LONDON (IT BOLTWISE) – Apple bringt mit den AirPods 5 aktive Geräuschunterdrückung auch ins Einstiegsmodell für 129 US-Dollar. Gleichzeitig wird das „Step-up“-Modell mit kabellosem Laden günstiger: von 179 US-Dollar auf 149 US-Dollar. Im Test zeigt sich vor allem beim ANC und bei der Klangqualität eine spürbare Qualitätskurve gegenüber den Vorgängern. Ob die Akkulaufzeit dagegen mit der Konkurrenz und den AirPods Pro 3 mithalten kann, bleibt der größte Schwachpunkt.

Beim ersten Hinsehen wirken die Apple AirPods 5 eher wie eine konsequente Evolution als wie ein großer Sprung: Formfaktor und offenes Tragekonzept entsprechen weitgehend dem, was Nutzer von AirPods 4 kennen. Genau darin liegt aber die eigentliche Nachricht. Der Einsteigerpreis von 129 US-Dollar wird nicht mehr nur für „open earbuds“-Komfort aufgerufen, sondern kombiniert dieses Prinzip erstmals mit aktiver Geräuschunterdrückung (ANC). Parallel dazu rückt das teurere Step-up-Modell preislich enger an den Wettbewerb heran und kostet 149 US-Dollar statt 179 US-Dollar, obwohl es zusätzlich ein Lade-Case mit Wireless Charging bietet.
Technisch interessant ist dabei weniger der äußere Look, sondern die Frage, wie ANC in einem offenen Design überhaupt realistisch funktioniert. Offene In-Ear-Konzepte lassen üblicherweise viel Umgebungslärm durch, weil kein Silikon-Aufsatz den Gehörgang abdichtet. Die AirPods 5 adressieren das laut Hersteller mit einem Upgrade beim Noise Cancellation, das sich im Test vor allem in mittleren und höheren Frequenzen bemerkbar macht. Auf dem Papier klingt „50% mehr Effektivität“ zunächst nach Marketing; im Praxistest auf einer langen Flugstrecke, in New York und in der U-Bahn ist der Effekt aber deutlich genug, dass Musik hörbar besser gegen Umgebungssound abgrenzt, ohne dass man das Gefühl hat, die Kernidee offener Kopfhörer aufzugeben.
Das passt zum Produkt-Portfolio, das Apple seit Jahren sauber trennt: AirPods Pro 3 bleiben wegen ihres versiegelnden Designs die Referenz für maximale Unterdrückung; die AirPods 5 sollen dagegen die Nutzer bedienen, die bewusst keine Silikonspitzen wollen. Genau deshalb wird die Transparenzfunktion besonders relevant. Auch offene Modelle decken den Gehörgang partiell ab, wodurch Transparenz den Alltag akustisch „glatter“ macht: Sobald man spricht, senkt Conversation Awareness automatisch die Musiklautstärke und schaltet von Noise Canceling auf Transparenz. Zusätzlich laufen Always-on Siri und spezielle Gesten-Interaktionen über die H2-Plattform, die im gesamten Line-up eingesetzt wird; ein angekündigter Wechsel auf eine nächste Chip-Generation (H3) bleibt in diesem Produktzyklus offenbar aus.
Bei der Alltagstauglichkeit spielen zwei weitere Punkte hinein: Passform und Robustheit. Das offenes Design ohne Silikon eartips sorgt für ein spürbar anderes Tragegefühl als bei Pro-Modellen; gleichzeitig ist die Passform nicht universell, wie der Test klar macht. Wer bei AirPods 3 und AirPods 4 Probleme hatte, könnte bei den AirPods 5 wieder besser zurechtkommen, muss aber dennoch damit rechnen, dass nicht jede Ohrgeometrie optimal abdichtet. Für mehr Gelassenheit sorgt hingegen die Verbesserung der Wasserfestigkeit: Sowohl die Ohrhörer als auch das Case werden von IP54 auf IP57 angehoben, was laut Beschreibung kurze Wasser-Immersionen abfedern soll. Ganz praktisch: Das Step-up-Case integriert zudem einen kleinen Lautsprecher, damit „Find My“ nicht nur auf Entfernung funktioniert, sondern auch beim Wiederfinden in der Wohnung akustisch hilft.
Auch wenn das ANC das Schaufenster-Thema ist, entscheidet im Alltag die Balance aus Klang, Akkulaufzeit und Bedienung. Die AirPods 5 nehmen sich bei der Audiotechnik Elemente aus der AirPods-Pro-3-Ära vor und verbessern dadurch Bassperformance und Klarheit; die Unterschiede werden nicht als „gigantisch“ beschrieben, aber als hörbar feinere Abstimmung. Im Vergleich zu isolierenden Kopfhörern bleibt der offene Sound natürlich „airy“ und breit, auch wenn räumliches Hören durch Spatial Audio mit Head Tracking unterstützt wird. Dazu kommt ein Drei-Band-Equalizer in den Einstellungen unter iOS 27, der den Feinschliff für Nutzer liefert, die ohne tiefere Audioprofiler dennoch variieren wollen.
Bei Calls liefern die AirPods 5 ebenfalls ein starkes Bild. Laut Testergebnis hören Gesprächspartner kaum Hintergrundgeräusche, die eigene Stimme wirkt klar; Windgeräusche werden zwar wahrgenommen, aber als vergleichsweise schwach beschrieben. In lauten Umgebungen wird jedoch trotzdem die Grenze sichtbar: Wer besonders zuverlässige Sprachverständlichkeit in starkem Umgebungsrauschen braucht, greift voraussichtlich weiterhin eher zu den Pro-Modellen, weil deren versiegeltes Design die akustische Isolation verbessert. Noch ein Knackpunkt ist die Akkulaufzeit: Die Step-up-Variante wird mit bis zu fünf Stunden bei aktivem Noise Canceling und bis zu sieben Stunden ohne ANC angegeben, das Einstiegsmodell bleibt bei bis zu vier bzw. sechs Stunden. Das ist im Vergleich zu AirPods Pro 3 und vielen Wettbewerbern weniger komfortabel, lässt sich aber plausibel mit dem Energiebedarf von ANC und sauberem Audiobetrieb erklären; die Schnelllade-Funktion entschärft das Problem immerhin teilweise, weil fünf Minuten im Case laut Test etwa eine Stunde Betrieb ermöglichen.
Am Ende läuft der Kaufanreiz auf zwei Hebel hinaus: Preis und Lücke im eigenen Portfolio. Dass das Einstiegsmodell jetzt ANC bietet, schließt genau die bisherige Lücke für Nutzer, die mit offenen Earbuds leben wollen, aber in der Praxis bei Flug, Bahn oder Straßengeräusch mehr Abschirmung wünschen. Gleichzeitig wirkt der reduzierte Preis beim Step-up-Modell wie eine gezielte Korrektur gegenüber dem früheren Einstieg in die Pro-Welt, denn 149 US-Dollar liegen näher an der Schwelle, ab der „Wireless Charging Case“ für viele Nutzer wirklich attraktiv wird. Wenn bei der eigenen Passform alles passt, könnten die AirPods 5 für manche Apple-Anwender sogar zur realistischen Alternative zu den Pro-Modellen werden; sobald Stabilität der Abdichtung und maximale Geräuschunterdrückung im Vordergrund stehen, bleibt allerdings AirPods Pro 3 die bessere Wahl.
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