LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Studie aus China zeigt, dass Eltern im Durchschnitt zufriedener sind als Menschen ohne Kinder. Besonders auffällig ist der Zusammenhang in Zwei-Kind-Familien: Wer genau zwei Töchter hat, berichtet demnach überdurchschnittlich hohe Glückswerte. Bei Eltern ab 60 steigt der Vorteil mit der Kinderzahl. Gleichzeitig machen die Forschenden klar, dass aus der Erhebung keine kausalen Schlüsse gezogen werden können.

Familienleben wirkt auf die psychische Gesundheit selten nur über eine einzelne Stellschraube. Genau daran setzt die jetzt in Acta Psychologica veröffentlichte Auswertung an: Sie untersucht, wie sich das Glück von Eltern mit der Anzahl ihrer Kinder und der Geschlechterzusammensetzung der Nachkommenschaft unterscheidet. Im Kern berichten die Daten ein Muster, bei dem Eltern im Durchschnitt glücklicher sind als Nicht-Eltern. Doch die Unterschiede sind nicht linear, sondern hängen offenbar stark vom Alter, von der familiären Konstellation und auch von Stadt-Land-Unterschieden ab.
Der Ausgangspunkt der Forschenden Zhong Fei und Wenqin Jin ist die Frage, wie sich die „Offspring Composition“ – also Zusammensetzung und Anzahl der Kinder – auf die Lebensqualität von Eltern im chinesischen Kontext auswirkt. Hintergrund: Elternschaft bringt emotionale Nähe und sinnstiftende Rollen mit sich, kann aber zugleich zusätzliche Belastungen erzeugen, etwa durch finanzielle Anforderungen, Alltagsverantwortung und Konflikte zwischen Beruf und Familie. Die Studie versucht deshalb nicht nur zu prüfen, ob Kinder „glücklich machen“, sondern wann und für welche Elternprofile der Zusammenhang sichtbar wird.
Als Datengrundlage dient die Chinese General Social Survey (CGSS), eine multistufig angelegte Befragung, die 2003 von der Renmin University of China initiiert wurde. Die Erhebung deckt Provinzen, autonome Regionen und Kommunen ab und richtet sich an die zivilen Einwohner ab 18 Jahren. Für den Zeitraum zwischen 2012 und 2021 liegen sechs Wellen vor; beteiligt waren jeweils zwischen 8.000 und 13.000 Personen. In die Analyse flossen Angaben von 49.752 Teilnehmenden, von denen 45.108 Kinder hatten. Gemessen wurde das subjektive Glück über eine Einzelantwort („Overall, do you feel happy in your life?“), ergänzt durch Angaben zur Zahl biologischer Kinder sowie zur Zahl von Söhnen und Töchtern – inklusive verstorbener Kinder – sowie soziodemografische Merkmale wie Geschlecht, Alter und weitere Kennzahlen.
Die Ergebnisse zeigen zunächst einen klaren Durchschnittsvorteil: Eltern berichten übergreifend über mehr Glück als Nicht-Eltern. Danach wird es differenziert. Eine höhere Kinderzahl hängt demnach eher mit höherem Glück zusammen, aber dieser Effekt tritt laut Auswertung nur auf, wenn man insbesondere die Gruppe der 60-Jährigen und Älteren betrachtet. Ebenso berichten Eltern mit ausschließlich weiblicher Nachkommenschaft häufiger von höherem Glück als Eltern mit ausschließlich männlicher Nachkommenschaft. Besonders stark wird dieser Zusammenhang bei Eltern sichtbar, die genau zwei Töchter haben; zugleich zeigt die Auswertung, dass Eltern mit gemischtem Geschlecht (Söhne und Töchter) keinen statistisch signifikanten Unterschied gegenüber der Gruppe nur mit Söhnen melden.
Auch innerhalb dieses Musters variieren die Effekte weiter: Der positive Zusammenhang zwischen Kinderzahl und Glück ist offenbar ausgeprägter bei Männern, bei Stadtbewohnern und bei Personen mit einer Pension. Umgekehrt ist der Glücksvorteil bei „nur Töchter“ laut Analyse stärker bei ländlichen Haushalten, bei Eltern im mittleren Alter und bei Familien, in denen ein Ehepartner vorhanden ist. Diese Staffelung lässt sich in der Logik der Studie damit verbinden, dass Unterstützungsleistungen im Familienalltag nicht überall identisch organisiert sind. Geschlechterrollen, Erwartungen an die Verteilung von Aufgaben sowie die Art, wie soziale Sicherungssysteme greifen, können demnach beeinflussen, ob sich die emotionale und praktische Unterstützung im Alltag tatsächlich als „mehr Glück“ niederschlägt.
Wichtig ist die methodische Einordnung. Die Autorinnen und Autoren empfehlen, die Befunde mit Vorsicht zu interpretieren, weil es sich um sample-spezifische Evidenz innerhalb des zeitgenössischen chinesischen Kontexts handelt und die Übertragbarkeit auf andere Kulturen oder Zeiträume noch geprüft werden muss. Darüber hinaus basiert die Glücksmessung auf einem einzigen Item, wodurch Zuverlässigkeit und insbesondere die zeitliche Stabilität solcher Ratings unbekannt bleiben. Vor allem aber erlaubt das Studiendesign keine kausalen Aussagen: Unklar bleibt, ob Kinder tatsächlich zu mehr Glück führen, ob eher glückliche Personen eher Kinder bekommen, oder ob ein dritter Faktor die beobachtete Korrelation mitbestimmt.
Für die Praxis in Unternehmen, die sich mit demografischen Entwicklungen, Mitarbeiterbindung oder Familienfreundlichkeit beschäftigen, ist das Ergebnis vor allem als Signal zu verstehen: Familienpolitik und Angebote rund um Elternschaft können sich lohnen, wenn sie die reale Vielfalt von Lebens- und Unterstützungsmodellen berücksichtigen. Die Studie legt nahe, dass „Elternsein“ nicht gleich „Belastung“ oder „Entlastung“ ist, sondern dass Alter, Lebensumfeld und die Familienkonstellation die subjektive Zufriedenheit mitformen. Entscheidend bleibt jedoch: Solche Muster sind Hypothesen für weitere Forschung – und keine Blaupause für kausale Entscheidungen.
Der Beitrag trägt den Titel „Who reports higher happiness? The association between number of children, gender composition of offspring and parental happiness“ und wurde von Zhong Fei und Wenqin Jin verfasst.
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