LONDON (IT BOLTWISE) – Nach der tiefsten Lage während der Pandemie zeigen neue CDC-Daten für 2025 wieder messbare Verbesserungen bei zentralen psychischen Indikatoren von Jugendlichen. Besonders rückläufig sind anhaltende Gefühle von Traurigkeit oder Hoffnungslosigkeit sowie schwere Suizidgedanken und Suizidversuche im letzten Jahr. Zugleich bleibt ein signifikanter Teil der Teenager betroffen – vor allem Mädchen und Jugendliche, die sich als lesbisch, schwul oder bisexuell identifizieren. Die Erhebung setzt außerdem in Fragen zur Geschlechtsidentität auf eine neue Erhebungslogik, nachdem sie 2025 angepasst wurde.

Die jüngsten Ergebnisse der Youth Risk Behavior Survey, die landesweit an High Schools durchgeführt wird, zeichnen 2025 ein differenziertes Bild: Zwar sinken mehrere der wichtigsten Kennwerte für depressive Symptome und Suizidbezogenheit im Vergleich zum pandemiebedingten Tiefpunkt, doch von Entwarnung kann keine Rede sein. Nachdem die Werte 2021 ihren niedrigsten Stand in einem Zeitraum von rund zehn Jahren erreicht hatten, berichten die 2025 befragten Jugendlichen in mehreren Kategorien von Verbesserungen. Gleichzeitig macht die CDC-Datenauswertung deutlich, dass Belastungen weiterhin ungleich verteilt sind – nach Geschlecht und nach sexueller Orientierung.
Am sichtbarsten ist der Rückgang bei anhaltenden Gefühlen von Traurigkeit oder Hoffnungslosigkeit: 33 Prozent der High-School-Schülerinnen und -Schüler gaben an, diese Gefühle in den vergangenen zwölf Monaten erlebt zu haben. Das sind zwar weniger als die 42 Prozent im Jahr 2021, bleibt aber auf einem Niveau, das in der Praxis spürbar ist. Noch deutlicher fällt der Trend bei schweren Suizidgedanken aus: 14 Prozent der Jugendlichen berichteten, sie hätten ernsthaft darüber nachgedacht, im letzten Jahr einen Suizidversuch zu unternehmen – gegenüber 22 Prozent im Jahr 2021.
Für die Einordnung ist wichtig, dass dieser Verbesserungsimpuls keine reine „Pandemie-Rückkehr zur Normalität“ zu sein scheint. Jean Twenge, Psychologin an der San Diego State University und langjährige Beobachterin der Effekte von Smartphones und sozialen Medien auf Teenager, verweist in ihrer Analyse darauf, dass die Rückgänge nicht nur nach der Covid-Phase auftreten, sondern an eine bereits zuvor erkennbare Entwicklung anschließen. In den Daten wird zudem eine historische Linie sichtbar: Seit 2011 seien in der Datensammlung psychische Belastungen in jedem Jahr gestiegen, und die Pandemie habe diesen Trend zeitweise deutlich beschleunigt – bevor sich 2023 und nun 2025 wieder Gegenbewegungen zeigen.
Der CDC-Report bleibt dabei nicht bei einem Gesamtergebnis stehen. Mädchen melden häufiger negative psychische Zustände als Jungen: Rund 43 Prozent der Mädchen berichten von anhaltender Traurigkeit über die letzten zwölf Monate, während es bei den Jungen 24 Prozent sind. Auch Jugendliche, die sich als lesbisch, schwul oder bisexuell identifizieren, zeigen durchgängig stärkere Belastungswerte. Fast 60 Prozent dieser Gruppe nennen anhaltende Traurigkeit im letzten Jahr, im Vergleich zu 28 Prozent bei heterosexuellen Jugendlichen. Bei schweren Suizidüberlegungen liegen die Unterschiede ebenfalls weit auseinander: 32 Prozent der LGB-Teenager gaben an, ernsthaft einen Suizidversuch erwogen zu haben, gegenüber 11 Prozent bei heterosexuellen Schülern.
Zusätzlich bestätigt die Erhebung mehrere längerfristige Verhaltensmuster, die für Prävention und Risikobewertung relevant sind. So berichten 19 Prozent der Jugendlichen, sexuell aktiv gewesen zu sein – ein Rückgang gegenüber nahezu 38 Prozent, als die Frage 1991 in die Befragung aufgenommen wurde. Beim Alkoholkonsum liegt der Anteil aktuell bei 20 Prozent, verglichen mit knapp 51 Prozent im Jahr 1991. Illegale Drogen werden von weniger als 10 Prozent genannt, nachdem der Anteil bei der ersten Abfrage im Jahr 2001 bei 27 Prozent lag. Auch beim Medienverhalten bleibt das Bild stabil: 36 Prozent nutzen soziale Medien mindestens stündlich oder öfter, ähnlich wie 2023.
Ein weiterer Punkt betrifft die Erhebungslogik zur Geschlechtsidentität. In der Befragungsrunde 2023 war dies erstmals enthalten, wurde aber 2025 wieder entfernt, um Vorgaben eines Executive Orders umzusetzen, der die staatliche Anerkennung auf zwei Geschlechter – männlich und weiblich – beschränkt. Für die Interpretation bedeutet das: Wer die Daten über längere Zeiträume hinweg vergleichen möchte, muss berücksichtigen, dass nicht jede Dimension der früher erfassten Merkmalsstruktur auch 2025 wieder im gleichen Umfang abgebildet wird. Gleichzeitig zeigen die konstanten Unterschiede nach sexueller Orientierung und Geschlecht, dass die verbleibenden Kerndimensionen weiterhin stark mit psychischen Belastungen verknüpft sind.
Aus technischer und organisatorischer Sicht ist die Youth Risk Behavior Survey damit nicht nur eine Momentaufnahme, sondern ein wiederholtes Messinstrument, das Trends sichtbar macht. Für Schulen, öffentliche Gesundheitsakteure und Anbieter von Präventionsprogrammen ist entscheidend, dass der Rückgang bei Depression und Suizidgedanken zwar deutlich ist, aber nicht ausreicht, um systemische Unterstützungsbedarfe zu reduzieren. Gerade weil die Werte 2021 noch sehr hoch lagen und 2025 zwar sinken, bleibt das absolute Risiko weiterhin hoch genug, um Schulsozialarbeit, psychologische Zugangsmöglichkeiten und zielgruppenspezifische Angebote für besonders betroffene Gruppen wie Mädchen sowie LGB-Jugendliche priorisiert zu denken.
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