BAGDAD/WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Pentagon meldet, dass das US-Militär vollständig aus dem Irak abgezogen ist. Damit endet für die USA eine Phase im Kampf gegen den IS, die seit 2014 auch in Syrien und Irak koordiniert wurde. Die irakische Regierung übernimmt laut US-Angaben die Hauptverantwortung für Sicherheit und Stabilität, während mehrere mit dem Iran verbundene Milizen den Abzug politisch und militärisch einordnen. Unklar bleibt, wie sich die Lage in der Kurdenregion und um die verbliebenen IS-Strukturen künftig entwickeln wird.

USA ziehen die letzten Truppen aus dem Irak ab – Sicherheitsvakuum und neue Risiken
USA ziehen die letzten Truppen aus dem Irak ab – Sicherheitsvakuum und neue Risiken (Foto: IT BOLTWISE)
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Mit dem Abzug der letzten US-Soldaten aus dem Irak verschiebt sich die operative Sicherheitsarchitektur in einem Land, das seit Jahren sowohl Schauplatz internationaler Einsätze als auch regionaler Stellvertreterkonflikte ist. Laut Mitteilung des Pentagon verließen die letzten US-Truppen das Land vollständig. Die Botschaft knüpft ausdrücklich an eine „zwölfjährige Kampagne“ an, in der der IS im Irak und in der gesamten Region als organisierte militärische Bedrohung besiegt worden sei. Gleichzeitig wird der Übergang in eine neue Phase betont: Die irakische Regierung trage nun die Hauptverantwortung für sicherheitspolitische Herausforderungen – darunter verbliebene IS-Strukturen sowie Milizen, die nach US-Einschätzung die irakische Souveränität und Stabilität untergraben.

Technisch und organisatorisch wirkt ein solcher Truppenabzug vor allem an den Schnittstellen, an denen bisher Logistik, Aufklärung und robuste Schutzmechanismen zusammenliefen. Im Text wird deutlich, dass die verbleibenden 2.500 US-Soldaten zuletzt vor allem in der Kurdenregion (u. a. in Erbil nahe dem Flughafen), an einem Stützpunkt sowie im Regierungsviertel, der „Grünen Zone“, stationiert waren. Gerade diese Verteilung ist sicherheitspraktisch relevant: Stützpunkte nahe kritischer Infrastruktur ermöglichen eine schnellere Reaktion, während die Konzentration in Regierungsbereichen politische Stabilität absichern soll. Wenn die Einsatzkapazität dann verschwindet, müssen lokale Sicherheitskräfte in kurzer Zeit Lücken bei der Lagebilderstellung, bei der Abwehr möglicher Angriffe und bei der Koordination zwischen Einheiten schließen.

Die politische Lage beschreibt der Artikel nicht als linearen Erfolg, sondern als Spannungsfeld aus innenpolitischen Ansprüchen und regionaler Eskalationsdynamik. Iraks Ministerpräsident Ali al-Saidi stellt klar, der Abzug der internationalen Koalition bedeute nicht das Ende des Kampfes gegen den Terrorismus; es gehe um einen Übergang zur „vollen Verantwortung“ des Iraks. Genau hier prallen jedoch unterschiedliche Interessen aufeinander: Die mit dem Iran verbundene Miliz Asaib Ahl al-Hak bewertet den Abzug als Erfolg und fordert, die Bemühungen um ein Ende der Präsenz aller ausländischen Streitkräfte fortzusetzen. Parallel dazu droht die ebenfalls mit dem Iran verbundene Miliz Kataib Hisbollah mit Gewalt, falls die Regierung gegen „Interessen des Volkes“ handeln sollte, und kündigt sogar an, „feindliche Flugzeuge“ im irakischen Luftraum notfalls abzuschießen. Solche Aussagen sind nicht automatisch eine operativ unmittelbare Handlungsanleitung, sie signalisieren aber, dass sich der Konfliktmodus auch ohne US-Präsenz in neue Bahnen verlagern könnte.

Besonders riskant ist der Hinweis auf die Verschränkung aus dem Krieg zwischen USA und Iran und der anhaltenden Verwundbarkeit des Irak. Der Artikel erinnert daran, dass beide Mächte ihren Konflikt seit Jahren im Irak austragen und wiederholt nahe an einen offenen Krieg geraten sind. Als markante Eskalationspunkte nennt er den Drohnenangriff im Jahr 2020, bei dem der iranische General Ghassem Soleimani sowie der Anführer der Miliz Kataib Hisbollah, Abu Mahdi al-Muhandis, in Bagdad getötet worden sein sollen. Seit Beginn des laufenden Iran-Kriegs, den die USA Ende Februar gemeinsam mit Israel begonnen hätten, habe sich die Sicherheitslage auch im Irak erneut verschlechtert. In diesem Kontext werden Angriffe gegen die US-Botschaft in Bagdad und gegen den Stützpunkt Erbil erwähnt, der auch von der Bundeswehr genutzt wird; das US-Militär habe im Gegenzug Ziele von Milizen im Irak angegriffen. Für die Bewertung des aktuellen Abzugs ist entscheidend: Der Irak ist nicht nur Empfänger von Sicherheitsunterstützung, sondern Teil eines regionalen Aktionsraums, in dem Signale und Abschreckung schnell Wirkung entfalten können.

Ökonomisch und infrastrukturell verschärft sich das Risiko zusätzlich durch die Bedeutung von Ressourcen und Transportwegen. Der Text nennt, dass Saudi-Arabien im laufenden Krieg aus dem Irak angegriffen wurde und dass dabei eine wichtige Öl-Pipeline in dem Königreich beschädigt worden sei. Gleichzeitig verweist er auf besondere Sorge vor Angriffen im Zusammenhang mit dem US-Abzug in der Kurdenregion, die im Iran-Krieg bereits stark unter Beschuss geraten sei. Diese Kombination aus hoher symbolischer und materieller Bedeutung kritischer Infrastruktur und einem geopolitisch exponierten Raum erklärt, warum gerade die Umstellung der Schutzverantwortung so sensibel ist: Wenn ein Akteur bisher als „Schutzschirm“ wahrgenommen wurde, kann ein Abzug nicht nur die militärische Kapazität, sondern auch die politische Signalwirkung verändern.

Auch der Einsatz gegen den IS bleibt nach dem Abzug ein offener Prozess, nicht ein abgeschlossener Zustand. Der Artikel betont, dass IS-Zellen weiterhin aktiv seien und vereinzelt Anschläge verübten, während die Organisation große Gebiete verloren habe, die sie einst in beiden Ländern kontrollierte. Damit rückt der Schwerpunkt von der großflächigen territoriale Kontrolle hin zu verdeckten Netzwerken, Unterstützerstrukturen und regionalen Rückzugsräumen. Genau in dieser Phase entscheidet sich, wie gut irakische Behörden unter Druck Lagebilder aktualisieren, wie effektiv sie Aufklärung gegen Zellen durchführen und wie stabil die Sicherheitsapparate bleiben, wenn parallel Milizen politisch und militärisch Druck ausüben. Die im Artikel erwähnte geplante Entwaffnung von Milizen, die eigentlich parallel zum Truppenabzug hätte erfolgen sollen, wurde laut Darstellung aufgeschoben und soll im Juni des kommenden Jahres stattfinden. Wird dieser Schritt gewaltsam umgesetzt, könnte er eine neue Phase schwerer Gewalt zwischen Gruppierungen auslösen – ein Warnsignal, das den Sicherheitsübergang in ein politisch hochdynamisches Risiko übersetzt.

Schließlich zeigt der Blick zurück, wie stark sich Mandate und Rollen über die Jahre verändert haben. Der Artikel erinnert an die Invasion der USA im Jahr 2003 trotz internationaler Kritik, begründet mit der damaligen Annahme von Massenvernichtungswaffen, die sich später als falsch herausgestellt habe. Nach einem Abzug im Jahr 2011 sei das US-Militär 2014 auf Bitten der irakischen Regierung zurückgekehrt, um den IS zu bekämpfen; seit 2015 war zudem auch die Bundeswehr beteiligt. Für das Umfeld der aktuellen Lage ist relevant, dass das aktuelle Mandat für den Einsatz mit bis zu 500 Kräften bis zum kommenden Januar laufen soll und Außenminister Johann Wadephul erwarte, die Bundeswehr könne auch nach Ende des multinationalen Einsatzes in Erbil präsent bleiben. Damit bleibt ein Teil internationaler Unterstützung zumindest für einen begrenzten Zeitraum bestehen, während das Gesamtsystem dennoch den Charakter „post-anker“-Sicherheit annimmt: Die Frage wird weniger, ob der IS besiegt ist, sondern wie resilient Irak und Region gegenüber einem Mix aus Restzellen, Milizdruck und möglichen Folgeeskalationen bleiben.


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