LONDON (IT BOLTWISE) – Apple macht Active Noise Cancellation bei den AirPods 5 zum Standard: Beide Modelle starten bei 129 US-Dollar, die Variante mit Ladecase kostet 149 US-Dollar. Im Test zeigt sich vor allem beim dauerhaften Hintergrundlärm ein starker Effekt, während Fluglärm weniger zuverlässig gedämpft wird. Gleichzeitig nennt der Alltagstest die Akkulaufzeit als klaren Engpass, denn mit aktivem ANC sind es je nach Modell nur etwa vier bis fünf Stunden. Wer unterwegs lange hört, muss deutlich häufiger laden – oder zu AirPods Pro 3 greifen.

Apple positioniert die AirPods 5 als neue Einstiegsoption für Active Noise Cancellation im Bereich offener Ohrhörer. Preislich fällt dabei eine klare Zäsur: Für 129 US-Dollar bekommt man die Basisausführung, für 149 US-Dollar die Version mit Ladecase für Wireless Charging. Dass ANC jetzt in beiden Varianten enthalten ist, wirkt wie eine bewusste Verschiebung der Prioritäten in Apples Portfolio – schließlich kostete die AirPods-4-Generation mit ANC zum Launch 179 US-Dollar. Nach einer Woche mit dem 149-US-Dollar-Modell wird deutlich, worauf Apple in dieser Preisklasse setzt: starkes Software-Processing, das ohne klassische Abdichtung im Ohr auskommen soll, und gleichzeitig mehr Komfort bei der Handhabung.
Die Hardware bleibt bei den eigentlichen Ohrhörern optisch weitgehend vertraut: Die AirPods-5-Buds wiegen laut Testbericht wie die AirPods 4 rund 4,3 g und teilen die gleiche Grundform der letzten Generationen. Unterschiede zeigen sich vor allem beim Case. Mit 34,7 g ist es spürbar leichter und kleiner als das Case der AirPods Pro, außerdem verschwindet es bei der täglichen Nutzung leichter in der Tasche. Beim Zubehör spart Apple jedoch Gewicht und Platz: Der Pro-Case-Lanyard-Loop fehlt. Praktisch ist dagegen, dass das 149-US-Dollar-Case einen eingebauten Lautsprecher für Find My sowie eine separate Ortung einzelner Buds mitbringt; im Alltag wird so zumindest einmal nach einem herausgefallenen Ohrhörer gesucht und das Feature als sinnvoll eingeordnet.
Komfort und Passform sind bei offenen Earbuds naturgemäß der Knackpunkt. Da AirPods 5 keine Ohrspitzen tragen, gibt es keinen Dichtungsreiz durch Silikon – auch der typische Druckaufbau, den viele mit In-Ear-Tipps kennen, entfällt. Der Preis dafür ist weniger „Lock-in“: Beim Gehen wirkt die Passform zwar stabiler als erwartet, beim intensiveren Training und schnellen Kopfbewegungen ist die Einschätzung dagegen deutlich vorsichtiger. Außerdem bleibt ein anderes Thema hängen: Weil die Noise Cancellation nicht über einen physischen Abdichtungseffekt funktioniert, tritt bei einigen Nutzern ein spürbares Druckgefühl auf, das im Test am ersten Tag bewusst wahrgenommen und später „weggewöhnt“ wurde.
Bei den Funktionen legt Apple ebenfalls nach, und zwar deutlich sichtbar in Richtung der günstigsten Variante. Beide AirPods-5-Modelle kombinieren Transparenz, Adaptive Audio und Conversation Awareness mit ANC. Die 149-Dollar-Variante ergänzt zusätzlich die Volume-Swipe-Steuerung am Stiel, Wireless Charging sowie den Find-My-Lautsprecher im Case und dazu eine Stunde mehr Akkulaufzeit. Neu ist auch Live Translation, das im Test grundsätzlich positiv bewertet wird, aber in echten Gesprächen zu langsam wirkt: Wenn die Übersetzung fertig ist, ist das Gegenüber oft schon bei der nächsten Aussage. Ein weiteres praktisches Detail: Live Translation setzt ein iPhone voraus, das Apples Intelligence unterstützt; damit ist das Feature nicht für jeden Käufer mit älterem Gerät verfügbar.
Technisch spannend wird die Einordnung der Software- und Audio-Verbesserungen besonders im Zusammenspiel mit iOS. Mit iOS 27, das laut Test am 14. September eingetroffen ist, erhalten AirPods mit dem H2-Chip erstmals einen dreibandigen Custom EQ (Bässe, Mitten, Höhen). Das ist weniger „fett“ als das, was Companion-Apps von Wettbewerbern oft bieten, aber es ist für Apple ein echter Schritt in Richtung mehr Einstellfreiheit innerhalb der AirPods-App-Logik. Was die Sprachqualität angeht, bleibt AirPods 5 laut Testbericht stark: Geräuschisolierung für die Stimme funktioniert „auf der anderen Seite“ überzeugend, und Pairing sowie Gerätewechsel laufen wie bei früheren AirPods-Generationen gewohnt unkompliziert.
Der größte Haken bleibt die Akkulaufzeit. Apple nennt für das 129-US-Dollar-Modell mit aktivem ANC rund 4 Stunden, ohne ANC etwa 6 Stunden; beim 149-US-Dollar-Modell sind es etwa 5 Stunden mit ANC und 7 Stunden ohne. Auf dem Flug nach Hawaii erledigte das Case viel Arbeit, weil die maximale Bud-Laufzeit für längere Strecken nicht ganz ausreicht: Die kürzeste Teilstrecke im Test lag bei 6,5 Stunden, bei ganztägigem Desk-Work oder langen Sessions während Marathon-ähnlicher Ausdauer ist eine komplette Tagesreichweite mit kontinuierlichem Hören ebenfalls fraglich. Dazu kommt: Die Ladezeit wirkt nicht nur wie ein Feature, sondern wie ein Nutzungszwang. 5 Minuten im Case geben grob eine Stunde Wiedergabe, aber wer selten zwischen Calls oder Podcasts einlegt, lädt praktisch häufiger nach als mit AirPods Pro 3.
Beim Thema Noise Cancellation liefert AirPods 5 genau dort, wo offene Systeme typischerweise kämpfen, trotzdem sehr viel: Laut Apple entfernt die ANC-Funktion bis zu „50% mehr“ Geräusch als AirPods 4, und im Test wird die Leistung als beste Noise Cancellation bewertet, die man „zu diesem Preis“ von Earbuds kennt – besonders bei konstantem Lärm wie Klimaanlagen oder Straßenbrummen. Der Luftfahrt-Fokus ist jedoch weniger perfekt: Flugzeugmotoren bleiben über die gesamte Strecke spürbar, und Gespräche im Flughafen wirken nicht so gedämpft wie mit AirPods Pro 3. Ein weiteres Detail zeigt, wie empfindlich die ANC-Kette in der Praxis ist: Wird beim Anpassen das Außen-Gitter berührt, setzt die Noise Cancellation kurz aus, der zuvor weggefilterte Lärm flutet kurz zurück; Transparenz klingt im Vergleich zu anderen Nicht-Pro-AirPods zudem natürlicher. Insgesamt gilt deshalb die klare Faustregel aus dem Test: Für maximalen ANC-Vergleich lohnt weiterhin AirPods Pro 3, für „so viel Noise Cancellation wie möglich zum vernünftigen Preis“ sind AirPods 5 für viele Nutzer die bessere Wahl.
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