MAYKOP / LONDON (IT BOLTWISE) – Arutyun Kiviryan wurde für die NASA-„SpaceX Crew-14“-Mission zur Internationalen Raumstation ISS eingeplant. Der Flug ist für keinen frühen Termin vor dem Frühjahr 2027 angesetzt und soll eine langfristige Forschungs- und Technologieexpedition starten. Nach der Kopplung stößt die Crew zu Expedition 75/76, wo Experimente und Demonstrationen für künftige Mond- und Mars-Missionen laufen sollen. Damit rückt Kiviryan in die Nähe, als zweiter Armenier überhaupt ins All zu fliegen.

Die Raumfahrt bekommt mit Arutyun Kiviryan eine weitere neue Besetzung, die auch auf kultureller Ebene Signalwirkung hat: Er wurde für die NASA-„SpaceX Crew-14“-Mission zur Internationalen Raumstation ISS zugeteilt. Der Flug soll nicht vor dem Frühjahr 2027 starten, weil es sich um eine Langzeit-Expedition handelt, die auf mehrere Tage bis Wochen im Orbit ausgelegt ist. Auf der Mission übernimmt Kayla Barron die Rolle der Kommandantin, Chris Birch fungiert als Pilot; als weitere Missionsspezialisten kommen Makoto Suwa von der japanischen Raumfahrtagentur JAXA und Kiviryan von Roscosmos hinzu. Nach dem Andocken stößt die Crew an Expedition 75/76 an, wodurch sich die Operationslogik nahtlos in den laufenden ISS-Betrieb einbettet.
Technisch betrachtet reiht sich Crew-14 in die kommerzielle Besatzungsrotation ein, die SpaceX im Rahmen von NASAs „Low Earth Orbit“-Programm abwickelt. Für Unternehmen und Forschungsteams ist vor allem relevant, dass solche Missionen nicht nur dem Transport dienen, sondern auch als Plattform für konkrete Experimente und Technologie-Demonstratoren genutzt werden. Der Ursprung der Idee liegt dabei in dem wiederholbaren „Flug + Daten“-Zyklus: Statt einmaliger Tests sollen Systeme in mehreren Raumflugphasen unter realen Bedingungen erprobt werden, um Aussagen über Leistungsfähigkeit, Wartbarkeit und Betriebsstabilität zu verbessern. Das gilt besonders für Technologien, die später bei Mond- und Marsmissionen eingesetzt werden sollen, weil dort die Anforderungen an Autonomie, Zuverlässigkeit und Ressourcenmanagement typischerweise deutlich höher ausfallen als im nahen Erdorbit.
Für Kiviryan ist die Zuteilung zudem eine Zäsur in seiner Laufbahn. Er wurde am 23. August 1993 in Maykop in der russischen Republik Adygea geboren und stammt aus einer Hamshen-Armenierfamilie. Die Hamshen, so wird in der Biografie beschrieben, sind Armenier von der Schwarzmeerküste nahe Trabzon, die im Zuge der Verfolgungen durch das Osmanische Reich zerstreut wurden und sich später entlang der russischen Küste ansiedelten. Diese persönliche Herkunft spielt in der Darstellung ausdrücklich mit hinein, weil sie den Bogen von diasporischer Geschichte zu moderner Raumfahrt spannt. Dass sein Vater als Imker arbeitet, ergänzt das Bild einer eher bodenständigen Familiengeschichte, bevor später militärische Ausbildung, Ingenieurstudium und testorientierte Raumfahrtstationen folgen.
Sein beruflicher Weg ist in der technischen Systemwelt der Raumfahrt verankert: 2010 absolvierte er die Saint Petersburg Suvorov Military School, 2015 schloss er an der Baltic State Technical University ein Ingenieurstudium ab – mit Spezialisierung auf Raketenwissenschaft. Anschließend arbeitete er als Testingenieur bei RKK Energia, dem Unternehmen, das mit Sergei Korolev in Verbindung gebracht wird und in der russischen Raumfahrttradition eine zentrale Rolle spielt. Genau diese Mischung aus Ingenieurprofil und Testfokus ist für die Kosmonautenausbildung charakteristisch, weil die spätere Tätigkeit nicht nur Koordination im Orbit bedeutet, sondern auch Verständnis für Testkaskaden, Systemgrenzen und Fehlerbilder. 2021 wurde er zudem von Roscosmos für den Gagarin Research and Test Cosmonaut Training Center Corps ausgewählt; laut Biografie gilt er dabei als erster Armenier, der in dieses Kosmonautenkorps aufgenommen wurde.
Die konkrete Trainingsstationierung begann mit einer zweijährigen allgemeinen Raumfahrtvorbereitung, die er nach Angaben in der Quelle im Juni 2023 mit einer staatlichen Prüfung abschloss. Seitdem ist er als Testkosmonaut im Einsatz. Inhaltlich ist auch die Zuordnung zur Crew-13-Konfiguration ein wichtiger Kontextpunkt: Zunächst war Kiviryan der Backup-Crew für Crew-13 zugeteilt, bevor die Mission später auf Kiviryan als Prime Crew umgeschwenkt wurde. Gleichzeitig zeigt der Hinweis auf einen vorangegangenen Terminverschub, dass solche Besetzungspläne in der Praxis eng an technischen Integrationsrisiken gekoppelt sind: Crew-13 sollte demnach ursprünglich früher starten, wurde aber nach dem Auffinden eines Oxidator-Lecks im Antriebssystem der Dragon-Raumfähre auf einen Zeitraum im frühen Oktober verlegt.
Dass Kiviryan damit sehr wahrscheinlich den zweiten armenischen Raumflug nach sich zieht, wird auch historisch eingeordnet. Als erster Armenier im All wird James Bagian genannt, ein armenisch-amerikanischer Arzt und Ingenieur, geboren 1952 in Philadelphia. NASA hatte Bagian 1980 ausgewählt; er flog 1989 an Bord von Discovery auf STS-29 und erneut 1991 auf STS-40, wobei insgesamt 337 Stunden im Weltraum dokumentiert werden. In der Quelle wird Bagian als bislang einziger Armenier beschrieben, der geflogen ist – Kiviryan würde diese Liste damit voraussichtlich erweitern. Persönlich verknüpft Kiviryan diese Perspektive mit klaren Symbolen: Er habe Armenia zweimal besucht und auf beiden Reisen Blumen am Tsitsernakaberd Armenian Genocide Memorial niedergelegt.
Für die Bewertung der Mission in der Gegenwart ist schließlich die Motivationsebene interessant, weil sie zeigt, wie stark Raumfahrt in vielen Kulturen auch als Zukunftserzählung funktioniert. Auf eine Frage im Jahr 2024, was er am meisten wünsche, habe Kiviryan geantwortet, dass das Erreichen des Mondes sich ähnlich anfühle wie das „Erobern“ des biblisch aufgeladenen Ararat. Entscheidend für den professionellen Blick bleibt aber die technologische Linie: Crew-14 soll Untersuchungen und Technologie-Demonstrationen durchführen, die ausdrücklich auf spätere Mond- und Marsvorhaben einzahlen. In der Praxis heißt das für Teams am Boden und an Bord, dass jede Mission wie ein Trainingslauf für spätere Architekturentscheidungen wirkt – von Experimentbedingungen bis zur Stabilität von Verfahren unter Echtbetriebsstress. Mit Kiviryan bekommt diese Kette zudem eine Biografie, die Ingenieurwesen, Testpraxis und internationale Zusammenarbeit in einem konkreten Besatzungsprofil bündelt.
Auch wenn der Start erst im Frühjahr 2027 erwartet wird, lohnt sich die Vorbereitung schon jetzt: Für Forschungseinrichtungen, Industriepartner und Softwareteams ist die frühe Planung von Datenformaten, Experimentprozeduren und Schnittstellen zur ISS-Pipeline entscheidend. Die ISS ist ein Ort mit begrenzten Ressourcen und strikten Zeitfenstern; wer Experimente einbringt, muss sie zuverlässig in die Taktung der Raumstationsabläufe integrieren. Damit wird Crew-14 nicht nur ein weiterer Flug, sondern eine nachweisbare Etappe im langfristigen Programm hin zu belastbaren Erkenntnissen für die nächste Stufe der bemannten Raumfahrt.
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