BERN / LONDON (IT BOLTWISE) – In der Schweiz und in Liechtenstein sind im September 21’948 Personenwagen neu zugelassen worden, ein Plus von 2,7 Prozent seit Jahresbeginn. Der BEV-Anteil (reinelektrisch) steigt auf 35,7 Prozent und liegt damit erstmals über einem Drittel der Neuzulassungen. Gleichzeitig klettern Steckerfahrzeuge insgesamt auf einen neuen Schwerpunkt: 46 Prozent der Neuzulassungen verfügen im September über eine elektrische Auflademöglichkeit. Zwar wächst die Elektromobilität sichtbar, doch das Tempo bleibt laut Auto-Schweiz noch deutlich hinter der Roadmap Elektromobilität 2025 zurück.

Der Schweizer Personenwagenmarkt bleibt im Herbst weiterhin zweigeteilt: Auf der einen Seite zeigen die Neuzulassungen im September mit 21’948 Einheiten und einem Jahresplus von 2,7 Prozent, dass der Markt nicht komplett einbricht. Auf der anderen Seite betont Auto-Schweiz, dass die wirtschaftliche Lage der Automobilbranche angespannt bleibt und der Gesamtmarkt sowohl hinter dem europäischen Trend als auch hinter den Erwartungen aus der Roadmap Elektromobilität 2025 zurückhinkt. Diese Mischung ist wichtig, weil sie erklärt, warum selbst ein spürbarer Technologiewechsel bei Antriebsarten nicht automatisch zu einer generellen Marktbelebung führt.
Besonders auffällig ist die Verschiebung innerhalb der Antriebslandschaft: Plug-in-Hybride (PHEV) erreichen im September 10,3 Prozent der Neuzulassungen. Das ist so wenig wie noch nie in diesem Jahr. Bei den reinen Batterie-Elektrofahrzeugen (BEV) dagegen dreht die Nachfrage sichtbar. Mit 35,7 Prozent machen die Steckerfahrzeuge mit reinem Elektroantrieb erstmals mehr als ein Drittel aller Neuzulassungen aus. Außerdem zeigt die Struktur seit Jahresbeginn einen klaren Trend: Steckerfahrzeuge insgesamt kommen auf 26,2 Prozent (BEV) beziehungsweise 11,5 Prozent (PHEV) – und damit auf eine Summe von 37,7 Prozent, die im Alltag bereits deutlich wahrnehmbar ist.
Der Umsatzhebel entsteht nicht nur durch Modellreihen, sondern durch die Ladefähigkeit im Alltag. Auto-Schweiz hebt hervor, dass im September 46 Prozent der neu zugelassenen Personenwagen über eine elektrische Auflademöglichkeit verfügten. Damit wird ein technischer Engpass adressiert: Wer zu Hause oder am Arbeitsplatz laden kann, senkt die Hürde für regelmäßige Fahrten und verringert Abhängigkeiten von einer lückenlosen öffentlichen Ladeinfrastruktur. Gleichzeitig bleibt aber der Kontext entscheidend, denn die Organisation ordnet die Entwicklung als Wachstum mit Einschränkung ein: Trotz der Zunahme liege die Elektromobilität noch deutlich hinter den Erwartungen der Roadmap 2025 zurück.
Dass reine Benzin- und Diesel-Antriebe weiter Marktanteile verlieren, führt Auto-Schweiz auch auf die massiv gestiegenen Treibstoffpreise zurück. Im September seien geopolitische Krisen und angespannte Lieferketten ein Treiber gewesen, der die Treibstoffkosten auf Rekordhöhen treibt. Das trifft laut Mitteilung nicht nur Haushalte, sondern auch das Transportgewerbe – also genau jene Kundengruppe, die häufig hohe Fahrleistungen hat und Kosten pro Kilometer unmittelbar in die Kalkulation einpreist. Diese Kostenlogik wirkt als Beschleuniger für Elektrofahrzeuge, weil die Stromkosten im Vergleich zum volatilen Kraftstoffpreis länger planbar bleiben können. Für Entscheidungsträger im Fuhrpark zählt dabei weniger die absolute Höhe einzelner Monate als die Entwicklung der Gesamtbelastung über das Jahr hinweg.
Eine Rolle spielt zudem die fehlende Entlastungspolitik bei hohen Energiekosten: In der Schweiz gebe es kein entsprechendes Entlastungsprogramm, wie Auto-Schweiz es formuliert. In der Praxis bedeutet das, dass viele Käufer ihre Investitionsentscheidungen stärker am eigenen Budget ausrichten müssen – und damit auf Antriebe umschwenken, die kurzfristig geringere Betriebskosten versprechen. Der Verband liefert dazu eine politische und wirtschaftliche Einordnung über die Perspektive seines Direktors Thomas Rücker. Er verweist darauf, dass die steigenden Zulassungen von Steckerfahrzeugen erfreulich seien, gleichzeitig aber die finanzielle Belastung für Pendler und das Transportgewerbe hoch bleibe. Sein Appell zielt auf sinkende Mobilitätskosten sowie darauf, die Rahmenbedingungen der Elektromobilität rasch zu verbessern, weil der Hochlauf noch um ein Viertel hinter den Projektionen der Roadmap 2025 zurückliege.
Technisch betrachtet zeigt die aktuelle Marktstruktur, dass sich die Elektrifizierung nicht linear über eine einzelne Antriebsform vollzieht, sondern als Portfolio-Effekt: BEV gewinnt deutlich mehr als PHEV, während Plug-in-Hybride relativ schwach abschneiden. Genau dieses Muster verändert die Software- und Infrastrukturplanung in Unternehmen. Wer mehr BEV verkauft oder einsetzt, muss Ladeplanung, Routenlogik und Reichweitenkalkulation stärker als Prozess etablieren – auch dann, wenn das Fahrzeug im Datenblatt noch „alles kann“. In der Beschaffung verschiebt sich zudem der Fokus auf Ladehardware (Wallboxen, Lastmanagement), Servicekonzepte und die organisatorische Einbindung von Energiekosten in Fuhrpark-Controlling.
Für die nächsten Monate bleibt damit die entscheidende Frage, ob die Lücke zur Roadmap Elektromobilität 2025 nur ein Timing-Problem ist oder ob strukturelle Hürden den Fortschritt bremsen. Auto-Schweiz ordnet den Markt als angespannt ein und verweist darauf, dass die Daten auf Erhebungen des Bundes basieren und möglicherweise noch vorläufig sind. Gleichzeitig liefert die Entwicklung im September eine klare Richtung: Der BEV-Anteil überschreitet erstmals die 35-Prozent-Marke, und die Ladezugänglichkeit bei neuen Fahrzeugen steigt weiter. Unternehmen und Händler sollten diese Dynamik daher als Signal behandeln, ihre Lade- und Serviceprozesse nicht zu spät zu skalieren, weil gerade bei Ladefähigkeit und Betriebslogik der Unterschied zwischen „kann“ und „läuft“ über die Akzeptanz entscheidet. Detaillierte Zahlen nach Marken stellt der Verband unter auto.swiss bereit.
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