LONDON (IT BOLTWISE) – Der Sprung zur Forbes-Liste der 400 reichsten Amerikaner wird dieses Jahr deutlich teurer: Mindestens 4,4 Mrd. US-Dollar Nettovermögen sind nötig. Laut Forbes treibt vor allem der KI- und Rechenzentrumsboom viele Vermögen nach oben, während die Börsen in den USA nahe Rekordmarken notieren. Für Massachusetts zeigt sich das Bild besonders klar: Die Familie Johnson dominiert weiterhin, während zwei bekannte Software-Gründer die Liste verlassen haben. Damit rückt auch die Frage in den Fokus, wie schnell KI-Infrastruktur und digitale Finanzdienste Vermögen neu verteilen.

Forbes 400: Wie KI- und Rechenzentrumsboom die Vermögen in Massachusetts treiben
Forbes 400: Wie KI- und Rechenzentrumsboom die Vermögen in Massachusetts treiben (Foto: IT BOLTWISE)
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Um in die Forbes-Liste der 400 reichsten Amerikaner zu gelangen, braucht es dieses Jahr einen neuen Maßstab. Forbes nennt als Schwelle ein Nettovermögen von mindestens 4,4 Mrd. US-Dollar; das sind laut Angaben 600 Mio. US-Dollar mehr als im Vorjahr und 2,7 Mrd. US-Dollar mehr als vor einem Jahrzehnt. Gleichzeitig steigt die Zahl der amerikanischen Milliardäre, die diese Ranggruppe noch nicht erreicht haben: Es gebe nun einen Rekord von 590 US-Milliardären, die „noch nicht“ in die Forbes-400-Liste fallen. Technisch liest sich der Hintergrund vor allem wie ein Marktbericht über KI: Forbes führt den Anstieg der Vermögen ausdrücklich auf die Kombination aus KI-Welle und Rechenzentrumsboom zurück.

Für die Technologiebranche ist daran weniger die Rangfolge selbst spannend als die Logik dahinter. Wenn Kapital in Rechenleistung, Netzwerkinfrastruktur und die gesamte KI-Wertschöpfungskette fließt, profitieren selten einzelne „Eins-zu-eins“-Produkte, sondern Ökosysteme: Cloud- und Daten-Stacks, spezialisierte Chips, Skalierungs- und Betriebskapazitäten sowie die Unternehmen, die daraus Wert schöpfen. Dazu passt auch die Börsenlage, die Forbes beschreibt: Der US-Aktienmarkt liege nahe einem Rekordhoch. In der Praxis bedeutet das für Vermögensrechnungen, dass börsennotierte Bestände (Aktien, Beteiligungen) schneller wachsen, weil Bewertungsmultiplikatoren und Kursbewegungen zusammentreffen. Wer stark in KI-Infrastruktur oder Plattformen investiert ist, kann dadurch innerhalb kurzer Zeit mehrere „Ebenen“ im Forbes-Ranking überspringen.

Massachusetts liefert dafür ein konkretes Beispiel-Set, das zugleich zeigt, wie stark Finanzdienstleistungen und Software mit dem KI-getriebenen Wachstum verwoben sind. Wieder an der Spitze im Bundesstaat steht Abigail Johnson, Erbin und CEO von Fidelity Investments, mit einem genannten Vermögen von mehr als 40 Mrd. US-Dollar; in der Forbes-400-Liste wird sie mit 41,6 Mrd. US-Dollar geführt. Sie steigt damit von Platz 27 auf Platz 25, Forbes zufolge weil das Vermögen auf 41,6 Mrd. US-Dollar wächst (nach 35 Mrd. US-Dollar im Vorjahr). Technisch relevant ist bei Fidelity vor allem der Blick auf die Kapitalanlage- und Verwahrinfrastruktur: Laut den Angaben investiert das Unternehmen auch in digitale Vermögenswerte. Fidelity habe 2018 als erstes eine Plattform gestartet, über die institutionelle Investoren Bitcoin, Ether und Litecoin verwahren und handeln können. Das ist weniger „Krypto-Narrativ“ als vielmehr ein Infrastrukturthema: Wer Verwahrung, Compliance-Prozesse und Handelszugänge so standardisiert, dass Institutionen darauf aufbauen können, sitzt näher an der Pipeline, über die später auch daten- und ki-nahe Anwendungen Kapitalversorgung erhalten.

Der zweite große Strang in Massachusetts ist Software – allerdings nicht als durchgehende Erfolgsgeschichte. Ebenfalls prominent bleibt die Johnson-Familie: Edward Johnson IV wird mit 16,3 Mrd. US-Dollar genannt, zuvor Rang 76, jetzt Rang 73. Elizabeth Johnson folgt mit 14,4 Mrd. US-Dollar; beide werden als nahe an der FMR-Beteiligungsstruktur beschrieben, einschließlich eines genannten Anteils von jeweils 10%. Ganz andere Dynamik zeigt Robert Hale Jr. mit 6,5 Mrd. US-Dollar: Er ist CEO und Gründer von Granite Telecommunications, einem Anbieter für Wholesale-Telekommunikation für Unternehmen und Regierungen in den USA und Kanada. Forbes nennt für Granite mehr als 1,7 Mrd. US-Dollar Umsatz im Vorjahr und über 1,8 Mio. Voice- und Datenleitungen. Das ist ein klassischer Infrastrukturhebel: KI braucht nicht nur Modelle, sondern auch Transport, Kapazität und Verlässlichkeit im Betrieb. Daneben taucht auch Robert Kraft mit 15,2 Mrd. US-Dollar auf – ein Hinweis darauf, wie sich Vermögen in unterschiedlichen Branchen entwickeln, wenn Unternehmen Bewertungsgewinne mitnehmen oder Plattformen in neue Bereiche ausdehnen.

Während manche Namen aufsteigen, verlassen andere die Liste. Laut den Angaben fallen in Massachusetts Phillip T. Ragon und Alan Trefler weg, die im Vorjahr gemeinsam auf Rang 352 waren. Ragon wird als Gründer von InterSystems beschrieben, einem Softwareunternehmen, das sich an Gesundheitsdienstleister und Banken richtet. Trefler wird mit Pegasystems verbunden, einer Firma, die Geschäftsprozesse vereinfacht und die Interaktion mit Kunden optimieren soll. An dieser Stelle ist die technologische Lesart interessant: Software, die stark in regulierten Domänen wie Healthcare und Finanzwesen verankert ist, kann sich grundsätzlich gut entwickeln – allerdings hängt das Tempo bei Vermögensbewertungen auch stark von Börsenkursen, Exit-Szenarien und dem Timing neuer Investitionszyklen ab. Wenn der Markt parallel KI- und Rechenzentrumsbudgets priorisiert, verschiebt sich die Bewertungsspanne zwischen „klassischer Unternehmenssoftware“ und „infrastrukturnahen KI-Komponenten“.

Auch die übrigen Massachusetts-Nennungen zeichnen ein Bild, das für Entscheider in der Tech-Branche nützlich ist. Jim Davis und die Familie hinter New Balance werden mit 6,7 Mrd. US-Dollar eingeordnet; Forbes beschreibt dabei, dass das Unternehmen seit 1977 aus einem kleineren Schuhhersteller gewachsen sei. Robert Hale Jr. verweist wiederum auf die Bedeutung von Kommunikations- und Datenpfaden. Amos Hostetter Jr. landet als letzter Massachusetts-Resident auf Rang 380 mit 4,5 Mrd. US-Dollar; Forbes ordnet seinen Vermögensaufbau über Investitionen in das, was später Continental Cablevision wurde, ein und nennt außerdem Spenden über die Barr Foundation in Höhe von mehr als 1,9 Mrd. US-Dollar. Für die Tech-Welt ist das indirekt relevant: Stiftungen und frühe Investments (Hostetter betreibt Pilot House Ventures) liefern oft den Kapitalschub, der frühe Infrastruktur- und KI-Ansätze in Teams überführt.

Unterm Strich zeigt die Forbes-400-Meldung weniger eine starre Vermögenspolitik, sondern die Dynamik von Märkten, die KI und Datenzentren zeitgleich hochskalieren. Wenn die Aufnahmehürde steigt und gleichzeitig immer mehr Personen knapp darunter bleiben, verschiebt sich der Wettbewerb zwischen Beteiligungsportfolios, Technologieplattformen und operativem Infrastrukturkapital. Für Unternehmen in Massachusetts und darüber hinaus bedeutet das: Die entscheidenden Fragen lauten nicht nur, welche KI-Modelle trainiert werden, sondern wie schnell Rechenkapazität, Datenflüsse, Verwahr- und Handelsinfrastrukturen sowie zuverlässige Netzwerke tatsächlich in produktive Prozesse eingebunden werden. Genau dort entscheidet sich in solchen Bewertungsrunden, wer am Ende der nächsten Forbes-Iteration sichtbar im Vorderfeld steht.


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