LONDON (IT BOLTWISE) – Mantax Otax kombiniert nachgewiesene Spyware-Funktionen mit einem Ransomware-Modul, das bei vielen Android-Versionen technisch ausgebremst wird. Die Malware zielt nicht nur auf Dateien, sondern besonders auf Zugriffsdaten wie PIN-Codes, SMS sowie OTP-Codes für die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Für die Spionage nutzt sie unter anderem die MediaProjection-Schnittstelle, um Screeninhalte aufzunehmen oder zu streamen. Gleichzeitig fordert sie über Accessibility-Rechte weitreichende Bedienungserlaubnisse an.

Die neue Android-Schadsoftware Mantax Otax verwischt bewusst die Grenze zwischen Spionage und digitaler Erpressung. Laut einer Analyse des Sicherheitsforschers Zimperium ist die Malware so gebaut, dass sie auf mobilen Endgeräten gleichzeitig Informationen ausliest, Chats mitliest und im selben Infektionsfall eine weitere Drohkulisse aufbaut. Für Betroffene heißt das: Selbst wenn die verschlüsselnde Komponente bei manchen Geräten nicht greift, bleibt der Schaden durch Datendiebstahl und Fernzugriff bestehen.
Technisch beginnt die Schwachstelle dort, wo viele Anwender ihre Sicherheitsannahmen zu früh abschließen: beim Smartphone selbst. Mantax Otax setzt laut den vorliegenden Informationen auf zwei unterschiedliche Wirkungspfade. Das Ransomware-Modul ist auf eine AES-basierte Verschlüsselung von Dateien ausgelegt und hängt die Endung „.enc“ an betroffene Dokumente. Auffällig ist aber, dass dieser Teil nur auf Geräten mit Android 9 oder älteren Versionen funktioniert. Ab Android 10 verhindert das Sicherheitskonzept „Scoped Storage“ offenbar die notwendigen, systemweiten Zugriffsrechte, um private Daten zuverlässig und breitflächig zu verschlüsseln.
Damit verschiebt sich das Risikoprofil in Richtung Spionage. Unabhängig davon, ob Dateien tatsächlich verschlüsselt werden können, stiehlt Mantax Otax sensible Inhalte wie PIN-Codes, SMS-Nachrichten, Einmalpasswörter (OTP-Codes) für die Zwei-Faktor-Authentifizierung sowie Kontaktlisten. Außerdem werden Chatverläufe aus Anwendungen wie WhatsApp und Telegram zusammen mit Standortdaten und Informationen rund um das Google-Konto des Opfers erbeutet. Für Unternehmen ist das besonders heikel, weil solche Daten nicht nur private Kommunikation betreffen: In vielen Organisationen sind Telefonnummern, Messenger-Threads oder verknüpfte Konten eng an Identitätsprozesse, Supportkanäle und Freigabelogiken gekoppelt.
Bei der Überwachung setzt die Malware auf konkrete Android-Komponenten statt auf bloßes „Abgreifen“ von Dateien. Zimperium beschreibt, dass Mantax Otax die MediaProjection-Schnittstelle nutzt, um Screenshots anzufertigen, Videoaufnahmen des Bildschirminhalts im MP4-Format zu erzeugen oder die Darstellung sogar in Echtzeit an die Angreifer zu streamen. Zusätzlich kann die Software auf die Kamera zugreifen und Metadaten auslesen, darunter Geräte-ID, Mobilfunkanbieter und installierte Android-Version. Um diese Befugnisse zu erhalten, fordert die Malware beim Nutzer die Freigabe von Bedienungshilfen-Rechten (Accessibility-Rechte) an – ein typischer Hebel, der in der Praxis dazu führen kann, dass die Schadsoftware Aktionen im Vordergrund „mitbekommt“ und gezielter handeln kann.
Auch der Weg in das Gerät folgt einem Muster, das sich in der mobilen Szene seit Jahren wiederholt: Seitens der Sicherheitsforschung wird die Infektion vor allem über APK-Dateien außerhalb des offiziellen Google Play Store sowie über Phishing-Kampagnen verortet. Google Play Protect soll die Bedrohung den Angaben zufolge nach vorliegenden Informationen erkennen und blockieren. Dennoch bleibt das Risiko hoch, weil die Angreifer zusätzlich einschüchternde Taktiken einsetzen: Vollbild-Videos und Bilder oder abgespielte Sprachnachrichten sollen Opfer offenbar zur Zahlung von Lösegeld bewegen. Für die Praxis bedeutet das, dass Nutzer nicht nur auf technische Warnungen achten sollten, sondern auch auf den Kontext solcher Drohfenster – insbesondere wenn sie mit einer Manipulation des Nutzungsverhaltens einhergehen.
Interessant ist außerdem, wie flexibel die Infrastruktur hinter Mantax Otax offenbar gestaltet wurde. Die C2-Domains (Control-and-Command) bezieht die Schadsoftware laut Analyse direkt über GitHub-Repositories. Das ist ein Ansatz, bei dem die Steuerung nicht zwingend auf statische Listen angewiesen ist, sondern sich über öffentlich zugängliche Inhalte anpassen lässt. Neuere Varianten setzen zudem auf WebSocket als Kommunikationsweg, um eine stabilere Interaktion mit den Hintermännern zu ermöglichen. Beobachtete Angriffsziele liegen den Angaben zufolge schwerpunktmäßig in Indonesien – damit ist die Kampagne kein rein theoretisches Risiko, sondern trifft konkret regionale Nutzerpopulationen.
Der Blick über Mantax Otax hinaus zeigt, dass Android-Bedrohungen aktuell mehrere Rollen gleichzeitig spielen. Sicherheitsanalysen nennen unter anderem die Spyware DragonDoll, die sich als gefälschtes Chrome-Update tarnt. Daneben wird der Banking-Trojaner Anatsa beschrieben, der eine besondere Methode nutzt, um Prüfungen im Google Play Store zu umgehen: Loader-Apps sollen zunächst ohne Schadcode veröffentlicht werden und laden den eigentlichen Trojaner erst nach der Installation als vermeintliches In-App-Update nach. Auf dem Gerät überlagert Anatsa wiederum Login-Masken legitimer Banking-Anwendungen, um Zugangsdaten abzugreifen. Zusammengenommen unterstreicht das Muster: Technische Schutzmechanismen wie „Scoped Storage“ können einzelne Angriffsschritte bremsen, aber sie eliminieren die übergreifende Bedrohung nicht.
Für die Ableitung im Betrieb ist vor allem entscheidend, wie sich technische Hürden im Alltag auswirken. Wenn Android 10 und neuer dank „Scoped Storage“ die Ransomware-Implementierung faktisch ausbremsen, heißt das nicht, dass ältere Geräte „automatisch“ gefährdet sind und neuere „sicher“ werden. Im Gegenteil: Die Spionagefunktionen sind weiterhin einsetzbar, und gerade die Kombination aus Accessibility-Rechten, Screenaufnahme via MediaProjection und Diebstahl von OTP-Codes macht aus einem einmaligen Sicherheitsvorfall schnell einen Identitäts- und Zugriffsvorfall. Für Admins und IT-Sicherheitsverantwortliche ergibt sich daraus ein klarer Prioritätenmix aus Patch-Management, restriktiver Freigabe von Berechtigungen und einem konsequenten Prozess für den Umgang mit verdächtigen APKs – nicht nur, um Infektionen zu verhindern, sondern auch um den Umfang des Datenabflusses frühzeitig zu begrenzen.
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