LONDON (IT BOLTWISE) – „EA SPORTS FC 27“ startet im Test mit dem neuen Open-World-Modus „The Grounds“. Die offene Online-Spielwelt führt über drei Bezirke und Progression über Aufgaben, aber ohne echten Story-Modus. Gleichzeitig setzt der Titel auf Mikrotransaktionen und zeigt in Ultimate Team besonders stark „Pay-to-win“-Tendenzen. Entscheidend ist: Gameplay und Technik fühlen sich vertraut an, doch „The Grounds“ liefert genug neue Spielanreize für den Jahreskauf?

„EA SPORTS FC 27“ beantwortet eine Frage, die sich bei jährlichen Sport-Titeln fast automatisch stellt: Lohnt der neue Release wirklich mehr als der nächste Preisnachlass? Im Zentrum des Tests steht mit „The Grounds“ ein neuer Open-World-Modus, der die Seriendynamik spürbar verändert. Wer sich bisher an die typischen Schleifen aus Match, Training und Menüs gewöhnt hat, bekommt hier eine andere Art von Rhythmus: kurze Wege, wechselnde Aufgaben und verschiedene Spielvarianten, die in einer gemeinsamen, online erreichbaren Spielwelt zusammenlaufen. Genau diese Mischung aus Entdecken und „einfach losspielen“ ist der Hebel, der den Jahresupdate-Gedanken zumindest teilweise entkräftet.
Technisch ist „The Grounds“ weniger wie ein Kampagnenfilm aufgebaut, eher wie ein sozialer Spielplatz, der sich um deinen zuvor im Editor erstellten Avatar organisiert. Die Welt ist in drei Bezirke gegliedert: Montclair, Zeiza und Parkside. Dort finden Spieler Wettbewerbe und Aufgaben, die den Fortschritt über Erfahrungspunkte steuern und so nach und nach neue Möglichkeiten im eigenen Spieltyp freischalten. Interessant ist dabei die Art der Progression: Die Meilensteine verknüpfen frühere Narrative-Elemente aus dem „Alex Hunter“-Umfeld mit Anleihen an reale Kicker wie Kylian Mbappé, Chloe Kelly oder Paulo Dybala. Damit wirkt „The Grounds“ zugleich vertraut und neu, ohne den Umfang eines klassischen Story-Modus anzutreten.
Der Test macht aber ebenso klar, was „The Grounds“ nicht ist: kein Story-Modus. Eingestreute Zwischensequenzen wirken eher steif, eine echte Handlung fehlt. Die Spielwelt lebt stattdessen von Interaktion mit dem Fußball-Genre selbst: RUSH-Partien, ein schnelles Zwei-gegen-Zwei auf dem Kleinfeld und kleinere Minigames wie „Boccia-Ball“. Entscheidend ist, dass Clubs in diesen Modus integriert werden, was dem Gameplay eine zusätzliche soziale Ebene gibt. Genau hier liegt die praktische Stärke des neuen Ansatzes: Der Modus bleibt nicht in einer „Single-Player-Tour“ stecken, sondern lädt dazu ein, Strukturen zu wiederholen und mit anderen Spielern zu testen. Für viele dürfte das den stärksten Unterschied zu bisherigen Jahresfassungen ausmachen, weil es nicht nur neue Menüs verspricht, sondern einen neuen Einstieg in den Spieltag.
Mit dem Spaß kommt jedoch das Thema Wirtschaftlichkeit, und daran führt bei FC 27 kaum ein Weg vorbei. „The Grounds“ funktioniert zwar überraschend gut, aber EA Sports setzt weiterhin auf Ingame-Transaktionen: Gegenstände können entweder freigespielt oder gegen Echtgeld aktiviert werden. Verbrauchsgegenstände wie Booster und „Verstärkungen“ sollen einen Vorteil bringen, indem sie Progression beschleunigen und Fähigkeiten zeitweise verbessern. Dazu kommt der Season Pass, der einen kostenlosen und einen kostenpflichtigen Bereich umfasst; über ihn werden Kleidungsstücke und andere Anpassungsobjekte freigeschaltet. Der Test ordnet das ein: Das Spiel greift zwar nicht in dem Maße in Richtung „Pay-to-win“ wie bestimmte Vorbilder, die innerhalb Sekunden aus Anfängern Stars machen können, doch „Pay-to-Progress“-Mechanismen beeinflussen den Spielfortschritt spürbar. Ultimate Team wiederum wird im Text klar als stark mikrotransaktionsgetrieben eingeordnet und damit eher als „Pay-to-win“-Bereich positioniert.
Unterm Strich bleibt das restliche Paket aber weitgehend konsistent mit dem, was Serienfans erwarten. In Präsentation und Technik setzt EA SPORTS auf gewaltigen Umfang und eine hohe Lizenzdichte, begleitet von zahlreichen Intros und einer TV-reifen Inszenierung. Spielerinnen und Spieler kleinerer Vereine wirken laut Test nicht immer wie ihre Vorbilder, doch die Gesamtwirkung bleibt ein „hübsch dargestellter Gamepad-Kick“. Bei der Akustik gibt es dagegen Licht und Schatten: Stadionkulisse und Soundtrack überzeugen, während der Kommentar von Jan Platte und Florian „Schmiso“ Schmidt-Sommerfeld hinterherhinkt. Genannt werden Wiederholungen und Fehler, die die Illusion des virtuellen Fußballfests regelmäßig brechen. Genau solche Brüche sind bei Sportspielen besonders spürbar, weil das Spiel ohnehin auf Rhythmus und Atmosphäre setzt.
Auch beim eigentlichen Gameplay sieht der Test keine Revolution, sondern Feinschliff. Die Defensive agiert „einen Tick“ klüger und rückt kompakter ins Zentrum. Dribblings sollen dank besserer Ballführung handlicher und direkter wirken, während Sprints über die Flügel laut Text zu stark geraten und im Eins-gegen-eins geschickte Dribbler Verteidiger schnell überfordern. Dazu kommen Anpassungen bei Standards, sodass Eckbälle spürbar an Bedeutung gewinnen. In Summe entsteht damit ein vertrautes System, das an ein paar Stellen zielgerichtet nachschärft, aber keinen Evolutionssprung markiert. Im Modus-Portfolio folgt der Text dem gleichen Muster: Karriere und Ultimate Team wurden eher ergänzt als grundlegend neu gedacht. Die Trainerkarriere erhält ein dynamischeres Verhandlungssystem, die Spielerkarriere Rivalitäten, Ultimate Team bekommt eine Galerie, vereinfachte Squad Building Challenges und verzweigte Evolutionspfade. Mehr Spielraum, aber kein kompletter Identitätswechsel.
Für die Kaufentscheidung ist daher vor allem die Frage relevant, wie stark man „The Grounds“ als langfristigen Ersatz oder als Zusatz zu den bekannten Routinen nutzen möchte. Wer vor allem schnelle Matches sucht, findet möglicherweise wenig Grund, die Serie sofort zu wechseln. Wer hingegen einen Modus will, der Discovery, kleinere Wettkämpfe und Club-Interaktion in einer offenen Online-Spielwelt kombiniert, bekommt im Test ein klares Signal: Genau dieser Bereich „fällt auf“. Release-seitig nennt der Text außerdem konkrete Eckdaten: „EA Sports FC 27“ erscheint am 25. September 2026 für PC, PlayStation 4/5, Xbox One, Xbox Series X/S und Switch 1/2. Die Altersfreigabe liegt bei 12 Jahren, der Preis wird mit rund 80 Euro angegeben. Damit bleibt die Kernbotschaft nüchtern: Der Jahreskauf wird vor allem dann sinnvoll, wenn man „The Grounds“ nicht nur anspielt, sondern als neuen Schwerpunkt im Fußball-Alltag akzeptiert.
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