-Programme. Eine konfessionsübergreifende Detailauswertung der Studie „Digitalisierung im Raum der Kirchen“ (DiRK, 2026) quantifiziert, wie häufig Geistliche generative KI einbinden: 20 Prozent setzen sie nach eigenen Angaben oft ein, 42,6 Prozent selten. Als wichtigste Anwendung nennen sie die Text-Erstellung, gefolgt von Recherche und Übersetzungen. Konkrete Hinweise darauf, ob KI auch bei der Formulierung von Predigten genutzt wurde, liefert die aktuelle Datenlage dagegen noch nicht.

Die KI ist längst nicht mehr nur ein Thema in IT-Abteilungen, sondern rückt sichtbar in kirchliche Arbeitsalltage vor. Laut einer Detailauswertung der konfessionsübergreifenden Studie „Digitalisierung im Raum der Kirchen“ (DiRK, 2026) arbeiten rund 62 Prozent der Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland mit Künstlicher Intelligenz (KI). Diese Zahl wird besonders relevant, weil es sich nicht um eine Einzelfall-Erhebung handelt, sondern um Daten aus einem größeren Befragungskontext: Insgesamt nahmen 7.178 Protestanten und Katholiken teil, davon beantworteten 505 Pfarrerinnen und Pfarrer Fragen zur generativen KI.
Technisch betrachtet geht es dabei weniger um „KI als Konzept“ als vielmehr um konkrete Workflows, die sich in Textumgebungen, Recherchephasen und Hilfsfunktionen für die tägliche Kommunikation integrieren lassen. Die DiRK-Auswertung differenziert auch nach Nutzungsintensität: Etwa 20 Prozent der Befragten gaben an, KI häufig zu verwenden, während 42,6 Prozent sie selten einsetzen. Gleichzeitig berichtet ein relevanter Teil (15,3 Prozent), man habe bereits experimentiert oder herumprobiert, und 1 von 5 Pfarrern hatte laut Studie noch nie Berührung mit KI. Ergänzend zeigt das Antwortverhalten eine spürbare Skepsis: Acht Prozent können sich nicht vorstellen, mit Systemen wie ChatGPT, Claude oder Mistral zu arbeiten.
Inhaltlich wird KI dabei vor allem als Schreib- und Recherchewerkzeug genutzt. Als wichtigstes Einsatzfeld nennen die Nutzer mit 62,3 Prozent die Text-Erstellung; dahinter rangiert die Recherche mit 60,9 Prozent. Übersetzungen folgen mit 35,2 Prozent deutlich danach, was darauf hindeutet, dass KI im Alltag zunächst dort „gewinnt“, wo Geschwindigkeit und Formulierungstempo stärker zählen als sprachliche Komplettleistungen. Daneben tauchen in den Angaben weitere typische KI-Bausteine auf, etwa das Erfragen von Fakten, das Zusammenfassen von Texten oder auch Funktionen zur Bildgenerierung als Ideen- und Stimulationshilfe.
Für die kirchliche Praxis ist vor allem die Frage entscheidend, wie KI konkret in geistliche Kerntätigkeiten einfließt. Zur Einordnung von Predigten liefert die aktuelle Datenlage allerdings keine belastbare Detailauskunft: Es wurde nicht konkret ermittelt, ob Künstliche Intelligenz bereits bei der Formulierung der Predigten zum Tragen kam. Aus den offenen Antworten lasse sich zwar erkennen, dass Predigterstellung ein wichtiger Bereich der Texterstellung war, doch für eine präzise Messung müsse es vertiefte Auswertungen geben; solche Ergebnisse sollen 2027 folgen. Damit bleibt eine Lücke, die für Organisationen nicht nur akademisch ist: Wer KI einsetzt, braucht Klarheit darüber, in welchen Phasen – Entwurf, Struktur, Feinschliff oder inhaltliche Herleitung – sie tatsächlich wirkt.
Auch im historischen Kontext ist die Entwicklung logisch: Generative KI hat sich seit den jüngeren „Chat“-Zugängen vom reinen Forschungskonzept zu einer massentauglichen Schnittstelle entwickelt, die ohne tiefere Modellkenntnisse genutzt werden kann. Genau diese niedrige Einstiegshürde dürfte erklären, warum sich die Nutzung nicht auf wenige Spezialisten beschränkt. Für kirchliche Arbeitgeber bedeutet das zugleich: Trainings- und Leitplanken werden relevanter, weil das Spektrum von „nie genutzt“ über „gelegentlich“ bis „häufig“ in der Breite sichtbar ist. Gleichzeitig zeigt die DiRK-Auswertung, dass ein Teil der Pfarrerinnen und Pfarrer KI nicht als Option sieht – ein Hinweis darauf, dass Akzeptanz, Rollenverständnis und Skepsis gegenüber Automatisierung noch immer stark variieren.
Für Unternehmen und Multiplikatoren außerhalb der Kirche lässt sich aus den Zahlen ein Marktsignal ableiten: KI-Funktionen werden nicht nur in technischen, sondern auch in semiprivat-professionellen Textwelten eingesetzt, sobald sie als Workflow-Entlastung verstanden werden. Die Verteilung von Text-Erstellung, Recherche und Übersetzung verweist zudem auf typische „Ersteinsatz“-Kategorien, die sich auch in anderen Branchen wiederfinden: Wenn KI die Formulierung beschleunigt, hilft sie oft bereits vor der Frage, wie „korrekt“ oder „theologisch“ ein Ergebnis sein muss. Entscheidend wird deshalb, wie Anbieter und Organisationen mit Qualitätssicherung umgehen – etwa durch Quellenprüfung, Überarbeitungsprozesse und klare Verantwortlichkeiten. In der kirchlichen Perspektive heißt das: Die nächste Welle der Ergebnisse aus DiRK 2027 dürfte weniger die reine Verbreitung zeigen, sondern stärker, wie KI inhaltlich-autoritative Arbeitsschritte beeinflusst.
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