LONDON (IT BOLTWISE) – Der deutsche Wohnungsmarkt kommt 2026 offenbar nicht aus dem Rückgang heraus: Für die Fertigstellungen erwartet eine Marktanalyse einen weiteren Rückgang um 10 Prozent auf rund 185.000 Wohnungen. Gleichzeitig bleibt der Mietdruck hoch, weil das Angebot knapp bleibt und die Haushaltsstruktur sich zugunsten kleinerer Einheiten verschiebt. Auch bei Investitionen setzt sich eine selektive Nachfrage fort: 2025 stiegen die Transaktionen zwar auf 44,6 Milliarden Euro, doch institutionelle Akteure agieren deutlich vorsichtiger. Für Projektentwickler und Kapitalanleger wird damit die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Objekte zum entscheidenden Filter.

Die Zahlen zum deutschen Wohnungsmarkt zeichnen für 2026 ein klares Bild: Nach dem bereits spürbaren Rückgang der Neubauleistung bleibt der Engpass beim Wohnraum bestehen, obwohl sich die Nachfrage demografisch eher stabil zeigt. Der von Colliers erstellte Wohnungsmarktbericht für 2026/2027 ordnet die Entwicklung als anhaltenden Konflikt zwischen nach wie vor hohem Nachfragedruck in den Metropolen und einem weiter zurückgehenden Angebot ein. Besonders markant ist die Entwicklung bei den Fertigstellungen: Im vergangenen Jahr wurden lediglich 206.600 Wohneinheiten fertiggestellt, 18 Prozent weniger als im Vorjahr und zugleich der tiefste Stand seit 13 Jahren.
Für 2026 geht Colliers von einer weiteren Abnahme aus, um 10 Prozent auf rund 185.000 Wohnungen. Gleichzeitig liefern die Baugenehmigungen ein differenzierteres Bild: 2025 stiegen sie um 10 Prozent auf 238.500, erstmals seit Jahren. In der Praxis ist das aber weniger ein sofortiger Befreiungsschlag als eine zeitversetzte Vorstufe, denn der Zeitraum zwischen Genehmigung und Fertigstellung sorgt dafür, dass sich der Effekt erst mit Verzögerung im Marktangebot zeigt. Damit bleibt die Kernfrage bestehen, ob die kommenden Fertigstellungszahlen ausreichen, um nicht nur den Nachfrageüberhang abzubauen, sondern spürbar zusätzliche Wohneinheiten auf den Markt zu bringen.
Auch die demografische Perspektive stützt diese vorsichtige Einordnung. Zum Jahresende 2025 nennt der Bericht für Deutschland eine Bevölkerungszahl von circa 83,5 Millionen Menschen, ein leichter Rückgang um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, primär erklärbar durch eine niedrigere Nettozuwanderung. Für die langfristigen Nachfragetendenzen in den Metropolregionen sei das laut Colliers jedoch nur von begrenztem Einfluss. Entscheidend sei vor allem die Haushaltsentwicklung: Bis 2040 sollen in den 50 größten deutschen Städten rund 408.400 zusätzliche Haushalte entstehen, davon entfallen etwa 291.900 auf die Top-7-Städte. Auffällig ist dabei das Wachstum kleinerer Ein- und Zweipersonenhaushalte, also eine Verschiebung der Nachfrage hin zu Wohnformen, die sich in Grundrissen, Lageanforderungen und auch im Betriebskonzept deutlich von klassischen Familienwohnungen unterscheiden.
Genau diese Nachfrage trifft auf einen Mietmarkt, der zuletzt zwar stabilisierte Tendenzen zeigte, aber weiter durch Knappheit geprägt ist. In den Top-7-Städten legten die Angebotsmieten für Bestandswohnungen innerhalb der letzten zwölf Monate um 2,5 Prozent auf durchschnittlich 16,75 Euro pro Quadratmeter zu. Die Spitzenmieten stiegen dabei um 5 Prozent auf 24,05 Euro pro Quadratmeter. In den 50 größten Städten lag der Durchschnitt bei 12,15 Euro pro Quadratmeter. Für das Neubausegment beschreibt Colliers eine moderatere Dynamik: Dort blieben die durchschnittlichen Angebotsmieten in den Top-7-Städten weitgehend stabil. Aus Sicht des Berichts spricht jedoch die geringe Neubautätigkeit mittel- bis langfristig weiterhin für weitere Mietsteigerungen – sowohl im Bestand als auch im Neubau.
Dass die Haushalte kleiner werden, verschiebt zudem die Nachfrage nach Wohnkonzepten, die effizient und flexibel auf diese Struktur reagieren. Colliers ordnet Mikrowohnen, Studentenwohnen und Serviced Apartments als besonders relevante „Alternative-Living“-Ansätze ein. Diese Segmente machten bereits über 15 Prozent des Mietangebots aus und entwickeln sich laut der Analyse zu einem integralen Bestandteil des deutschen Wohnungsmarkts. Für Betreiber und Entwickler heißt das: Nicht nur der reine Quadratmeterpreis entscheidet, sondern auch das betriebliche Modell, die Flächenzuschnitte und die Fähigkeit, unterschiedliche Zielgruppen – etwa Studierende, Pendler oder kurzfristig wechselnde Haushaltsformen – dauerhaft an ein Angebot zu binden.
Auch auf der Investmentseite zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. 2025 wurden auf dem deutschen Wohninvestmentmarkt insgesamt 44,6 Milliarden Euro umgesetzt, ein Plus von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei fiel die Entwicklung je nach Segment unterschiedlich aus: Der von semi-institutionellen und privaten Investoren geprägte Markt für Wohn- und Geschäftshäuser gewann deutlich an Schwung. Das Transaktionsvolumen stieg deutschlandweit um 13 Prozent auf 35,5 Milliarden Euro; in den untersuchten Städten erhöhte sich zudem die Zahl der Kauffälle um 12 Prozent, wobei häufiger kleinere Objekte gehandelt wurden. Die Kernbotschaft aus Investorensicht lautet laut Bericht: Einstiegschancen werden zwar wieder stärker genutzt, aber sehr selektiv – entscheidend ist, welche Objekte sich unter den aktuellen Finanzierungsbedingungen wirtschaftlich tragen.
Im institutionellen Wohninvestmentsegment zeigte 2025 dagegen eine andere Richtung: Das Transaktionsvolumen sank um 14 Prozent auf 9,1 Milliarden Euro. Colliers führt das auf eine deutlich strengere Prüfung zurück und auf das Fehlen großvolumiger Portfoliotransaktionen. Die Finanzierungsbedingungen haben sich zudem im bisherigen Jahresverlauf 2026 verschärft; Banken agieren restriktiver, und höhere Finanzierungskosten erschweren die Umsetzung von Deals. Entsprechend stiegen die Renditen für Wohninvestments im Durchschnitt um 25 bis 30 Basispunkte. Für junge Bestandsobjekte, die typischerweise etwa zehn Jahre alt sind, liegt die Spitzenrendite zur Jahresmitte 2026 in den Top-7-Städten bei 4,1 Prozent und an den übrigen untersuchten Standorten bei 4,8 Prozent. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen bleibt laut Colliers das Kapitalinteresse hoch, während die Preisfindung die Marktaktivität spürbar prägt.
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