LOS ANGELES / LONDON (IT BOLTWISE) – Starbucks will nach eigenen Angaben 250 Filialen in Nordamerika schließen, was rund 1% der mehr als 18.000 Standorte entspricht. Während der Konzern die Maßnahme mit fehlenden Chancen auf das gewünschte Kundenerlebnis und die erwartete finanzielle Entwicklung begründet, kursiert unter Fans eine Liste mutmaßlich betroffener Läden in Südkalifornien. In der Starbucks-App sind die betroffenen Filialen offenbar bereits nicht mehr regulär gelistet. Mehrere der lokalen Standorte werden bei Drittanbietern als dauerhaft geschlossen geführt, Starbucks selbst bestätigt die konkreten Adressen aber noch nicht.

Starbucks reduziert sein Filialnetz in Nordamerika deutlich: Der Kaffeehändler kündigte an, 250 Standorte zu schließen. Das entspricht laut Unternehmensangaben etwa 1% der mehr als 18.000 Filialen in der Region. Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Zahl, sondern auch die Begründungslogik: Starbucks ordnet die Schließungen den Läden zu, in denen man keine nachhaltige Entwicklung hin zu dem erwarteten Kundenerlebnis und den langfristigen finanziellen Zielen sieht. Für Mitarbeitende in den betroffenen Häusern nennt das Unternehmen Unterstützungsmaßnahmen, etwa Transfer-Möglichkeiten und im Fall ohne Wechsel eine Abfindungsleistung.
Die Nachricht trifft auf eine Branche, in der das Tempo des Wettbewerbs spürbar zugenommen hat. Starbucks verweist darauf, dass die Konkurrenz im Kaffeemarkt gewachsen ist und die Verkäufe langsamer geworden seien. Gleichzeitig zeigt der letzte Quartalsausblick, dass die Gesamtstory nicht rein negativ ist: Im Rahmen des fiscal third quarter lagen die globalen vergleichbaren Verkäufe bei plus 7,9%, in Nordamerika sogar bei plus 8,1%. Genau diese Kombination erklärt, warum sich der Fokus verschiebt. Der Konzern versucht offenbar, nicht den gesamten Markt „abzukühlen“, sondern Ausreißer und Underperformer aus dem Portfolio herauszuschneiden, während die profitableren Regionen weiter wachsen sollen.
Seit dem Amtsantritt des neuen CEO Brian Niccol verfolgt Starbucks laut den vorliegenden Informationen einen Turnaround-Plan, der die Läden für Kundinnen und Kunden attraktiver machen soll. Innerhalb dieser Strategie wirkt die Filialkürzung wie ein operatives Korrektiv: In einem Schreiben des Chief Operating Officers Mike Grams, das auf der Unternehmenswebsite veröffentlicht wurde, werden die Schließungen an Kriterien gekoppelt, die über kurzfristige Kennzahlen hinausgehen sollen. Konkret geht es um Standorte, bei denen Starbucks langfristig keinen Weg sieht, die gewünschte Customer-Experience-Qualität zu liefern und die finanziellen Erwartungen zu erfüllen. So wird die Restrukturierung zu einem Teil des „Store Optimization“-Ansatzes: Nicht alles wird angefasst, aber dort, wo die Rendite- und Erlebnislogik nicht aufgeht, zieht man die Konsequenz.
Für die lokalen Auswirkungen in Südkalifornien sorgt außerdem eine zweite Informationsschicht: Da Starbucks die Adressen der geschlossenen Standorte zunächst nicht öffentlich listet, sammeln Fans Hinweise aus öffentlich sichtbaren Signalen. Eine bekannte Person aus der Community, die online als Winter auftritt, hat offenbar auf Basis von Standorten, die in der kommenden Woche in der Unternehmens-App als geschlossen angezeigt wurden, eine Liste möglicher Filialen erstellt. Die lokale Berichterstattung bestätigt anschließend, dass die fraglichen Läden in der Starbucks-App nicht mehr regulär auftauchen und entweder bei einer Kartendienst-Ansicht als „permanently closed“ markiert sind oder telefonisch nicht erreichbar waren. Wichtig ist dabei: Starbucks äußerte sich auf eine Anfrage zur Bestätigung der konkreten Schließungen nicht, die Zuordnung bleibt damit zumindest teilweise vorläufig.
In der genannten Liste finden sich 36 Standorte in Südkalifornien, verteilt über mehrere Städte und Viertel. Dazu zählen unter anderem mehrere Adressen in Los Angeles – etwa in der Nähe von Beverly Glen Circle, Wilshire Blvd, N. Broadway, S. Olive St oder Center Drive – sowie Läden in Burbank, Calabasas, Chatsworth, Cypress, Encinitas, Laguna Woods und Santa Monica. Auch Standorte in San Diego, Santa Ana, Tustin, Upland, Walnut, Westlake Village, Temecula, Pasadena, Azusa, North Hollywood und anderen Regionen werden genannt. Für die betriebliche Realität bedeutet das: Selbst wenn die Gesamtstrategie sich global mit „Turnaround“ und Portfoliobereinigung erklärt, treffen die Entscheidungen im Alltag auf sehr konkrete, häufig stark nachgefragte Nachbarschaften – und nicht nur auf „sterile“ Gewerbezonen.
Aus Sicht der Technologie und Betriebssteuerung ist interessant, wie stark moderne Retail-Optimierung an Daten, Workflows und digitalen Touchpoints hängt. Die Tatsache, dass Hinweise aus der App-Liste ableitbar sind, zeigt, dass Filialstatus in digitalen Systemen kurzfristig aktualisiert werden und dass der Konzern interne Entscheidungen schnell bis in die Kundensicht „durchreicht“. In solchen Prozessen spielen typischerweise Standortdaten, Ticketgröße, Verweildauer, Liefer- und Personalsituation sowie historische Performance eine Rolle. Auch wenn die Quelle keine konkreten Modelle oder Parameter offenlegt, ist das Muster klar: Wenn ein Unternehmen in kurzer Zeit hunderte Standorte in Nordamerika und Europa geschlossen hat und parallel die vergleichbaren Umsätze in bestimmten Segmenten steigen, dann liegt nahe, dass Controlling und Standortbewertung zunehmend stärker automatisiert und mit klaren Schwellenwerten arbeiten.
Für Mitarbeitende und Kundschaft ist die nächste Frage weniger „warum“ als „wie schnell“ und „wie transparent“. Starbucks kündigt zwar Unterstützung an, aber ohne die Veröffentlichung einer vollständigen Liste bleiben Unsicherheit und indirekte Spekulationen – wie die Community-Spreadsheet zeigt. Gleichzeitig signalisiert die Kombination aus stabilen vergleichbaren Verkäufen und laufenden Standortschließungen, dass der Konzern nicht einfach schrumpft, sondern aktiv priorisiert. Unternehmen mit ähnlichen Filialstrukturen können daraus zwei Lehren ziehen: Erstens wird die Reduktion von Underperformern oft Teil eines breiteren Experience- und Betriebsprogramms. Zweitens entscheidet die Qualität der Datenflüsse in Apps, im Servicebetrieb und in internen Portfolios darüber, wie gut sich Entscheidungen operativ umsetzen und kommunikativ absichern lassen.
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