WILDFLECKEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Rund 320 ehrenamtliche Kräfte trainieren im Katastrophenschutz Vegetationsbrandbekämpfung und Hochwasserschutz in koordinierten Einsätzen. Auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken rücken die Teams in geschlossenen Kolonnen mit rund 80 Einsatzfahrzeugen an. Unter Leitung von Kreisbrandmeistern wird dabei auch die technische Rettung aus Trümmern und sogar aus einer realistischen Panzerlage geprobt. Ziel ist, Routine für unübersichtliche Schadenslagen aufzubauen, ohne den Stress der Einsatzrealität auszublenden.

Rund 320 ehrenamtliche Einsatzkräfte haben ihren Katastrophenschutz-Trainingsblock im Vogelsbergkreis auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken abgeschlossen. Laut der Einsatzbeschreibung rückten Feuerwehr, THW, DRK und DLRG mit etwa 80 Fahrzeugen in geschlossenen Kolonnen an, um die Abläufe auch unter der typischen „Anmarsch- und Lageaufbau“-Belastung zu testen. Für viele Organisationen ist genau diese Phase entscheidend: Wer erst nach dem Eintreffen anfängt, Schnittstellen zu definieren, verliert Zeit in einer Lage, in der die Lagebilder ohnehin schnell altern.
Im Zentrum standen gleich mehrere Schadensszenarien, die organisatorisch und taktisch unterschiedliche Fähigkeiten abverlangen. Vegetationsbrandbekämpfung und Hochwasserschutz wurden in einem gemeinsamen Übungsrahmen verbunden, obwohl Einsatzkräfte in der Praxis häufig getrennt nach Fachdisziplinen geplant werden. Neben der Großlage-Logik gehörten auch technische Rettungsanteile aus Trümmern dazu; zusätzlich wurde laut Ablauf sogar eine realistische Panzerlage in die Aufgabenstellung integriert. Der Praxiswert liegt dabei weniger in der „einmaligen“ Abarbeitung einer Aufgabe, sondern in der wiederholten Abfolge von Auftragsausgabe, Lagekommunikation, Arbeitsbereichen und Rückmeldungen unter Zeitdruck.
Damit rückt nicht nur die Technik, sondern auch die Koordination in den Vordergrund. Die Leitung lag bei Kreisbrandmeistern Thomas Stein, Tony Michelis und Andreas Leinweber, unterstützt von Stabsfeldwebel Christian Feibel. Solche Rollen sind bei Großübungen funktional: Sie synchronisieren Entscheidungen zwischen Führungsstellen, Einsatzabschnitten und nachgelagerten Einheiten, etwa wenn sich Brand- und Wasserlagen überlagern oder wenn Verkehrs- und Zufahrtswege durch Einsatzgeschehen verändert werden. Dass das Training in kolonnenartiger Anfahrt beginnt, hilft außerdem dabei, die „Fahrplanlogik“ der Einsatzbereitschaft zu überprüfen – also wie gut Teams ihre Marschordnung halten und wie verlässlich sie von der Ankunft in die Erstaufträge übergehen.
Der Übungsblock zeigt zudem, wie interdisziplinär moderne Ausbildung ausgerichtet ist. In den weiteren beschriebenen Trainingsbeispielen wird sichtbar, dass Feuerwehren auf realitätsnahe Bedingungen setzen, um Handlungssicherheit zu stärken. Bei einer Übung in einer verrauchten Halle wurde ein Großerbrand mit über zehn und unter Umständen mehr als 20 Vermissten angenommen; der Einsatzleiter forderte dabei zusätzliche Löschzüge nach, während parallel ein Rettungseinsatz einen Großalarm des Rettungsdienstes auslöste. Auch bei Einsatzlagen im Galluszentrum mit Temperaturen über 30 Grad Celsius wurden Personenrettung und Brandbekämpfung auf ein klares Ende hin ausgerichtet, etwa indem die Abwicklung nach rund einer Stunde abgeschlossen war.
Dass die Beispiele nicht nur „Brand“ oder „Wasser“ abdecken, sondern auch unübersichtliche Menschenrettungen, medizinische Risiken und belastende Rahmenbedingungen, passt zu einer klaren Trainingslogik: Chaos wird in kontrollierten Übungssettings nicht vermieden, sondern bewusst simuliert, damit Struktur zur Routine wird. Am 19. September 2026 etwa absolvierten Notärzte aus ganz Österreich gemeinsam mit Militärärzten einen Refresher-Kurs in Kirchberg an der Raab. Das Szenario kombinierte einen schweren Unfall zwischen einem Reisebus und einem weiteren Fahrzeug mit rund 50 Betroffenen und einer Schadstofflage – eine Kombination, die in der Realität häufig mehrere Führungs- und Informationsströme gleichzeitig verlangt.
Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass die Nachbereitung als Teil des Gesamtsystems verstanden wird. Psychosoziale Einsatznachsorge gewinnt in den beschriebenen Programmen spürbar an Gewicht: In Ried im Innkreis feierte das Innviertler Team für Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen (SVE) sein 15-jähriges Bestehen und versammelte über 50 Fachleute aus verschiedenen Organisationen. Solche Strukturen adressieren die Frage, wie Teams nach traumatisch belastenden Einsätzen stabil bleiben und wer die Entscheidung über Rückkehr, Unterstützung und Austausch übernimmt. Auf kommunaler Ebene ergänzen infrastrukturelle Übungen diese Ebene, etwa wenn Feuerwehren alternative Meldewege und Führungsstabsprozesse für einen langanhaltenden Stromausfall erproben.
Für Unternehmen und Organisationen, die in ihren eigenen Prozessen auf Resilienz und klare Verantwortungswege setzen, lässt sich daraus vor allem eine Lehre ableiten: Übung ist nur so gut wie die Übersetzung in Entscheidungs- und Kommunikationsroutinen. Wenn Vegetationsbrand- und Hochwasserlagen zusammen trainiert werden, wenn Schnittstellen zwischen Feuerwehr, THW, DRK und DLRG in kolonnenfähigen Abläufen getestet werden und wenn Nachsorgeformate wie SVE parallel aufgebaut werden, entsteht ein konsistentes Trainingssystem. Die beschriebenen Termine zeigen außerdem, dass solche Maßnahmen langfristig geplant werden – von wiederkehrenden Refreshern bis zu kommunalen Pilotprojekten, die Handlungsempfehlungen für regionale Krisenresilienz entwickeln sollen.
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