N.Y./MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der A&M Wettbewerbsindex 2026 fällt auf 3 Punkte und markiert damit den niedrigsten Wert seit Beginn der Erhebung. Zwar wollen 65 Prozent der Unternehmen ihre Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit verstärken, doch nur 35 Prozent bewerten ihre Position aktuell als hoch oder sehr hoch. Energie- und Lohnkosten, Regulierung und globaler Wettbewerbsdruck belasten vor allem etablierte Geschäftsmodelle. Als zentrale Hebel für die nächste Transformationsphase nennen die Studienautoren Kosten, Geschwindigkeit und Künstliche Intelligenz.

A&M Wettbewerbsindex 2026: Deutsche Industrie fällt auf Tiefstand
A&M Wettbewerbsindex 2026: Deutsche Industrie fällt auf Tiefstand (Foto: IT BOLTWISE)
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Der A&M Wettbewerbsindex Deutschland 2026 zeichnet ein deutliches Bild: Der Gesamtwert rutscht im dritten Jahr der Erhebung auf 3 Punkte ab. Damit entfernt sich die Industrie weiter von einer Stabilisierung, denn 2024 lag der Index noch bei 21 Punkten, 2025 bei 11 Punkten. Gleichzeitig zeigen die Antworten ein klares Bewertungsmuster im Alltag der Unternehmen: Nur noch 35 Prozent sagen, ihre aktuelle Wettbewerbsposition sei hoch oder sehr hoch. Parallel stuft eine Mehrheit den Industriestandort Deutschland als kritisch ein, was den Druck auf Standortentscheidungen und Geschäftsmodelle zusätzlich erhöht.

Technisch und operativ äußert sich diese Verschiebung nicht nur als Strategiepapier, sondern als Prioritätenliste für die Umsetzung: 65 Prozent der befragten Unternehmen verstärken demnach ihre Aktivitäten zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. In der Studie tauchen dabei wiederkehrend drei Hebel auf, die über Branchen hinweg als „nächste Transformationsphase“ zusammengefasst werden: Kosten, Geschwindigkeit und Künstliche Intelligenz. Entscheidend ist außerdem, dass der Blick nicht bei einzelnen Pilotprojekten stehen bleibt, sondern auf die Integration in Prozesse zielt – von Prognosen und Bestandssteuerung bis hin zu Produktion, Forschung und Entwicklung sowie Instandhaltung.

Die Branchenprofile verdeutlichen, wie unterschiedlich die Wettbewerbslogik wirkt. Die Automobilindustrie liegt 2026 mit 5 Punkten zwar leicht über dem Industriedurchschnitt, bleibt aber deutlich unter dem Niveau von 2024 (18 Punkte). Besonders stark gewichten 91 Prozent der befragten Unternehmen Kostenoptimierung und Geschwindigkeit; für die operative Umsetzung wird es dann darauf ankommen, industrielle Stärke, Softwarekompetenz und internationale Wertschöpfungsnetzwerke schneller zu verbinden. Im Maschinen- und Anlagenbau dagegen verliert die Wettbewerbsfähigkeit im Drei-Jahres-Vergleich am stärksten: Technologische Stärke und Engineering-Kompetenz reichen nach der Darstellung allein nicht mehr aus, stattdessen braucht es skalierbare Strukturen, modulare Plattformen, kürzere Durchlaufzeiten und ein profitables Service- sowie Aftermarket-Geschäft, flankiert von einer digitalen Steuerung der Lieferketten.

Auch Konsumgüter und Chemie zeigen gegensätzliche Dynamiken. Konsumgüter erreichen mit 8 Punkten den höchsten Indexwert unter den untersuchten Branchen. Dort messen 89 Prozent dem Faktor Kosten eine hohe oder sehr hohe Bedeutung bei, und 82 Prozent setzen Geschwindigkeit ganz oben auf die Agenda. Gleichzeitig wird ein konkretes Umsetzungsgefälle sichtbar: Zwar bewerten 74 Prozent KI als wichtigen Wettbewerbsfaktor, doch besonders wirksame Anwendungen wie KI-gestützte Nachfrage- und Bestandsprognosen sind bislang erst bei 47 Prozent umgesetzt. Das ist weniger ein Beleg für fehlende Ideen als ein Hinweis auf Engpässe entlang der Umsetzungskette – von Datenqualität über Prozessdesign bis zur Akzeptanz in den Fachbereichen.

Im Cluster Chemie und Pharma fällt der Index auf -4 Punkte, nachdem es im Vorjahr 8 Punkte waren. Besonders Chemie sieht sich laut Studie unter Druck durch Energie- und Rohstoffkosten, Regulierung sowie internationale Kapazitätsverschiebungen. Neu entstehende Wettbewerbsfähigkeit entsteht dort nach Einschätzung von A&M vor allem aus der Kombination von Kostenmanagement, internationalem Footprint, Portfoliofokus und einer datenbasierten Steuerung. Pharma wiederum stützt sich weiterhin auf Forschungskompetenz, Spezialisierung und Margenstärke, allerdings verlagern 47 Prozent der Unternehmen Forschung und Entwicklung bereits ganz oder teilweise ins Ausland. Als Verstärker werden KI, spezialisierte Produkte und wettbewerbsfähige Geschäftsmodelle genannt, gerade weil Forschung ohne passende Operationalisierung schnell an Produkt- und Kostenlogiken vorbeilaufen kann.

Branchenübergreifend wird KI damit zum Wettbewerbshebel: 79 Prozent der Unternehmen halten sie für wichtig, doch der Unterschied zwischen „wichtig“ und „wirksam“ zeigt sich in der Umsetzungstiefe. Die Studie macht dabei einen Punkt, der für die KI-Entwicklung in der Praxis besonders relevant ist: Nicht die Anzahl einzelner Pilotprojekte entscheidet, sondern die Integration in operative Prozesse. Das betrifft einerseits Planungs- und Steuerungsaufgaben wie Prognosen und Bestandsmanagement und andererseits operative Bereiche wie Produktion, Entwicklung und Instandhaltung. Genau hier entscheidet sich, ob KI als experimentelles Werkzeug bleibt oder als Teil der Prozessarchitektur skaliert.

Zum Abschluss ordnet Patrick Siebert die Ergebnisse in eine breitere Transformationsdebatte ein: „Wir sehen eine strukturelle Verschiebung der Wettbewerbsposition. Positiv ist, dass die Unternehmen die entscheidenden Themen erkannt haben und handeln. Jetzt kommt es darauf an, Prioritäten konsequent zu setzen und Maßnahmen schnell in messbare Ergebnisse zu übersetzen“, kommentiert Patrick Siebert. „Eine Kombination aus unternehmerischem Geschick sowie einer politischen Zeitenwende ist jetzt notwendig. Unternehmen haben den Ernst der Lage erkannt und tun das in ihrer Möglichkeit stehenden mit Hochdruck. Nun muss auch die Politik liefern und die Rahmenbedingungen des Standorts Deutschland nachhaltig verbessern: verlässliche und wettbewerbsfähige Energie, weniger Regulierung und mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt“, bewertet Patrick Siebert die Ergebnisse abschließend. Im Hintergrund steht dabei auch die Methodik: Die Erhebung basiert auf persönlichen Interviews mit 246 Entscheidern aus Automobilindustrie, Maschinen- und Anlagenbau, Chemie- und Pharmaindustrie sowie Konsumgüterindustrie; die Indexwerte werden auf einer Skala von -100 bis +100 berechnet und sollen die jeweilige Einschätzung der Wettbewerbsposition abbilden. Für Unternehmen heißt das in der Praxis vor allem: Wettbewerbsfähigkeit wird messbar, sobald Kosten- und Geschwindigkeitsziele mit KI-gestützter Steuerung in konkrete Prozessketten übersetzt werden.


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