LONDON (IT BOLTWISE) – Eine randomisierte Studie mit 46 Frauen zeigt, dass Fischöl bei Endometriose-Schmerzen messbar wirken kann. Unter einer Dosierung von 0,5 ml pro Kilogramm Körpergewicht sank der VAS-Schmerzindex von 5,0 auf 4,3. Gleichzeitig stieg der entzündungshemmende Botenstoff IL-10 von 32,5 auf 265 pg/ml an. Auffällig bleibt jedoch: Der Calprotectin-Wert verändert sich nicht, und es werden weitere Untersuchungen gefordert.

Endometriose: Fischöl kann Schmerzen senken – aber Calprotectin bleibt stabil
Endometriose: Fischöl kann Schmerzen senken – aber Calprotectin bleibt stabil (Foto: IT BOLTWISE)
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Endometriose wird in der Schweiz auf etwa jede zehnte Frau geschätzt und bleibt für viele Betroffene trotzdem lange Zeit diagnostisch „unterwegs“. Berichtete Daten zeigen, dass fast jede zweite Person zunächst fälschlicherweise mit Reizdarm eingeordnet wird. Für die Praxis ist das mehr als ein formaler Haken: Wer die Ursache nicht trifft, behandelt Symptome oft mit erheblicher Belastung über Monate oder Jahre hinweg – etwa mit starken Unterleibsschmerzen, Verdauungsproblemen und anhaltender Müdigkeit. Vor diesem Hintergrund rückt die Frage in den Vordergrund, wie sich chronische Entzündungsprozesse über den Alltag beeinflussen lassen, ohne dass Betroffene auf einer einzigen Stellschraube aufbauen müssen.

Eine Rolle spielt dabei die entzündungshemmende Ausrichtung der Ernährung. In diesem Zusammenhang wird eine mediterrane Prägung als besonders relevant beschrieben: Sie ist keine Garantie für Heilung, soll aber die Symptomlast deutlich senken. Konkreter werden häufig zwei Obst- und drei Gemüseportionen pro Tag genannt, dazu Vollkornprodukte, hochwertige Öle wie Raps- oder Leinöl und eine spürbare Reduktion von Zucker. Ergänzend wird auf Mikronährstoffe verwiesen, darunter Eisen, Magnesium, Zink, Selen sowie die Vitamine A, D, E und verschiedene B-Vitamine. Zusätzlich steht Omega-3-Fettsäure im Fokus, die unter anderem in Fisch, Leinsamen und Walnüssen enthalten ist.

Am greifbarsten wird die Diskussion durch klinische Daten zu Omega-3. Ergebnisse aus einer randomisiert-kontrollierten Studie über zwölf Wochen wurden unter anderem in der Fachzeitschrift Nutrients beschrieben. Dort erhielten 46 Frauen zusätzlich zu einer gesunden Ernährung Fischöl in einer Dosierung von 0,5 ml pro Kilogramm Körpergewicht. Während der Studienzeit stieg der entzündungshemmende Botenstoff IL-10 signifikant von 32,5 auf 265 pg/ml an. Parallel sank das Schmerzempfinden auf der Visual Analog Scale (VAS) in der Fischölgruppe von 5,0 auf 4,3. Besonders häufig wurde eine spürbare Schmerzverbesserung berichtet: Rund 73,9 Prozent der Teilnehmerinnen verbesserten ihren VAS-Wert um mindestens einen Punkt, während dies in der Kontrollgruppe nur bei 34,8 Prozent der Fall war. Gleichzeitig gilt aber: Nicht jeder Entzündungsmarker reagiert gleich, denn der Calprotectin-Wert blieb unverändert.

Genau an dieser Stelle wird die Einordnung wichtig, weil Endometriose als systemnahes, chronisches Geschehen offenbar mehrschichtig getaktet ist. Die Studienautoren weisen zudem auf eine Heterogenität der Resultate hin und fordern größere, weiterführende Untersuchungen. Für die Ernährungsseite heißt das: Fischöl kann ein Baustein sein, aber es ersetzt weder Diagnostik noch die multimodale Therapie, die in Leitlinien für Endometriose vorgesehen ist. Als zusätzlicher Kontext werden in der Gesamtbetrachtung auch Zusammenhänge zwischen bestimmten Lebensmitteln und dem Erkrankungsrisiko diskutiert, etwa wenn ein hoher Transfettkonsum in einer Untersuchung von Missmer et al. (2010) mit einem um 48 Prozent höheren Risiko verbunden war. Für andere Lebensmittel werden wiederum Risikoaspekte genannt, etwa der Verzehr von Zitrusfrüchten (Harris et al., 2018) oder Milchprodukte (Studienlage um 2013), während für Gluten kein statistischer Zusammenhang berichtet wird (Schwartz et al., 2022). Auch bei Fischöl wird differenziert: Eine Untersuchung aus 2020 ergab für Kapseln im Gegensatz zur flüssigen Gabe keinen Schmerzvorteil gegenüber Placebo.

Nicht minder relevant ist der metabolische Kontext, weil Entzündung und Stoffwechsel sich wechselseitig beeinflussen können. In den berichteten Fachzusammenhängen wird betont, dass Endometriose insgesamt 10 bis 15 Prozent der Frauen im reproduktiven Alter betrifft und dass Insulinresistenz bei einem Teil der Betroffenen ebenfalls vorkommt – teils bis zu jede dritte Frau mit hormonellen Beschwerden. Als praktikabler Ansatz wird eine antientzündliche Ernährung mit moderater glykämischer Last beschrieben: Mahlzeiten sollen zur Hälfte aus Gemüse und Obst bestehen, ergänzt durch Proteine, komplexe Kohlenhydrate und gesunde Fette. Zusätzlich wird ein moderater Gewichtsverlust von 5 bis 10 Prozent genannt, der die Insulinsensitivität spürbar verbessern kann. Damit verschiebt sich der Fokus von „nur“ Schmerzreduktion hin zu einem längerfristigen Management von Risikofaktoren.

Auch bei alternativen Ansätzen lohnt sich die Trennung zwischen Interesse und Evidenz. Bei Cannabidiol (CBD) wird die Datenlage als derzeit nicht ausreichend beschrieben, sodass keine doppelblinde klinische Studie die Wirksamkeit von isoliertem CBD gegen Endometriose-Schmerzen belegt. Zwar wird eine Phase-3-Studie an der Universität São Paulo erwähnt, die ein Präparat mit 98 Prozent CBD und 2 Prozent THC in Dosierungen von 10 bis 150 mg pro Tag erfasst, allerdings stehen Ergebnisse noch aus; andere Untersuchungen wurden vorzeitig abgebrochen. Die ESHRE-Leitlinie von 2022 empfiehlt weiterhin einen multimodalen Ansatz aus Analgetika, Hormonen und operativen Eingriffen, ohne CBD als validierte Option zu führen. Gleichzeitig wird auf mögliche Wechselwirkungen von CBD mit Hormonpräparaten und Antikoagulanzien hingewiesen. Neben der wissenschaftlichen Perspektive wird auch aus der Selbsthilfe betont, wie komplex die Auswirkungen der Ernährung sein können und dass Betroffene sich gezielt über gesicherte Erkenntnisse informieren sollten.


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