NEVADA CITY / LONDON (IT BOLTWISE) – Wildlands Robotics aus Nevada City entwickelt den Baum-Roboter „Buck“, der Äste entfernen und Bäume mechanisch abwerfen soll – laut Angaben bis zu sieben Fuß pro Sekunde und in unter fünf Minuten pro Baum. Das Projekt zielt auf zwei Risiken: erhöhten Bewuchs im Umfeld von Waldbränden und die Gefahr durch Arbeiten an Bäumen nahe Stromleitungen. Nach der Fertigstellung eines MVP läuft derzeit ein Testprogramm, um Optimierungen für die nächste Version festzulegen. Zusätzlich plant das Startup im Winter eine Seed-Runde zur Finanzierung der weiteren Entwicklung.

Wer Vegetation in ländlichen Regionen regelmäßig zurückschneidet, kennt das Grundproblem: Es reicht nicht, einfach nur „sauber“ zu sein. Entscheidend ist das Timing und die Präzision – denn in der Nähe von Wäldern oder Leitungswegen können einzelne, schwer erreichbare Bäume schnell zum Engpass werden. Genau dort setzt Wildlands Robotics Inc. an, ein Startup aus Nevada City, das mit dem Roboter „Buck“ eine Automatisierung für das Vegetationsmanagement auf den Weg bringt. Der Ansatz klingt pragmatisch: Anstatt Teams an Leitern oder mit Kletterausrüstung gefährliche Arbeiten übernehmen zu lassen, soll ein autonomer bzw. ferngeführter Mechanismus Tätigkeiten direkt am Stamm ausführen und so die Tätigkeiten „auf dem Boden“ bündeln.
Technisch wird der „Buck“ im Kern als System beschrieben, das sich am Baum hochbewegen kann, gezielt zurückschneidet („delimb“) und danach den Baum mechanisch zum Umbruch bringt. Laut den Angaben aus dem Projektumfeld kann der Roboter mit bis zu sieben Fuß pro Sekunde klettern, eine 10-PS-Kettensäge für die Entastung nutzen und einen Baum in weniger als fünf Minuten „bocken“ beziehungsweise zum Fallen bringen. Für die Praxis ist dabei weniger die Schlagzeilen-Sekunde entscheidend als die Kombination aus Mobilität am Objekt, Schnittleistung und Prozesszeit: Erst wenn diese Schritte im Feld reproduzierbar funktionieren, entsteht ein wahrnehmbarer Effekt gegenüber manuellem Vorgehen. Denn bei der Vegetationspflege entscheidet nicht nur die Arbeitsgeschwindigkeit, sondern auch, wie konsistent das Ergebnis ist – etwa hinsichtlich der Höhe und Position der Schnitte sowie der Einschätzung, wie der Baum tatsächlich zu Boden kommt.
Der Impuls für die Entwicklung kommt dabei aus einer konkreten Risikoanalyse rund um Wildfire-Situationen in Nevada County. In den Berichten wird betont, dass die extreme Brandgefahr dort eng mit der Frage der regelmäßigen Bewuchskontrolle zusammenhängt und dass „Fuel Management“ in der Fläche bislang schwer in ausreichender Frequenz umgesetzt werden kann. CEO und Mitgründer Cordell Hollingsworth beschreibt die Motivation aus eigener Praxis heraus und verbindet sie mit dem Blick auf strukturelle Engpässe in der Umsetzung. In einem direkten Zitat heißt es: „I’ve spent hundreds of hours clearing vegetation on my own family’s property, and the more I learned about wildfire risk reduction and just fuels management, the more I realized the precarity of … Nevada County when it comes to fire, “ sagt Hollingsworth. Ergänzend führt er aus, dass er Wildlands Robotics gegründet habe, weil er einen Roboter bauen wolle, der beim Problem helfen kann: „I started Wildlands because I think I can make a robot to help with that problem.“ Diese Perspektive ordnet das Projekt weniger als reine Hightech-Spielerei ein, sondern als Versuch, eine wiederkehrende Risikoaufgabe systematisch industrietauglicher zu machen.
Auch das zweite Einsatzfeld ist inhaltlich klar umrissen: die Gefahren rund um Arbeiten an Bäumen nahe Stromleitungen. Während menschliche Baumkletterer oder manuelle Methoden in solchen Situationen zwar seit Jahren genutzt werden, bleibt das Risikoprofil hoch, vor allem wenn Zufahrtswege, Zugangsbedingungen oder Windverhältnisse die Arbeit erschweren. Wildlands Robotics stellt deshalb die Entlastung von Teams in den Mittelpunkt: weniger Kletter- und Handarbeit, mehr sichere Roboterunterstützung, und damit ein potenziell besseres Verhältnis zwischen Personalaufwand und erledigter Fläche. Gleichzeitig adressiert das Startup laut Darstellung ein organisatorisches Problem, das vielen Vegetationsfirmen bekannt ist: Hazardous Tree Removals lassen sich in großen Gebieten oft nicht schnell genug bearbeiten, weil genau diese gefährlichen Schritte Personal und Zeit binden. „Wir würden gern Kapazität schaffen, damit diese Jobs auch im benötigten Maßstab erledigt werden können“, so die inhaltliche Linie der Aussagen von Hollingsworth, der zudem darauf verweist, dass Automatisierung vor allem die Arbeit für die Menschen sicherer machen soll.
Der Entwicklungsstand wirkt für Außenstehende wie ein typischer Zwischenschritt zwischen Konzept und Feldbetrieb: Die Arbeit am Buck habe im August 2025 begonnen und sei „in late spring“ abgeschlossen worden. Laut Hollingsworth gibt es bereits genau ein MVP („one MVP built“) und derzeit läuft ein Testprogramm, um herauszufinden, was funktioniert und was in der nächsten Version zu optimieren ist. Das ist wichtig, weil solche Systeme im Feld selten an einer einzelnen Komponente scheitern. Vielmehr müssen sich mehrere Teilprozesse zusammensetzen: Fahr-/Kletterdynamik am unregelmäßigen Untergrund des Baumstamms, sichere Steuerung der Schnittparameter, sowie die Reihenfolge der Arbeitsschritte, damit Entastung und Fällung wirklich ineinandergreifen. Für Unternehmen, die später investieren oder solche Leistungen beauftragen, entscheidet häufig genau dieser Reifegrad: Nicht die Idee allein, sondern die Frage, wie stabil das System unter realen Bedingungen arbeitet.
Für den nächsten Schritt plant Wildlands Robotics zusätzlich eine Seed-Runde im Winter, um die Entwicklung weiter zu finanzieren. Inhaltlich wird das Seed-Vorhaben mit zwei Problemklassen verknüpft: dem Ausbau bzw. der Instandhaltung von ländlicher Energieinfrastruktur sowie der ländlichen Resilienz gegen Wildfires. Hintergrund ist ein klassisches Muster in der Robotics-Branche: Sobald Prototypen funktionieren, steigen die Anforderungen an Sensorik, Validierung, Wartbarkeit und an den Betrieb im Einsatz. Gerade bei Systemen, die an sicherheitsrelevanten Standorten arbeiten, wird es für den Produktisierungsweg entscheidend, welche Randbedingungen sie zuverlässig abdecken. Dazu gehören etwa Variationen in Baumarten, Stammstärken, Geländebeschaffenheit und die Frage, wie ein Roboter im Arbeitsalltag schnell wieder einsatzbereit ist.
Markt- und Branchenperspektive: Vegetationsmanagement ist zwar kein „neues“ Thema, aber die Engpässe scheinen zu wachsen, weil sowohl Klimarisiken als auch der Bedarf an zuverlässiger Infrastrukturpflege steigen. Automatisierung kann hier mehrere Hebel bedienen: Sie verkürzt bestimmte gefährliche Arbeitsschritte, reduziert manuelle Rüstzeiten und kann – bei entsprechender Prozessintegration – helfen, Wartungsfenster besser zu planen. Für Auftraggeber und Betreiber von Stromnetzen bedeutet das langfristig auch, dass sie weniger stark an die Verfügbarkeit von Spezialkräften gebunden sind. Gleichzeitig bleibt die Frage, wie schnell sich ein System wie der Buck in bestehende Arbeitsabläufe integrieren lässt: Schulung, Wartungslogik und ein sauberer Übergang zwischen Roboter und menschlicher Crew bestimmen, ob aus einem MVP ein skalierbarer Standard wird.
Am Ende verdichtet sich der Anspruch des Startups auf ein Zielbild: Robots augment human crews to make that job easier und die Projekte „sicherer“ sowie tatsächlich umsetzbar zu machen. Ob der Buck dieses Versprechen bereits im nächsten Versionseinsatz trägt, hängt vor allem von den aktuellen Tests ab und davon, wie gut sich die wichtigsten Parameter unter realen Feldbedingungen stabil halten lassen. Für die Seed-Investoren dürfte dabei weniger die dramatische Geschwindigkeit im Labor zählen, sondern der Nachweis, dass der gesamte Workflow wiederholbar ist – von der Annäherung am Baum über die Entastung bis hin zur kontrollierten Fällung. Wenn die Optimierungen aus dem laufenden Testprogramm greifen, könnte der Buck ein früher Schritt sein, um Vegetationsmanagement von einer reaktiven Notlösung hin zu einem planbarer gewordenen Betrieb zu verschieben.
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