LONDON (IT BOLTWISE) – Neue Indie-Titel bringen dieses Wochenende viel Abwechslung auf Steam: Von einem Dungeon-Loot-Rollenspiel mit Farming-Ansätzen bis zu einem Action-Spiel im „John-Wick“-Modus am DVD-Shop. Während Emberville in den ersten Stunden vor allem über Optik, Combat-Feeling und ein breites System-Set punktet, zeigt Blackwood, wie viel Potenzial in einer zweigeteilten Idee steckt – aber auch, wo frühe technische Reibung aktuell noch bremst. Rig Riot übersetzt die Armored-Core-Idee konsequent in einen Roguelike-Mech-Laterneinsatz mit tausenden Rüstungsteilen. Daneben kommen Horror-, Strategiesowie künftige Blockbuster-Ideen wie Kingmakers auf die Agenda.

Indie-Game-Radar: Emberville, Blackwood und Rig Riot starten ins Wochenende
Indie-Game-Radar: Emberville, Blackwood und Rig Riot starten ins Wochenende (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer am Wochenende nicht nur „noch ein Shooter“ spielen will, findet im Indie-Ökosystem gerade auffällig viele Projekte, die bekannte Genres neu zusammensetzen. Im Zentrum steht dabei weniger der einzelne Hype-Titel als das Muster: Action wird häufiger mit Systems-Design gekoppelt, Fortschritt wird über modulare Charakter- oder Ausrüstungslogik erzählt, und Multiplayer-Elemente rücken vom reinen Modus in den Kern der Spiel-Schleife. Genau dieses Spannungsfeld ziehen die vorgestellten Games durch – von einem top-down verarbeiteten Dungeon-Ritt bis zu einem Echtzeit-Strategie-Multiplayer, der sich auf Browser und Steam gleichermaßen stützt.

Emberville (Cygnus Cross) startet als Top-down-Action-Rollenspiel mit einem klaren Mix aus Diablo-ähnlichem Crawling und Loot sowie Lebenssim-Elementen im Stil von Stardew Valley. Interessant ist hier, wie stark sich die Spielbarkeit bereits in den ersten Stunden anfühlt: Die Präsentation wird als „richtig schön“ beschrieben, getragen von üppigem Pixel-Art-Design und dichten Umgebungen. Hinzu kommt, dass der Combat nicht nur optisch, sondern mechanisch überzeugt: Der Wechsel zwischen Schwert, Bogen und Fäusten soll sich „gut“ anfühlen, die Fäuste können im Kontext des Vorschau-Bosskampfs sogar einen Stun-Effekt liefern. Dazu kommt ein Kombosystem, während Stamina-Management – zumindest in der Vorschau – nicht als Belastungsfaktor auftaucht. Für viele Spieler ist das ein entscheidender Qualitätsmarker, weil Stamina-Regeln häufig in „Taktik statt Flow“ kippen.

Das größere Versprechen liegt jedoch im Systemumfang. In der kurzen Testzeit werden gleich mehrere Funktionsblöcke genannt: wechselbare Klassen, Weapon- und Armor-Mastery, Crafting, Cooking und Mining. Dazu kommt eine Story-Schablone, die auf der Steam-Seite nicht als Spoiler-Problem wirkt: Die Figur wacht ohne Erinnerungen in einer großen unterirdischen Gefängnisanlage auf, hat als Ziel die Flucht, hilft im Verlauf NPCs und arbeitet sich durch den Wiederaufbau einer zerstörten Stadt. Genau diese Mischung aus „Erkunden und Escape“ plus „bauen und entwickeln“ macht Emberville zu einem typischen Kandidaten für Spieler, die nicht nur kämpfen, sondern auch langfristige Progression und Routinen mögen. Gleichzeitig deutet die Beschreibung an, dass der Umfang in kurzer Zeit schnell überfordern kann – wer also weniger auf Systemdichte steht, könnte stärker selektieren müssen. Der Releaseweg ist klar: Early Access auf Steam am 27. Oktober.

Blackwood: Act One (AttritoM7 Productions) schickt dagegen sofort eine hohe Erwartung ins Rennen. Tagsüber betreibt man einen DVD-Shop, nachts wird die Spielfigur zur „Ersatz“-Variante eines John-Wick-artigen Action-Protagonisten. Diese Prämisse funktioniert vor allem deshalb, weil sie Combat direkt ins Alltagsbild hineinzieht. Laut Beschreibung wird das Spiel auch über „Bullet Time“ in Szene gesetzt: Mit einem Dive zum Boden soll sich Max-Payne-artiges Zeitverlangsamen auslösen lassen. Ebenso hilfreich für den Einstieg ist, dass man früh in eine Actionsequenz geworfen wird, um das Kampfsystem direkt zu spüren. Gleichzeitig bleibt Blackwood in einem Early-Phase-Zustand: Hand-to-hand soll „clunky“ wirken, der Audio-Mix sei häufig unausgewogen, und das Autofahren wird als „atrocious“ eingestuft. Zudem dauert das Aufheben von Waffen zu lange – besonders dann spürbar, wenn Munition knapp wird.

Während Blackwood also zeigt, wie wichtig Feinschliff für das Tempo von Hand-to-hand- und Pickup-Interaktionen ist, setzt Rig Riot (Sage Boatman) auf eine andere Art von Differenzierung: als Roguelike-Mech-Action. Der Ausgangspunkt ist nachvollziehbar – das Projekt entstand laut Beschreibung, weil nach Armored Core 6: Fires of Rubicon nicht schnell genug ein Spiel die Lücke schloss. Rig Riot will die Armored-Core-Formel iterieren, nimmt Feedback von AC6-Spielern auf und bringt dabei einen für Genre-Fans relevanten Hebel mit: In der Spielbeschreibung wird betont, dass es „tausende“ unterschiedliche Teile gibt, die man am Mech ausrüsten kann. Das ist vor allem technisch-gestalterisch wichtig, weil es die Varianz im Roguelike-Loop nicht auf Level-Wiederholung reduziert, sondern auf Hardware-Konfiguration. Wenn das Setup dabei in der richtigen Geschwindigkeit läuft, kann daraus ein sehr starker Replay-Wert entstehen. Dazu kommen Überlegungen zu zukünftigen Features wie einem Co-op-Modus, falls sich das Projekt erfolgreich genug finanziert; auch Konsolen- und GOG-Releases werden als Optionen genannt. Ergänzend ist die technische Transparenz bemerkenswert: Es wird ein Dev-Log erwähnt, in dem der Entwickler über seine Arbeitsplanung spricht.

Nicht weniger spannend ist die Bandbreite der restlichen Indie-Vorschläge, die deutlich macht, wie heterogen das diesjährige Portfolio wirkt. Lily’s World XD (SonderingEmily) setzt auf psychologischen Horror als Desktop-Exploration: Man durchstöbert das Laptop-System einer Teenagerin in den 2000er-Jahren, die Story soll über echte Fotos aus der Jugendzeit der Creatorin zusätzlich Authentizität gewinnen. OpenFront (OpenFront Inc) wiederum ist ein Echtzeit-Strategie-Multiplayer, der nach mehr als 2,5 Millionen monatlichen Web-Spielern auf dem PC/Steam Fuß fasst. Die Matches werden als Massenschlachten beschrieben: Hunderte Spieler kämpfen um die Kontrolle einer Karte, es gibt Team-Optionen, Verrat zwischen Rivalen sowie die Möglichkeit, über Clans Einfluss zu gewinnen und im weiteren Verlauf sogar nukleare „Game-changing“-Angriffe zu starten. Bemerkenswert ist der technische Ansatz der Kontenverknüpfung: Wer auf Steam oder im Browser (inklusive Mobile) spielt, soll auf demselben Server-Backbone weiter machen können. Parallel ist eine verbesserte Performance im Steam-Release angekündigt, unter anderem durch Preloading von Assets. Und schließlich zeigt die Reihe, dass Indie nicht nur kleine Nischen bedient: Kingmakers (Redemption Road, TinyBuild) bleibt als großes Warten auf einen Release-Termin spannend, weil das Konzept Zeitreise und mittelalterliche Konflikte mit modernen Waffen und Fahrzeugen verbindet und Schlachten mit sehr großen Truppenzahlen sowie vollständig destruktiblen Gebäuden adressiert. Dass die Kampagne kooperativ für bis zu vier Spieler spielbar sein soll, schiebt das Projekt stärker Richtung „Session-Event“ als klassisches Solo-Roguelike.

Für Entscheider und technisch interessierte Teams in der Spielebranche ist der gemeinsame Nenner dieser Auswahl vor allem die Mischung aus Content und Systemen. Emberville illustriert, wie stark die Attraktivität solcher Spiele davon abhängt, ob Combat-Flow und Ressourcendynamik stimmen, während Blackwood demonstriert, dass selbst ein starker „Hook“ (DVD-Shop bei Tag, Gun-Fu bei Nacht) ohne saubere Interaktions- und Bewegungsqualität im Early Access schnell frustrieren kann. Rig Riot macht wiederum deutlich, warum modulare Ausrüstung in Mech-Designs eine Art „procedural gear story“ erzeugt, die Roguelikes langfristig trägt, wenn Performance und Input-Handling zuverlässig sind. Am Ende bleibt für Spieler: Wer in den nächsten Wochen spielt, bekommt mehrere unterschiedliche Zugänge zu Action und Fortschritt – und wer sich auf Steam einliest, kann parallel die Feedback-Schleifen beobachten, denn mehrere der genannten Titel deuten auf schnelle Iterationen Richtung Vollversion.


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