LONDON (IT BOLTWISE) – Alena Leeb sicherte sich bei „Die Höhle der Löwen“ 40.000 Euro für 40 Prozent an ihrem Startup Poppy’s. Aus dem Pitch für gesundes Eis wurde nach kurzer Zeit ein Fruchtpulver, das ohne durchgehende Tiefkühlkette auskommt. Der Deal ging letztlich als Doppelangebot von Johannes Kliesch und Carsten Maschmeyer durch. Danach wechselte das Team direkt in die Produktentwicklung und richtet den Vertrieb über den Onlineshop aus.

Der Moment in der Sendung wirkte wie ein Klassiker aus dem Startup-Genre: Eine Gründerin tritt mit einem stark vereinfachten Versprechen vor die Jury – „gesundes Eis“ für Kinder und ein besseres Gefühl für Eltern. Bei Poppy’s traf das aber auf ein handfestes Logistikproblem. Leeb wollte mit einem Produkt punkten, das in der ursprünglichen Form tiefgekühlt bleiben muss, damit Frucht und Gemüse nicht nur im Marketing, sondern auch im Produktversprechen funktionieren. Genau dort setzt die spätere Wendung an: Die Diskussion um die Kälte- und Kühlkette war nicht nur ein Bauchgefühl der Investoren, sondern wurde später zum Kernargument für die strategische Neuorientierung.
Finanziell war der Deal zunächst klar umrissen: Leeb verlangte 40.000 Euro und bot im Gegenzug 40 Prozent der Firmenanteile an. In der Verkostung kam das „gesunde“ Profil zwar grundsätzlich an, aber nicht uneingeschränkt. Ralf Dümmel lobte zunächst das Ergebnis und hakte dann beim Geschmack ein: Für ihn fehlte es an der erlebten Süße, weil viele Gaumen an Industriezucker gewöhnt seien. Auch Carsten Maschmeyer und in der Verkostung weiteren Stimmen fehlte vor allem das klassische Zucker- und Fett-Erlebnis, während Snocks-Gründer Johannes Kliesch die Produkte deutlich positiver bewertete – allerdings mit Sortenunterschieden. Frank Thelen brachte die Kritik auf den Punkt: Selbst wenn das Konzept trägt, müsse noch an mehreren Stellschrauben gearbeitet werden, von der Markenbildung bis zur Frage, wie Kinder das Produkt langfristig mögen.
Technisch und operativ wird der Unterschied zwischen „Eis“ und „Fruchtpulver“ besonders deutlich, sobald man die Produktions- und Transportlogik betrachtet. Leeb produzierte ihr Eis bislang am Wochenende selbst in einer Industrieküche ab und hatte damit einen klaren Spagat zwischen Familie und Unternehmen. In der Sendung fiel die Entscheidungsvorlage für mehrere Löwen deshalb weniger über die Idee als über die praktische Machbarkeit: Tiefkühlprodukte erfordern eine durchgehend kontrollierte Kette vom Hersteller bis in den Handel und zum Kunden. Kliesch formulierte den Grund für die anfängliche Zurückhaltung später ausdrücklich als logistisch enormen Aufwand. Für die Umsetzung bedeutete das, dass das Team nicht „ein bisschen nachjustieren“ musste, sondern das Produkt in einen Zustand bringen sollte, der den Transport vereinfacht und damit Wachstum erst ermöglicht.
Der Pivot vom Eis zum Trockenpulver kam damit nicht aus einer reinen Marketing-Idee, sondern aus der Konsequenz des Produkt-„Case“-Checks: Wenn die Kühlkette zum Engpass wird, sucht man nach einem Materialzustand, der diese Abhängigkeit reduziert. Laut Kliesch entwickelte das Duo aus Team und Investoren gemeinsam zunächst verschiedene Ansätze – und im Nachhinein kam „relativ schnell die Idee zum Fruchtpulver“, womit das Thema Kühlen weitgehend vom Tisch war. Entscheidend ist die Einordnung im deutschen Markt: Es gebe bereits andere Anbieter mit einem Pulveransatz, aber noch keine gesunde Alternative, die speziell für Kinder ausgelegt ist. Dazu passt auch die konkrete Ausgestaltung bei Poppy’s: Das neue Fruchtpulver ist zuckerfrei und vegan, wird in Sorten wie Erdbeere, Banane oder Mango angeboten und kann beispielsweise in Brei oder Joghurt eingerührt werden. Zusätzlich wurde das Sortiment um Fruchteissticks ergänzt, die sich zuhause selbst einfrieren lassen – damit bleibt die Eis-Idee als Konsummoment erhalten, ohne dass das komplette Produktversandsetup auf Tiefkühl-Logistik angewiesen ist.
Damit wird aus einem TV-Pitch ein Entwicklungsprojekt mit Zeitdruck: Zwischen Dreh und Ausstrahlung hätten laut Angaben etwa fünf bis sechs Monate gelegen, in denen Leeb ein komplett neues Produkt auf die Beine stellen, entwickeln, testen und produzieren lassen musste. In dieser Phase rückten auch Themen wie Partner für Produktion und Logistik in den Vordergrund. Dass Leeb das gelernt hat, klingt in der Erzählung weniger nach „Glück“ als nach konsequenter Umsetzung: Nach der Show stieg sie direkt mit den Teams von Kliesch und Maschmeyer in die Produktentwicklung ein. Die Investoren hatten dabei keine fertige Blaupause für den neuen Zustand, sondern setzten auf die Fähigkeit der Gründerin, eine Lösung zu finden und sie operativ aus der Theorie in die Lieferrealität zu übertragen.
Auf der Vertriebsseite geht der Schritt inzwischen weiter: Poppy’s setzt nicht mehr allein auf Direktvertrieb, sondern nutzt einen eigenen Onlineshop. Kliesch beschreibt dabei auch die organisatorische Verzahnung mit den beiden Investoren-Teams: Sowohl er als auch Maschmeyer seien persönlich eingebunden, parallel kämen Expertinnen und Experten aus den jeweiligen Teams je nach Themenbereich hinzu – etwa für Onlineshop und Branding, mit Bezug auf bereits vorhandenes Know-how. Für Leeb ist das mehr als Kapitalzufuhr, weil sie die Zusammenarbeit als „Strategiepartnerschaft“ rahmt: Die Investoren stünden auch dann zur Seite, wenn es ihr nicht gut gehe. Genau diese Mischung aus Produkt-Umschaltung, Vertriebskanal und Teamaufbau ist vermutlich der Punkt, an dem aus dem TV-Moment ein belastbares Geschäftsmodell werden soll.
Am Ende bleibt die zentrale Erkenntnis: Ein überzeugendes Verbraucherziel reicht nicht, wenn ein Produktzustand die Skalierung blockiert. Bei Poppy’s war die Kühlkette nicht nur ein Detail der Bewertung, sondern wurde zum Hebel für die Neupositionierung. Leeb nimmt die Herausforderung an, jetzt Kunden gezielt vom Fruchtpulver zu überzeugen, obwohl das ursprüngliche Angebot im Kern ein anderes war. Dass die Investoren trotz anfänglicher Ausstiege gemeinsam ein Angebot machten, zeigt zudem, wie schnell sich bei passender Lösung die Wahrnehmung kippen kann – von „zu komplex im Handling“ hin zu „machbar und ausbaufähig“. Für den Markt bedeutet das: Nicht jede Ernährungsinnovation scheitert am Geschmack allein, sondern oft an der Frage, ob Produktion und Logistik mit dem Tempo der Nachfrage mithalten können.
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