LONDON (IT BOLTWISE) – Ein Markt-Think-Piece von Rob Cunningham argumentiert, dass XRP Bitcoin überholen könnte, sofern genügend Kapital, das auf den XRP Ledger fließt, tatsächlich in XRP umgewandelt und dort gehalten wird. Der Hebel der Bewertung hängt demnach an drei Unbekannten: Konversionsrate, Haltedauer und wie viel Liquidität Verkäufer bei steigenden Kursen bereitstellen. Als historischer Vergleich nennt Cunningham einen kleinen Netto-Zufluss, der eine deutlich größere Bewertungszunahme ausgelöst haben soll. Entscheidend bleibt aber, ob Institutionen den Ledger nur zum Bezahlen nutzen oder XRP selbst langfristig halten.

Die Frage, ob XRP eines Tages Bitcoin in der Marktbewertung überholen könnte, steht erneut im Fokus – diesmal nicht als bloßes Kursversprechen, sondern als Modellrechnung. Rob Cunningham, Analyst, formuliert seine These als Bedingungs-Szenario: Wenn genügend Kapital auf den XRP Ledger gelangt und dieses Kapital auch tatsächlich in XRP übergeht, dann könnte sich daraus theoretisch eine mehrjährige Bewertungsexpansion ergeben. Der Kernpunkt ist dabei weniger der Ledger selbst als die Frage, ob der Weg über das Netzwerk am Ende in der Token-Nachfrage nach XRP landet – oder ob Kapital zwar durch den Prozess wandert, aber ohne nennenswertes Halten im Token endet.
Technisch betrachtet beschreibt das Szenario eine Art „Kapitaltransmission“ vom tatsächlichen Geldfluss zur langfristigen Token-Bindung. Cunningham arbeitet dafür mit einem Gedankenexperiment, bei dem im Extremfall „$10 trillion“ an Kapital auf den XRP Ledger umgelenkt werden könnten. Doch selbst dann sei die Rechnung nur dann überzeugend, wenn ein großer Teil davon nicht nur als Durchlauf benutzt wird. Er nennt explizit die Abhängigkeiten: Wie viel neues Kapital tatsächlich zu XRP konvertiert, wie lange dieses Kapital in XRP bleibt und welche Liquidität Anbieter beim Preisanstieg bereitstellen, um Verkäufe abzufedern. Genau diese drei Faktoren bestimmen, ob sich aus Aktivität im Netzwerk eine dauerhafte Wertschöpfung für den Token ableitet.
In der Argumentation setzt Cunningham zudem auf einen historischen Vergleich, der den möglichen Hebel illustrieren soll: Ein Netto-Zufluss von lediglich $66 million zur Anschaffung von XRP habe eine rund $45 billion höhere Gesamtbewertung von XRP ausgelöst – ein Multiplikator von „north of 600x“. Wichtig ist seine eigene Einordnung: Er beschreibt das als thought experiment statt als Prognose. Ergänzend verweist er darauf, dass Bitcoin nach seiner Darstellung aktuell ungefähr 17-mal größer ist als XRP – damit ist die Ausgangslage klar: Damit XRP aufholen kann, müsste nicht nur Kapital fließen, sondern die Token-Nachfrage relativ zur verfügbaren Liquidität sehr stark zulegen.
Das Gedankenmodell knüpft außerdem an frühere Einschätzungen aus dem Ripple-Umfeld an. David Schwartz, Ripple CTO Emeritus, hatte bereits öffentlich skizziert, XRP könne perspektivisch Bitcoin nach Marktkapitalisierung einholen – und die aktuelle Debatte dreht sich genau um den „Brücken“-Mechanismus zwischen Netzwerknutzung und Token-Wert. Laut einem in der Quelle genannten Bull-Case werden dafür mehrere Säulen zusammengeführt: regulatorische Klarheit (im Zusammenhang mit dem SEC-Verfahren, das laut Text im August 2025 beendet wurde), institutioneller Zugang über US-Spot-XRP-ETFs (für die im ersten Monat $1,3 billion Zuflüsse genannt werden) sowie anhaltende Aktivität auf dem XRP Ledger (im Text mit „nearly $500 billion“ On-Chain-Volumen innerhalb von 12 Monaten). Dazu kommt die fixe Obergrenze von 100 Milliarden XRP – wobei auch hier betont wird, dass ein festes Angebot allein keine Kursgewinne garantiert.
Schwartz betont in einem weiteren Zitat die Bedingung, unter der ein Überholen realistisch wird: Entscheidend sei nicht nur, dass sich XRP besser entwickelt als Bitcoin, sondern dass die Welt der digitalen Assets insgesamt größer wird – statt dass Bitcoin schrumpft. Seine Formulierung lautet: „I think that the world where that happens is the world where all the markets grow much, much larger.“ Der technische Hintergrund, den der Text dafür liefert, liegt in der Geschwindigkeit und Funktionalität des XRP Ledgers. Aus Markt-Sicht übersetzt sich das in die Erwartung, dass Anwendungen, die Wertflüsse effizient abwickeln, eher zu einem Nachfrageimpuls beim Token beitragen können – sofern sich dieser Nachfrageimpuls tatsächlich in gehaltenem XRP niederschlägt.
Trotz dieser Argumentationskette bleiben laut Cunningham die statistischen und operativen Unsicherheiten groß. Das Modell hängt an Annahmen, die sich im Alltag erst messen lassen: Vor allem, wie viel Kapital nach dem „Passieren“ des Ledgers wirklich dauerhaft in XRP steckt. Institutionen könnten den XRP Ledger für Settlement nutzen, aber XRP nur sehr kurz halten. Alternativ könnten sie Zahlungen mit Stablecoins und tokenisierten Assets abwickeln und damit das Halten von XRP umgehen. Dann wäre die Netzwerkaktivität zwar sichtbar, aber die Korrelation zur Token-Preissteigerung könnte deutlich schwächer ausfallen als in einem Szenario, in dem Konvertierung und Haltedauer systematisch hoch sind.
Für Unternehmen und Entwickler, die den XRP Ledger evaluieren, ergibt sich daraus eine praktische Leitfrage: Welche Teile eurer Use-Case-Architektur erzeugen echte Token-Nachfrage – und welche optimieren lediglich die Abwicklungslogik? Wenn der Ledger als Infrastruktur für schnelle Transfers dient, aber Wert am Ende über andere Vehikel abgebildet wird, entsteht möglicherweise mehr Systemnutzung als unmittelbarer Token-Value. Für Produktteams, die KI-gestützte Analytik oder Liquiditäts-Optimierung einsetzen, heißt das konkret: Man braucht messbare Telemetrie darüber, wie sich Konversionsraten, durchschnittliche Haltezeiten und Preis-Impact über Order-Layer hinweg entwickeln. Genau dann wird aus dem „Life happens fast“-Gedankenanstoß („Life happens fast, “ schrieb Cunningham) mehr als ein Rechenbeispiel – nämlich ein überprüfbares Rahmenwerk für die Frage, wie Kapitalflüsse wirklich in Bewertungsgewinne übersetzen.
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