LONDON (IT BOLTWISE) – Bitcoins Bull Score ist nach dem jüngsten Kursschub auf 90 von 100 gestiegen. Gleichzeitig zieht die reale Nachfrage sichtbar zurück: Spot-Bestände sinken und das Wachstum spekulativer Futures bremst stark ab. Viele neue Käufer sitzen zwar auf hohen Buchgewinnen, doch Profitmitnahmen drücken die Kurskraft. Damit rückt die Frage in den Fokus, ob BTC die Widerstandszone um 85.000 bis 85.800 wieder zurückerobern kann.

Bitcoin: Bull Score auf 90 – doch Spot- und Futures-Nachfrage schwächeln
Bitcoin: Bull Score auf 90 – doch Spot- und Futures-Nachfrage schwächeln (Foto: IT BOLTWISE)
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Bitcoin zeigt aktuell ein zweigeteiltes Bild: Der Bull Score von CryptoQuant liegt nach der Rally bei 90 von 100 und damit nur zehn Punkte unter dem Maximalwert. Als technisches Signal wird dabei unter anderem gewertet, dass BTC die 365-Tage-gleitende-Durchschnittslinie (moving average) überwunden hat. Solche Regime-Checks sind für Marktteilnehmer vor allem deshalb relevant, weil sie mehrere Indikatoren zu einer einzigen Bewertung verdichten und damit einen schnellen Abgleich zwischen „bullisch“ und „angespannt“ ermöglichen. Allerdings sagt der Score allein noch nicht, ob genügend frische Kaufkraft nachrückt, um die nächste Aufwärtsbewegung über eine erste Widerstandszone hinaus zu tragen.

Genau hier setzt die Skepsis an. In den Daten von CryptoQuant wird beschrieben, dass die Spot-Nachfrage über die letzten 30 Tage um rund 170.000 BTC zurückgegangen ist. Gemessen wird das als „apparent demand“, also als Verhältnis zwischen neu geschürften Coins und dem Teil der Coins, der seit mindestens einem Jahr unverändert blieb. Wenn dieser Wert sinkt, bedeutet das in der Lesart der Analytiker nicht zwangsläufig, dass BTC verkauft wird, aber dass der Markt weniger von den neu verfügbar werdenden Coins absorbiert als zuvor. Auffällig ist der zeitliche Kontrast: Während die Rally zuvor dabei half, mehrere Kursniveaus zu überwinden, kühlt die nachgelagerte Nachfrage nun ab, und der Markt muss offenbar mit weniger neuer Kaufkraft die kurzfristige Preisstabilisierung schaffen.

Dass der Abkühlungseffekt nicht nur aus dem Chart ablesbar ist, zeigt auch die Derivate-Ebene. CryptoQuant schätzt, dass das Wachstum spekulativer Futures-Nachfrage innerhalb von 15 Tagen von etwa 164.000 BTC auf nur noch 16.000 BTC gefallen ist, also um rund 90%. Zusätzlich wird von rückläufigem Leverage berichtet: Nach dem Scheitern, oberhalb von 87.000 US-Dollar zu bleiben, bauten sich bei vielen Marktteilnehmern weniger Hebelpositionen auf. Konkreter werden die Daten bei der Entwicklung des „open interest“: Zwischen 21. und 23. September sank es von ungefähr 5,4 Mrd. US-Dollar auf 4,9 Mrd. US-Dollar, während der „cumulative volume delta“ in derselben Phase von knapp 3 Mrd. US-Dollar auf 1,48 Mrd. US-Dollar fiel. Auch wenn sinkender Leverage das Risiko von Liquidationsketten im Zuge einer starken Gegenbewegung reduzieren kann, signalisiert die gleichzeitige Verlangsamung der spekulativen Futures-Nachfrage vor allem eines: Die Teilnahmebereitschaft rund um die Bewegung nach oben nimmt nicht weiter zu.

Der Spot- und Futures-Abbau erklärt jedoch noch nicht allein, warum BTC unter Druck gerät: Profitmitnahmen spielen ebenfalls eine Rolle. Laut CryptoQuant halten „recent buyers“ im Durchschnitt aktuell einen nicht realisierten Gewinn von 33% – der höchste Stand seit Dezember 2024. Solche Buchgewinne wirken in Rally-Phasen wie ein natürlicher Auslöser für Gewinnrealisierungen, weil selbst konservative Käufer bei steigender Unsicherheit eher „mitnehmen“ statt „durchziehen“ wollen. Bereits am 22. September wurden Gewinne auf 25.700 BTC realisiert, als größter einzelner Tag des Profit taking in diesem Jahr. Der Kurs konnte danach das zuvor erreichte Niveau um 87.000 US-Dollar nicht halten und rutschte in den Bereich um 83.000 bis 84.000 US-Dollar zurück. Auch bei Langzeit-Inhabern („long term holders“) wird ein ähnliches Muster beschrieben: Zwischen 17. und 23. September sollen 12.153 BTC von Handelsplattformen abgezogen worden sein und gleichzeitig Gewinne realisiert worden sein, während die Exchange-Reserven zurückgingen.

Für die Bewertung der nächsten Etappe ist deshalb entscheidend, wie „Score“ und „Nachfrage“ zusammenspielen. Der Bull Score bildet Bedingungen ab, die eher in Richtung eines bullischen Marktregimes weisen, insbesondere nach dem Bruch über der 365-Tage-Linie. Die Nachfrageindikatoren messen dagegen, ob wirklich genug neues Kapital in den Markt hinein fließt, um das vorhandene Angebot an BTC zu „verdauen“. Genau dieses Spannungsfeld zeigt sich im Kursverlauf: Die Bewegung war kurz oberhalb von 87.000 US-Dollar sichtbar, danach drückten Verkäufer den Preis wieder Richtung 84.000 US-Dollar, während Widerstände im Bereich 85.000 bis 85.800 die Rückkehr an die Spitze begrenzten. Wenn Käufer zurückkommen, wäre diese Zone damit der erste große Test: Sie steht als unmittelbares „Hürdenband“ im Raum, während auf der Unterseite gleichzeitig die Unterstützungszone um 83.000 US-Dollar an Relevanz gewinnt. Für den Bereich darunter nennen Bitget Wallet-Analysten den Pullback-Cluster zwischen 81.500 und 83.000 US-Dollar als potenzielles Entscheidungsgebiet.

Hinzu kommt ein Makrofaktor, der bei Krypto häufig indirekt über Zins- und Risikoerwartungen wirkt. In den Daten wird erwähnt, dass US-Staatsanleiherenditen mehrjährige Hochs erreichen: Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries lag am Mittwoch bei rund 5,23% und damit auf dem höchsten Stand seit 2007. Solche Niveaus beeinflussen, wie attraktiv risikoreichere Assets wirken, weil die Opportunitätskosten von Kapital steigen können. Am selben Punkt der Aufmerksamkeit stehen zudem die US-PCE-Inflationsdaten (August) als nächstes großes Ereignis, die von der Federal Reserve eng verfolgt werden und damit Erwartungen an die nächste Zinsentscheidung verschieben können. Vor diesem Hintergrund startet Bitcoin zwar mit einem Bull Score nahe am oberen Rand des CryptoQuant-Ranges, aber mit abnehmender Spot-Nachfrage, stark gedämpfter Futures-Wachstumsrate und frisch aufgelaufenen Gewinnmargen, die kurzfristig auch Gegenwind erzeugen können.

Ob BTC weiter steigen kann, hängt damit weniger von der „Richtung“ als vom Tempo der Nachfrageeintritte ab. Julio Moreno, Head of Research bei CryptoQuant, bringt es in der ursprünglichen Bewertung auf den Punkt: „Without fresh demand, rallies struggle to extend“. Moreno ergänzt außerdem: „With spot demand still in contraction and futures growth stalling, near-term upside becomes harder to sustain.“ Für Unternehmen und technisch orientierte Marktteilnehmer ist diese Trennung aus Regime-Score und Nachfragefluss praktisch, weil sie zeigt, wo die nächste Datenquelle für eine Reaktion wahrscheinlich liegt: nämlich weniger im reinen Moving-Average-Signal, sondern in der Frage, ob börsenseitige Zuflüsse, Wechselkurs- und Kapitalflussdaten sowie Futures-Teilnahme wieder anziehen. Sollten Käufer in den kommenden Sessions zurückkommen und die Widerstände um 85.000 bis 85.800 nachhaltig überwinden, könnte sich die bullische Ausgangslage erneut in Preisfortschritt übersetzen. Bleibt die Nachfrage dagegen schwach, wird aus dem Bull Score rasch ein Stimmungsindikator, der zwar Optimismus signalisiert, die Bewegung nach oben jedoch nicht zuverlässig stützt.


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