MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die EXPO REAL 2026 findet vom 5. bis 7. Oktober in München statt und rückt den Wohnraummangel in den Mittelpunkt. Die Messe plant eine Sonderausstellung sowie ein Forum „Flexible Housing“, das konkrete Wege diskutiert, etwa die Umnutzung von Gewerbeimmobilien. Im Raum stehen außerdem politische Stellschrauben wie vereinfachte Baustandards und eine geplante Reform des Mietrechts. Für die Investitionsseite sorgt der EXPO REAL Trendindex: Wohnimmobilien gelten für die Mehrheit als die wichtigste Assetklasse.

Die EXPO REAL 2026 kommt mit einem klaren Fokus nach München: dem Wohnraummangel und dem Spannungsfeld aus steigenden Baukosten, knappen Flächen und komplexen Genehmigungs- sowie Bauprozessen. Zwischen 5. und 7. Oktober 2026 wird die internationale Fachmesse für Immobilien, Investitionen und Infrastruktur eine Sonderausstellung zum Thema Wohnen ausrichten und das Konferenzprogramm entsprechend verdichten. Im Kern geht es dabei nicht nur um zusätzliche Neubauprojekte, sondern um die Frage, wie sich Wohnraum schneller und planbarer realisieren lässt, ohne dass Investitionen im Tagesgeschäft versanden.
Claudia Boymanns, Exhibition Director der EXPO REAL, ordnet die Debatte in einen breiteren Standortkontext ein: Mehr Wohnraum sei eine essenzielle Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum und für die Attraktivität deutscher Standorte. Daraus leitet sich eine organisatorische Konsequenz ab, die in der Logik großer Immobilien- und Infrastrukturmessen typisch ist, aber hier stark betont wird: Die Messe soll Wohnungswirtschaft, Kapitalgeber und Politik zusammenführen, um verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen und Neubau zu diskutieren. Entscheidend ist dabei der „Übersetzungsprozess“ zwischen den Welten – also von politischen Zielbildern und regulatorischen Absichten hin zu finanzierten Projekten, die in der Praxis auch wirklich genehmigungs- und realisierbar sind.
Konkreter wird das auf der Messe über das Forum „Flexible Housing – Opportunities Next Door“. Dort steht nach Angaben der Veranstalter pragmatisches Vorgehen im Vordergrund: die Umnutzung von Gewerbeimmobilien zu Wohnraum, kommunale und staatliche Anreize für den Neubau sowie die Evaluierung von Potenzialen durch vereinfachte Baustandards. Technisch betrachtet zielt dieser Strang auf die Reduktion von Reibungsverlusten entlang der Prozesskette – also dort, wo Zeit und Kosten häufig „still“ wirken, etwa in der Planung, in der Auslegung von Standards oder im Umbau, der Genehmigungen und technische Nachrüstungen erfordert. Begleitend ist zudem eine Ausstellung zu kostengünstigem, ressourcenschonendem und nachhaltigem Wohnen geplant, was die Brücke zwischen Kostenlogik und Nachhaltigkeitsanforderungen schlagen soll.
Das Konferenzprogramm greift dabei auch aktuelle wohnungspolitische und wirtschaftliche Themen in Diskussionsforen auf. Ein Beispiel ist eine Panel-Session am 5. Oktober von 16:00 bis 16:50 Uhr im „Discussion and Networking Forum“: Bundesbauministerin Verena Hubertz diskutiert dort mit Blick auf die „Zukunft des Neubaus in Deutschland – Realität, Kapital und Umsetzbarkeit“ die Realitäten des Wohnungsneubaus unter den aktuellen wirtschaftlichen Gegebenheiten. Daneben werden Entwicklungen wie eine geplante Reform des Mietrechts behandelt, für die Bundesjustizministerin Stefanie Hubig im Februar einen Gesetzentwurf vorgelegt hat. Auch die Pläne zur Vergesellschaftung von Wohnungsbeständen in Berlin werden aufgegriffen, sodass Marktteilnehmer nicht nur über Bau- und Finanzierungsthemen sprechen, sondern auch über die Rahmenbedingungen, die Mieterrechte, Investitionsrisiken und Eigentumsfragen beeinflussen können.
Wie stark die Immobilienthematik die Branche dominiert, unterstreicht der aktuelle EXPO REAL Trendindex. Die jährlich vom Meinungsforschungsinstitut IfaD im Auftrag der Messe München durchgeführte Befragung kommt zu einem eindeutigen Bild: Aussteller und Besucher sehen Wohnimmobilien mit 67 Prozent als wichtigste Assetklasse für Investitionsentscheidungen. Zusätzlich prognostiziert eine Mehrheit von rund 74 Prozent, dass Wohnimmobilien in den kommenden Jahren eine stärkere Bedeutung als alle anderen Assetklassen erlangen werden. Für die Frage nach bezahlbarem Wohnen nennen die Befragten außerdem vor allem die Senkung der Baukosten und die Abschaffung kostspieliger Baustandards als zentrale Faktoren – eine Haltung, die direkt in die Diskussion um vereinfachte Standards aus dem Forum „Flexible Housing“ hineinwirkt.
Für Claudia Boymanns zeigt der Trendindex damit einen klaren Handlungsbedarf: Die Branche müsse Voraussetzungen schaffen, damit Investitionsbereitschaft tatsächlich zu neuem Wohnraum führt. Genau an dieser Stelle wird die Messe als Marktplatz für Entscheidungen relevant, weil sie nicht nur einzelne Projekte oder Produktanbieter bündelt, sondern Akteure „von Projektentwicklern über Investoren und Kommunen bis hin zur Politik an einem Tisch“ bringt. In der Praxis entstehen dadurch bessere Voraussetzungen, um Annahmen zu prüfen, etwa ob vereinfachte Standards wirklich zu schnelleren Genehmigungen führen oder ob zusätzliche Hürden an anderer Stelle auftauchen. Auch die Marktkommunikation profitiert davon: Wenn politische und finanzielle Perspektiven enger aufeinander abgestimmt werden, kann das die Planbarkeit verbessern, die wiederum für die Finanzierungskalkulation zentral ist.
Für Unternehmen und Projektbeteiligte ist die EXPO REAL 2026 damit weniger eine reine Branchenveranstaltung als vielmehr ein Taktgeber für die nächste Phase im Wohnungsbau. Besonders interessant dürfte sein, wie die Diskussionen zu Mietrecht und politischen Eingriffen mit dem Investitionsargument zusammengedacht werden, denn beides entscheidet über Risikoprämien, Zeitpläne und die Bereitschaft, Kapital in den Umbau oder den Neubau zu lenken. Unabhängig davon, welche politischen Instrumente sich am Ende durchsetzen, bleibt der praktische Nenner: Ohne nachvollziehbare Umsetzungspfad von der Idee bis zur Übergabe an die Mieter funktioniert der gewünschte Wohnzuwachs nicht. Genau deshalb setzt die Messe auf Foren, Sonderausstellungen und Networking-Formate – und versucht, aus dem Dauerbrenner Wohnraummangel einen operationalisierbaren Handlungsrahmen zu machen.
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