VIENNA / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Untersuchung legt nahe, dass die Vereinigten Arabischen Emirate im vergangenen Jahr regelmäßig die sanktionierte russische Cargo-Airline Aviacon Zitotrans für Missionen in Afrika genutzt haben. Dafür sollen Flugaufzeichnungen und interne Dokumente sprechen, darunter Berichte zu mehr als 100 Einsätzen seit Mitte 2025. Mehrere Il-76-Maschinen sollen dabei als „blocked property“ eingestuft gewesen sein, während die Aktivitäten in Teilen über militärische Basen liefen. Zusätzlich taucht die Airline offenbar auch in Routen über den Golf bis nach Pakistan auf, die mit dem Herrscherhaus von Abu Dhabi verknüpft werden.

Die Frage ist nicht, ob Cargo-Flüge in Krisenregionen stattfinden, sondern wie eng sie mit staatlichen Interessen verflochten sind. Laut einer Untersuchung gibt es im vergangenen Jahr wiederkehrende Hinweise, dass die Vereinigten Arabischen Emirate für Einsätze in Afrika eine russische „Shadow“-Airline eingebunden haben: Aviacon Zitotrans. Die Betreiberin steht im Fokus, weil sie in den USA, Kanada und der Ukraine wegen der Unterstützung von Russlands Krieg gegen die Ukraine sanktioniert wurde. Im Kern geht es dabei um die Überlappung zwischen einem scheinbar „zivilen“ Transportgeschäft und einer Transportlogik, die offenbar militärische oder paramilitärische Anforderungen erfüllt.
Technisch betrachtet stützen sich die Hinweise auf die Kombination aus Flugspuren und Material aus internen Unternehmensunterlagen. Analysiert wurden „tausende“ Flugdatensätze sowie gigabyteweise geleakte Dokumente, darunter Luftfahrt-Registrierungen, Korrespondenzen und Airwaybills. Die Routen sollen dabei nicht zufällig wirken: Mehr als 100 Einsätze, die seit Mitte 2025 auch für die Emirate und das Umfeld der königlichen Familie geflogen worden sein sollen, zeigen laut der Analyse wiederkehrende Muster. Auffällig ist zudem, dass einige Flüge nicht über normale zivile Flughäfen liefen, sondern über militärische Stützpunkte in den Vereinigten Arabischen Emiraten, was auf eine direkte staatliche Anbindung hindeutet.
Besonders heikel wird die Lage durch die Sanktionen gegen bestimmte Maschinen. Einzelne Il-76-Flugzeuge, die in den Flugprotokollen für die emiratischen Einsätze auftauchen, seien den Angaben zufolge in den USA als gesperrtes Vermögen („blocked property“) gelistet worden. Darüber hinaus sei Aviacon Zitotrans als Unternehmen sanktioniert worden, und die in den Listen erfassten Flugzeuge sollen damit auch indirekt für weitere Flugzeugmuster relevant werden. Parallel beschreibt die Untersuchung Aviacon Zitotrans als Akteur, der – außerhalb der Aktivitäten im Auftrag der Emirate – ebenfalls Missionen für die russische Regierung durchführen soll, einschließlich Lieferungen von Waffen und Material. Dazu gehören nach den geleakten Unterlagen unter anderem Kampfhubschrauber-Transporten, gepanzerte Fahrzeuge für Ziele in der Türkei sowie eine Sondererlaubnis für das Fliegen von Raketen und Gefechtsköpfen.
In der Logik der Routen fällt außerdem ein Muster auf, das wie ein „Transponder-Problem“ wirkt, aber vermutlich erklärungsbedürftig ist. Die Untersuchung verweist darauf, dass bei mehreren Flugzeugen der betroffenen Airline die Abdeckung der Transponderdaten in einem bestimmten Korridor aussetzt, während andere Maschinen in derselben Region ihre Signale weiter übertragen. Daraus wird abgeleitet, dass es sich nicht um reine Empfangs- oder Datenprobleme handeln dürfte, sondern um gezieltes Abschalten oder Unterdrücken der Geräte, um Aktivitäten zu verschleiern. Insgesamt werden dabei weit über 100 Einsätze mit typischen Merkmalen emiratischer Cargo-Operationen identifiziert, wobei die Datenlage laut Analyse häufig lückenhaft ist, weil obstruierende Maßnahmen oder begrenzte Abdeckung die Rekonstruktion erschweren.
Der geographische Schwerpunkt liegt laut den vorliegenden Flugspuren in Afrika. Wiederkehrende Zielorte seien unter anderem Äthiopien, insbesondere die Harar Meda Air Base sowie Addis Abeba International Airport. Gleichzeitig ordnet die Untersuchung die Einsätze in einen größeren Konfliktkontext ein: Im Sudan unterstützen die Emirate laut Darstellung die Rapid Support Forces (RSF), während Russland das Gegenlager stärkt, das mit den Sudanese Armed Forces (SAF) verbunden ist. Wenn dieselbe Flugzeugflotte offenbar in zwei konkurrierende Unterstützungslogiken eingebunden ist, entsteht ein besonders widersprüchliches Bild: Flugzeuge könnten einmal logistisch in Richtung der einen Konfliktseite wirken und zu anderen Zeitpunkten die andere Route bedienen. Solche Überschneidungen machen aus einer Reiseroute schnell einen geopolitischen Hebel.
Abseits von Afrika werden in der Untersuchung auch Verbindungen in den weiteren Raum des Persischen Golfs und darüber hinaus angesprochen, inklusive Kuwait und Katar. Ergänzend tauchen weitere Routen über einen Luftplatz in Ost-Pakistan auf, der in der Berichterstattung als Chandana Airstrip beziehungsweise Al Habieb Airport beschrieben wird und nicht in öffentlichen ICAO/IATA-Code-Quellen auftaucht sowie auch nicht in öffentlich zugänglichen Listen der zuständigen pakistanischen Luftfahrtbehörde verzeichnet sei. In der gleichen Darstellung werden sparse Bild- und Videobelege herangezogen, die Porträts des Golf-Herrschers sowie Politiker in einem Wartebereich zeigen und nahelegen sollen, dass vor allem Personal und Ausrüstung vor den Herrschern anreisen. Außerdem wird beschrieben, dass eine private Flugplatz-Tracker-Recherche diese Verbindung bereits 2022 untersucht haben soll.
Für die Einordnung der Markt- und Branchenwirkung ist entscheidend, wie solche Netzwerke funktionieren. Aviacon Zitotrans wird in der Analyse als Teil eines größeren Modells aus Frontfirmen, Charterkapazitäten und „Sowjet-erben“ im Frachtdienst dargestellt, die gerade dort operieren, wo Reichweite, Start-/Landemöglichkeiten und niedrige Infrastrukturanforderungen zählen. Die Il-76 eignet sich nach dem technischen Charakter der Plattform typischerweise für robuste Logistik, und das Geschäftsmodell zielt laut Unternehmensdarstellung auf Flüge auch von kurzen oder unbefestigten Pisten. Margaux Garcia, Senior Analyst bei C4ADS, wird in der Untersuchung mit den Worten zitiert: „Aviacon Zitotrans specializes in using Il-76 aircraft, which are very helpful, very sturdy aircraft for transporting cargo and transporting people … They were originally built to be military transport aircraft, so it makes sense that they’re being used for that purpose.“ Für Unternehmen in der Compliance- und Beschaffungsprüfung bedeutet das vor allem: Sanktionen sind nicht nur eine Rechtsfrage, sondern eine Datenfrage, weil sich Umgehung häufig über Flugspuren, Zwischenstationen und formale „Charter“-Bezeichnungen vollzieht.
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