WIEN-ST. MARX / LONDON (IT BOLTWISE) – Convelly startet mit einer KI-Plattform, die Kundenkommunikation, Vertrieb und Terminbuchung in einer Anwendung bündelt. Das Wiener Startup sammelt Nachrichten mehrerer Kanäle in einem gemeinsamen Posteingang und lässt die KI Anfragen beantworten sowie freie Termine vorschlagen. Für den Betrieb stehen dabei offene Sprachmodelle bereit, die auf Servern in Deutschland gehostet werden. Laut Anbieter bleibt die Kontrolle über Inhalte und Verhalten beim jeweiligen Unternehmen.

Wenn Kundinnen und Kunden heute eine Dienstleistung anfragen, passiert das selten über genau einen Kanal. E-Mail, Chat, soziale Plattformen oder Online-Formulare wirken zusammen wie ein „Zulauf“ ohne einheitliche Antwortlogik. Genau an dieser Lücke setzt Convelly an: Das aus Wien stammende Startup stellt eine Plattform bereit, die eingehende Kundenanfragen in einem gemeinsamen Posteingang für das ganze Team zusammenführt und die Kommunikation zugleich durch KI-gestützte Assistenz automatisiert oder zumindest beschleunigt.
Das Produkt richtet sich laut Angaben explizit an kleine und mittlere Dienstleistungsbetriebe, also an Teams, die zwar Vertrieb und Terminlogik brauchen, aber keine eigene Software-Landschaft aus Dutzenden Einzelsystemen betreiben wollen. Im Kern sitzt ein KI-Assistent, der Antworten auf Kundenanfragen formulieren, freie Termine vorschlagen, Buchungen eintragen und bei Bedarf nachfassen kann. Entscheidend ist dabei die Datenbasis: Der Assistent greift auf Informationen zu, die der Betrieb freigibt, etwa Leistungen, Preise, Öffnungszeiten und verfügbare Termine. Mitarbeiter: innen behalten die Kontrolle, weil sie die Unterhaltung jederzeit übernehmen können und der Assistenzfluss in der Anwendung nachvollziehbar bleibt.
Parallel zur Kommunikation ergänzt Convelly Bausteine, die in klassischen Setups oft getrennt laufen: Kundenverwaltung, Vertriebs-Pipelines und ein Buchungskalender mit eigener Buchungsseite. Dazu kommen Erinnerungen sowie Videotermine, damit Terminabstimmung nicht erst beginnt, wenn die eigentliche Terminvereinbarung schon „vergessen“ wurde. Damit verschiebt sich das System von einem reinen Messaging-Tool hin zu einer operativen Arbeitsoberfläche, in der sich Kommunikation und Prozessschritte wie die Terminfindung in einem Ablauf abbilden lassen. Für den Vertrieb bedeutet das vor allem weniger Medienbrüche zwischen Anfrage, Qualifizierung und Terminplanung.
Besonders auffällig ist zudem der interne Assistent namens Elly: Das Team beschreibt eine Aufgabe in der Anwendung, zum Beispiel das Anlegen einer neuen Leistung oder den Aufbau einer Automatisierung, und die KI führt die Schritte aus. Convelly schreibt dabei, dass Elly alles erledigen kann, was sonst per Klick möglich wäre, während die Schritte dokumentiert werden. Technisch betrachtet entspricht das dem Muster „Human-in-the-loop“ auf einer zweiten Ebene: Nicht nur Antworten werden vorgeschlagen, sondern auch Konfigurationen und Workflows lassen sich über einen sprachbasierten Layer anstoßen. Für Unternehmen kann das den Aufwand senken, den normalerweise wiederkehrende Administration verursacht, etwa wenn sich Angebote, Öffnungszeiten oder Prozessregeln ändern.
Auf die Frage nach der Datenhaltung setzt Convelly auf ein europäisches Argument, und zwar mit einem konkreten Betriebskonzept: Für die Kundenkommunikation verwendet das Startup nach eigenen Angaben offene Sprachmodelle, die auf Servern in Deutschland laufen. Dabei entscheiden Betriebe selbst, welche Informationen die KI nutzen darf, wie der Assistent auftritt und wann ein Teammitglied übernimmt. In der Kommunikation wird das auch als Kontrollversprechen formuliert: „Unsere KI-Plattform arbeitet mit offenen Modellen, die in der EU gehostet werden. Die Daten bleiben damit in Europa, und die Kontrolle bleibt beim Betrieb“, sagt Bassem Mahdi, Gründer und CTO von Convelly. Ein weiteres Detail aus der Produktbeschreibung: Der Assistent lässt sich jederzeit abschalten, was gerade in frühen Rollouts für Betriebsteams relevant ist, wenn sie erst noch Vertrauen in die Antwortqualität aufbauen.
Der Weg in den Markt dürfte dennoch anspruchsvoll bleiben. Im Segment Kundenkommunikation und Vertrieb für kleinere Betriebe sind große Anbieter bereits aktiv und bauen KI-Agenten in ihre bestehenden Produkte ein, etwa in Richtung Service-Workflows und Ticket- oder Messaging-Nähe. Daneben existieren spezialisierte Messaging-Plattformen wie das Berliner Startup Superchat, ebenso zahlreiche Buchungstools für Dienstleister: innen. Convelly grenzt sich in der eigenen Positionierung vor allem über zwei Punkte ab: den Fokus auf offene Modelle und das Hosting-Konzept in Deutschland, also eine kontrollierbare Infrastrukturkomponente statt eines „Black-Box“-Ansatzes. Ob dieser Schwerpunkt im Alltag überzeugt, hängt dann stark davon ab, wie gut der KI-Assistent an das jeweilige Leistungs- und Terminmodell des Betriebs adaptiert wird.
Beim Blick auf die Umsetzung fällt auch der organisatorische Ursprung auf: Das Team kommt aus dem Umfeld der 42 Vienna, einer Programmierschule, in der Lernende ohne klassischen Unterricht in Projekten arbeiten, sowie aus der FH Wien der WKW. Seit Juli arbeitet Convelly im AI: AT Coworking Hub der AI Factory Austria im SOLARIS in Wien-St. Marx, wo Startups, Unternehmen und Forschungsgruppen Zugang zu Rechenleistung, Expertise und Kooperationen erhalten. Für Entscheider: innen ist das weniger ein „Werdegang“-Detail als ein Hinweis darauf, wie stark die Entwicklung auf KI-Infrastruktur und den praktischen Transfer ausgerichtet sein kann. Mit einer Web-Anwendung sowie Apps für iPhone und Android bietet Convelly zudem einen schnellen Einstieg, während die Preisinformationen und Details zur Finanzierung vorerst offen bleiben. Am Ende wird es sich im Wettbewerb vor allem daran entscheiden, wie reibungslos der KI-gestützte Posteingang im Tagesgeschäft funktioniert und wie gut sich Antworten, Terminvorschläge und Automatisierungen im eigenen Betrieb steuern lassen.
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