LONDON (IT BOLTWISE) – Modal Motors will Elektromotoren ohne Seltenerd‑Magnete entwickeln, um die Abhängigkeit von Chinas Lieferkette zu reduzieren. Das Startup arbeitet an einem kompakten Motor für Drohnenanwendungen sowie an einem flachen „Hybrid Enigma Drive“ für besonders geringe Bauraumhöhen. Der Ansatz trifft einen realen Engpass: Eine verlässliche US‑Produktion für Magnetrohstoffe soll laut Gründer noch Jahre dauern. Gleichzeitig setzt er auf eine Motorarchitektur, die auf effizienten Drehmoment- und Wirkungsgradfokus ausgelegt ist.

Die Debatte um „Reshoring“ klingt in vielen Branchen nach einem Projektplan, bei elektrischen Antrieben aber wird sie schnell zur Frage der Physik. Modal Motors richtet den Blick deshalb auf einen konkreten Baustein der Elektromotor-Lieferkette: Seltenerd‑Magnete. Der Gründer Michael Van Steenburg argumentiert, dass eine reine Verlagerung der Motorfertigung in die USA nicht automatisch die Abhängigkeit von China beseitigt, solange zentrale Magnetkomponenten weiterhin importiert werden. In seinem Bild geht es weniger um einzelne Baugruppen als um die Systemkette „von der Mine bis zum Magnet“ – und genau dort sieht er die langsam wachsende Verfügbarkeit in den USA als Bremse.
Technisch setzt der Plan bei einer Stelle an, an der viele etablierte Antriebskonzepte traditionell eng gekoppelt sind: permanenterregte Motoren nutzen häufig Seltenerd‑Magnete, um bei kompakten Baugrößen ein hohes Drehmoment zu erreichen. Modal Motors will diesen Hebel offenbar anders bedienen und entwickelt dafür zwei Motorfamilien, die sich an unterschiedliche Einbauprofile richten. Ein Produkt ist als kleiner Elektromotor für Drohnen gedacht, der aber auch in Anwendungen wie Ventilatoren, Gebläsen oder Aktuatoren eingesetzt werden soll. Auf der Produktseite beschreibt das Startup das Ziel als „minimize mass“ bei gleichzeitig maximalem Drehmoment pro Volumen und hoher Effizienz – also als klassische Optimierung für mobile Plattformen, bei denen jede Gewichtsgramm und jede Wattstunde zählt.
Deutlich ambitionierter wirkt der zweite Ansatz. Modal Motors nennt ihn „Hybrid Enigma Drive“ und ordnet ihn als planare beziehungsweise flache Motorlösung ein, die sich in niedrige Bauhöhen integrieren lassen soll. Planare Antriebe sind in der Industrie nicht neu, aber die konkrete Auslegung – also wie Geometrie, Magnet-/Spulenintegration, Drehmomentkurve und thermisches Verhalten zusammenspielen – entscheidet darüber, ob ein System in Anwendungen mit harten Platz- und Gewichtsgrenzen wirklich Vorteile bringt. Für Kunden bedeutet das: Nicht nur die Energiebilanz ist entscheidend, sondern auch die mechanische Einbausituation, die Schwingungscharakteristik und die Frage, wie gut sich der Motor über Leistungsklassen hinweg skalieren lässt, ohne dass Wirkungsgrad und Lebensdauer leiden.
Gerade deshalb ist der Supply‑Chain‑Kern der Story mehr als Marketing. Van Steenburg beschreibt die Lage als strukturelles Problem: Zwar arbeiten andere Unternehmen an Motorfertigung und Lieferketten in den USA, doch er sieht den Fehler darin, weiterhin auf Seltenerd‑Magnete zu setzen. Seine Sicht lautet, dass die Inlandsversorgung dieser Materialien noch nicht in Reichweite ist und es deswegen lange dauern werde, bis Alternativen tatsächlich China ersetzen können. Damit stellt sich die Reshoring‑Frage für viele Hardware-Teams in der Praxis anders dar: Wenn ein Bauteil nicht lokal verfügbar ist, hilft auch eine US‑Produktion der nachgelagerten Komponente nur begrenzt – die Abhängigkeit „wandert“ lediglich in Richtung Rohstoffe und Zwischenstufen.
Interessant ist zudem, dass Van Steenburg seine Argumentation nicht aus dem Elfenbeinturm führt, sondern auf Industrieerfahrung in der Automobilwelt verweist. Die Biografie enthält dabei eine bemerkenswerte Ironie: In den späten 1990er‑Jahren arbeitete er an einem Hybrid‑Gas‑Elektro‑Antrieb, an dem auch Projekte beteiligt waren, die China für den „People’s Car“-Kontext verfolgte. Der Punkt dahinter ist weniger Nostalgie als ein Erfahrungsrahmen darüber, wie sich Märkte verschieben können, wenn ein Land Ressourcenströme, Produktionskapazitäten und Rechte an Schlüsselkomponenten systematisch aufbaut. Aus dieser Perspektive wirkt sein heutiger Fokus auf Seltenerd‑Magnete wie eine strategische Lehre aus früheren Technologiezyklen: Wer die Engpässe nicht zuerst adressiert, kann beim Skalieren schnell an Grenzen stoßen.
Für die Marktseite ist der Ansatz deshalb auch eine Einladung an Entwicklerteams, die bislang vor allem auf kurzfristige Kostenvorteile und bekannte Referenzarchitekturen gesetzt haben. Wenn ein Motor tatsächlich rare‑earth‑frei auskommt, verschiebt sich das Risikoprofil: weniger Abhängigkeit von bestimmten Material- und Preiszyklen, aber dafür neue Herausforderungen bei Effizienz, Regelbarkeit und Fertigungspräzision. Das ist besonders relevant für Branchen, in denen Antriebsleistung eng mit Flugzeit, Nutzlast und Wartungsintervallen zusammenhängt – von Drohnen über Robotik bis hin zu industriellen Aktuatorsystemen. Der Wettbewerb um neue Antriebslösungen wird dadurch nicht nur technologisch, sondern auch organisatorisch: Unternehmen müssen prüfen, wie schnell sich eine neue Motorplattform in bestehende Steuerungselektronik, Testprozesse und Lieferantenstrukturen integrieren lässt.
Bis zur Kundennutzung bleibt entscheidend, wie sich Modal Motors’ Designs im Alltag verhalten: Wie stabil die Effizienz unter Lastsprüngen bleibt, wie gut der Motor thermisch entkoppelt werden kann und ob sich die planare Bauform dauerhaft in unterschiedliche Gehäuse- und Montagekonzepte übersetzen lässt. Gleichzeitig liefert der Zeitfaktor eine plausible Erwartungshaltung: Das Startup plant zwei Vorabprodukte, die zeitnah für die nächsten Schritte Richtung Produktisierung herangezogen werden sollen. Ob der „China‑freie“ Anspruch in der Praxis vollständig aufgeht, hängt am Ende an der gesamten Lieferkette der Komponenten, nicht nur am Motor selbst – doch gerade daran knüpft Modal Motors seine Differenzierung an. Für die nächste Phase wird deshalb weniger die Idee allein spannend sein, sondern die Geschwindigkeit, mit der aus der Entwicklungs- und Erprobungsphase wiederholbare Herstellprozesse und belastbare Leistungsdaten werden.
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