TOKIO / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Aktienmärkte in Ostasien sind am Mittwoch überwiegend gestiegen, angeführt von einem deutlichen Plus in Tokio. Der Brent-Ölpreis fiel auf rund 103,24 US-Dollar und gab damit der Stimmung Rückenwind. Gleichzeitig verbesserten sich in mehreren Regionen die Einkaufsmanagerdaten, während Anleger auf wichtige US-Inflationszahlen zur weiteren Zinssteuerung warteten. Besonders auffällig war die feste Marktstimmung bei Technologie- und Bankwerten, während der Yen etwas nachgab.

In Ostasien setzte sich am Mittwoch eine grundsätzlich konstruktive Tendenz durch: Nahezu alle großen Indizes im Tagesverlauf fanden Käufer, auch wenn das Bild regional unterschiedlich ausfiel. Stützende Wirkung kam dabei von der Energiekomponente, weil der Ölpreis spürbar nachgab. Brent notierte zuletzt bei 103,24 US-Dollar und lag damit fast 4 US-Dollar unter dem Niveau zur gleichen Zeit am Vortag. Genau diese Entspannung am Rohstoffmarkt wirkt oft wie ein Signal an die Kapitalmärkte, dass sich Inflationsdruck und Produktionskosten zumindest kurzfristig weniger stark aufschaukeln.
Tokio stach besonders heraus: Der Topix gewann um 1,7 Prozent und machte das vorherige Tagesminus direkt wieder wett. Auf der Makroseite lieferten die Wirtschaftsdaten zwar Hinweise, dass die Konjunkturerwartungen nicht überall stabiler werden, denn in Japan schwächten sich im August die Industrieproduktion sowie der Zuwachs beim Einzelhandelsumsatz ab. Gleichzeitig fiel aber ein Detail auf, das für Anleger wichtig ist: Der Yen gab nach, was für Japans exportorientierte Unternehmen häufig Rückenwind liefert, weil Einnahmen in Fremdwährungen bei Umrechnung in Yen weniger stark „wegkorrigiert“ werden. Der Dollar wurde zuletzt mit 156,87 Yen gehandelt, nach rund 157,30 Yen am Vortag zur gleichen Zeit.
Während Tokio damit vor allem von Währungs- und Zinsnarrativen sowie einer insgesamt positiven Risiko-Stimmung profitierte, zeigte sich auch in anderen Handelsplätzen ein differenziertes Bild. Der Kospi in Seoul verlor 0,5 Prozent, während der Hang-Seng in Hongkong im Späthandel knapp im Plus lag. In Shanghai schloss der Composite-Index hingegen 0,3 Prozent höher. Der gemeinsame Nenner für einen Teil des Aufwärtsschubs waren neue Einkaufsmanagerdaten, die in mehreren Segmenten auf eine Verbesserung der konjunkturellen Lage hindeuteten: Sowohl die offiziellen als auch die privaten Indikatoren für Industrie, Dienstleistungen und Baugewerbe zogen im September an. Besonders relevant für das Stimmungsbild war, dass der offizielle Einkaufsmanagerindex für die Industrie wieder auf den Wachstumspfad zurückkehrte und damit eine zweimonatige Schrumpfphase beendete.
In Sydney verlief die Kursreaktion auf den ersten Blick gegen den Strich: Der S&P/ASX 200 legte um 0,9 Prozent zu, obwohl die Verbraucherpreise im August kräftig gestiegen waren – auf eine Jahresrate von 4,0 Prozent. Ökonomen hätten laut Berichten sogar einen noch stärkeren Anstieg befürchtet, und genau dieser „weniger schlechte“ Ausgangspunkt spielte an der Börse eine Rolle. Zugleich unterstreicht die Teuerungsrate den geldpolitischen Hintergrund: Der Markt verwertet damit weiter die Entscheidung der Reserve Bank of Australia, die Zinsen auf ein 15-Jahreshoch anzuheben und weitere Zinsschritte in den Raum zu stellen. Für viele globale Investoren hängt in solchen Phasen die Bewertung von Aktien stark davon ab, wie sich der Pfad der Realzinsen verschiebt.
Der Blick der Anleger richtete sich deshalb auch auf ein konkret datengetriebenes Ereignis: Im Tagesverlauf standen wichtige US-Inflationszahlen an, die die Zinserwartungen spürbar drehen könnten. Für Oktober wurde zeitweise eine Wahrscheinlichkeit von 47 Prozent für eine weitere Zinserhöhung in den USA erwartet; zuvor war der Wert deutlich über 70 Prozent gelegen und anschließend gefallen. In diesem Kontext erhielt die Kommunikation von John Williams besonderes Gewicht. Der New Yorker Fed-Präsident hatte zuvor gesagt, die Notenbank könne sich mit weiteren Zinserhöhungen etwas Zeit lassen – ein Satz, der an den Märkten häufig als Signal gelesen wird, ob die Behörden eher „hart“ oder eher „abwarten“ wollen. Die Marktlogik dahinter ist simpel: Je stärker die erwartete Verzinsung nach oben oder nach unten korrigiert wird, desto mehr verändert sich die Bewertungsbasis für wachstumsstarke und zinsreagible Segmente.
Auch auf Einzelwertebene zeigte sich, dass das Tagesplus nicht nur eine Index-Erzählung war. In Sydney stieg Droneshield um 5,3 Prozent, nachdem der Drohnenproduzent einen US-Auftrag im Umfang von 500 Millionen US-Dollar sichern konnte. In Tokio zogen Nidec um 4,7 Prozent an: Der Autozulieferer befindet sich offenbar kurz davor, für über 600 Millionen US-Dollar eine Tochter zu verkaufen, nachdem er im Zuge von Bilanzproblemen zuletzt hohe Abschreibungen gemeldet hatte. Auffallend fest lagen zudem Softbank Group mit einem Plus von 6,6 Prozent, während andere Technologietitel wie Kioxia und Advantest Aufschläge von rund 1 Prozent zeigten. Parallel dazu war der Bankenblock spürbar stabil: Resona stiegen um 2,7 Prozent, Mizuho Financial um 4,5 Prozent und Mitsubishi UFJ um 3,0 Prozent. Im Auto-Sektor ging es ebenfalls überwiegend bergauf, unter anderem mit Toyota (+1,3 Prozent) und Suzuki (+2,9 Prozent). Damit spiegelte der Markt an diesem Tag gleich mehrere Treiber wider – Energie, Makrodaten und die Zinswahrnehmung – statt sich nur auf einen einzelnen Faktor zu verlassen.
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