DÜSSELDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Chef von LEG Immobilien, Lars von Lackum, stellt sich in der Berliner Enteignungsdebatte klar gegen Vergesellschaftungen. Er argumentiert, dass Eigentum individuelle Freiheit sichere und ein anderes Gesellschaftssystem entstünde, wenn der Staat Eigentümer der Wohnungen wäre. Gleichzeitig bewertet von Lackum die steigenden Finanzierungskosten als grundsätzlich verkraftbar und nennt für LEG eine Refinanzierungsgröße von rund einer Milliarde Euro pro Jahr. Für den Transaktionsmarkt erwartet er zudem weiterhin Zurückhaltung, während das Sanierungs-Engagement bei Renowate überprüft werden muss.

Der Düsseldorfer Wohnimmobilienkonzern LEG Immobilien nutzt die politische Debatte um Vergesellschaftung und mögliche Enteignungen als Stresstest für das eigene Standort- und Investitionsverständnis. Auch wenn LEG nach eigenen Angaben keine Wohnung in Berlin besitzt, sieht der Unternehmenschef Lars von Lackum die Debatte mit großer Sorge: „Meine Auffassung ist, dass Eigentum individuelle Freiheit garantiert“, sagte er in einem Interview der dpa-AFX und der Deutschen Presse-Agentur dpa. In seiner Argumentation geht es dabei nicht allein um Symbolpolitik, sondern um die erwartete Rolle des Staates bei der Verteilung von Wohnraum.
Technisch und marktmechanisch lässt sich die Diskussion um Vergesellschaftung vor allem als Frage nach dem Risiko- und Planungsprofil interpretieren, das Eigentümer, Betreiber und Investoren in die Bewertung einpreisen. Wenn Wohneigentum oder Mietbestände politisch so verschoben würden, dass künftig andere Akteure über Bewirtschaftung und Allokation entscheiden, verändert das unmittelbar die Annahmen für Cashflows, Laufzeitprämien und die Refinanzierungsfähigkeit. Genau darauf zielt von Lackum rhetorisch ab: „Werden Eigentum infrage gestellt, führe auch dazu, dass man individuelle Freiheiten infrage stelle“, sagte er weiter. Mit Blick auf die Bundesregierung verweist der Manager zudem darauf, dass der Bund mit einem Gesetz verhindern wolle, dass Vergesellschaftungen in Bundesländern per Landesrecht faktisch möglich werden.
In die wirtschaftliche Bewertung mischen sich zudem die Sorgen internationaler Geldgeber. Von Lackum beschreibt, dass die Debatte zur Frage werde, ob Deutschland in Richtung „Sozialismus“ kippt, und dass Investoren darauf in Gesprächen sehr früh eine klare Antwort erwarteten. Er rechnet allerdings nicht damit, dass sich der politische Impuls auf die westdeutschen Bundesländer ausweitet, in denen LEG über seine Immobilienbestände besonders präsent ist. Der Unterschied liegt nach seinen Angaben vor allem in der Eigentümerquote: In Berlin liege sie nur bei etwa 18 Prozent, während sie in den westdeutschen Bundesländern, in denen LEG aktiv ist, zwischen 46 und 54 Prozent liege. Daraus leitet der Chef ab, dass „Spillover-Effekte“ in den eigenen Kernmärkten nicht zu erwarten seien.
Unabhängig von der politischen Dimension bleibt für Immobilienkonzerne die Finanzierung der harte Taktgeber. Von Lackum ordnet den Gegenwind durch das zuletzt gestiegene Zinsniveau als beherrschbar ein und nennt als Größenordnung, dass LEG „circa eine Milliarde pro Jahr refinanzieren“ müsse. Der durchschnittliche Fremdfinanzierungssatz liege derzeit bei 1,8 Prozent; die Zinsänderungen würden bei der Refinanzierung eine Mehrbelastung von rund 20 bis 30 Millionen Euro bedeuten. Interessant ist dabei die Brücke zur Ertragsseite: „Das entspricht in etwa dem, was wir auch auf der Mietseite sehen“, sagte er mit Blick auf die Entwicklung der Mieteinnahmen. Für Analysten und Portfoliomanager ist das weniger eine Beruhigung durch Hoffnung als eine Aussage zur relativen Sensitivität von Kosten und Erlösen gegenüber dem Zins- und Mietumfeld.
Der Transaktionsmarkt bleibt derweil nach Einschätzung des LEG-Managers schwierig, auch weil geopolitische und politische Entwicklungen Unsicherheit erzeugen. Das spiegelt sich nach seiner Darstellung in den Transaktionsvolumina wider: LEG könne weiterhin kleinere Portfolios bis zu 5 Millionen Euro veräußern, während größere Deals kaum in Bewegung seien. Für die strategische Planung bedeutet das, dass sich Investoren eher selektiv bewegen und Deal-Pipelines länger offen halten, sobald Bewertungsspannen und Finanzierungskonditionen zu stark divergieren. Insofern passt die aktuelle Marktphase zur allgemeinen Erfahrung aus dem Immobiliensektor: Wenn Kapitalmarktparameter volatiler werden, steigt die Hürde für Portfoliotransaktionen, selbst wenn einzelne Assetklassen operativ stabil erscheinen.
Parallel verschiebt sich bei LEG der Blick auf die operative Seite der Werterhaltung. Bei der Beteiligung Renowate, die auf serielle energetische Sanierung von Wohnimmobilien setzt, läuft es laut von Lackum nicht so gut wie früher erhofft. LEG hatte Renowate 2021 gemeinsam mit der österreichischen Rhomberg Bau GmbH als Gemeinschaftsunternehmen gegründet und daran festgemacht, dass das Unternehmen in diesem Jahr eine „schwarze Null“ erreicht. „Sonst würden wir uns Alternativen überlegen, beispielsweise das Projekt aufzugeben oder an spezialisierte Käufer abzugeben“, sagte von Lackum. Eine Entscheidung sei bislang noch nicht gefallen. Damit wird sichtbar, wie stark auch bei nachhaltigkeitsgetriebenen Geschäftsmodellen unternehmerische Realität zählt: Ohne ausreichende Planungssicherheit bei Kosten, Tempo und Erlöswirksamkeit der Sanierungen steigt der Druck, Geschäftsansätze neu zu justieren.
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