LONDON (IT BOLTWISE) – Schon kurz nach dem abendlichen Dämmerungsende zieht die Milchstraße ab etwa 20 Uhr wieder deutlich über den Himmel, besonders dort, wo Lichtverschmutzung fehlt. Mit der Umstellung auf die Normalzeit ab dem 25. Oktober wird der Nachthimmel zusätzlich früher „im Feierabendmodus“ sichtbar. Parallel lohnt sich im Osten ab etwa 3 Uhr nachts ein Blick auf Mars und Jupiter, während Saturn gegen Mitternacht als knopfartiger Fixpunkt hervorsticht. Dazu kommen über den gesamten Oktober verteilte Sternschnuppen, und der Vollmond wirft ein zusätzliches Licht-Thema für Schlaf und Tiere auf.

Himmelsvorschau Oktober: Milchstraße, Saturn, Feuerkugeln und „Licht aus“
Himmelsvorschau Oktober: Milchstraße, Saturn, Feuerkugeln und „Licht aus“ (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer im Oktober nach oben schaut, bekommt gleich zwei Hinweise auf den Jahreswechsel: Zum einen beginnt der Abend früher, zum anderen wandert der Himmel spürbar in Richtung „kühle Beobachtungszeit“. Schon kurz nach dem magischen Dämmerungsende zeigt sich ab etwa 20 Uhr das silbrige Band der Milchstraße deutlich, statt wie in lauen Sommernächten erst später. Wer die Sichtbedingungen verbessern will, muss nicht an Sternkarten drehen, sondern vor allem an der Umgebung: An Orten ohne Lichtverschmutzung wirkt das Sternband so, als würde es sofort „einrasten“, weil die vielen schwachen Sterne nicht vom künstlichen Streulicht überlagert werden.

Die Orientierung gelingt am besten entlang der galaktischen Ebene. Im Bereich der Milchstraße fallen drei helle Sterne auf, die das sogenannte Sommerdreieck bilden: jeweils einer aus den Sternbildern Adler, Leier und Schwan. Der Schwan ist besonders hilfreich, weil seine kreuzartige Form mit den ausgebreiteten Flügeln auch für ungeübte Beobachtende gut zu erkennen ist. Folgt man der Milchstraße Richtung Südwesthorizont, landet man bei einer wahren Funkelkammer: Dort liegt das Zentrum der Galaxis im Sternbild Schütze. Dreht man dagegen nach Osten, führt die Milchstraße zur Cassiopeia, dem „Himmels-W“, das eher am Rand des Milchstraßenbandes liegt und dadurch einen klaren Kontrastpunkt schafft.

Auch einzelne „Fixpunkte“ machen die Tour planbar, vor allem wenn man nicht die ganze Nacht durchbeobachten möchte. Richtung Westen steht mit Arktur ein sehr heller, leicht orange leuchtender Stern, der stark funkelt und als hellster Stern am nördlichen Firmament gilt. In der gleichen Beobachtungsphase hilft die Dynamik der Planetenumlaufbahnen: Gegenüber im Osten wirkt Saturn als knopfartiges Gestirn, ohne das typische Flackern, das man bei vielen Sternen sieht. Der Vorteil für alle, die zu bestimmten Zeiten nur kurz raus können: Wer heute Arktur „abschiedlich“ sieht, findet ein halbes Jahr später genau dort den markanten Blickpunkt wieder. Und wer nachts ohnehin wach ist, kann ab etwa 3 Uhr am Osthimmel Mars entdecken; seine Eisenoxid-Oberfläche ist mit dem roten Farbeindruck direkt mit im Spiel. Dicht dahinter folgt Jupiter, als der größte Planet in unserem System besonders eindrucksvoll.

Mit Fernglas und etwas Geduld wird aus dem Himmelsband eine „Stationenreise“ durch bekannte Sternbilder. Vom Schwan im Zenit aus lässt sich auf halber Strecke das große Quadrat erkennen, das zu Pegasus gehört. In der Mythologie hat Pegasus einen Bezug zu Poseidon und zur Gorgone Medusa; in der Praxis ist es vor allem geometrisch interessant, weil das Quadrat als Navigationshilfe taugt. Richtung Osten, leicht östlich von Pegasus, steht außerdem Perseus mit einer Perlenkette aus hellen Objekten unterhalb der Cassiopeia. Wer dabei vom Schwan zur Cassiopeia und vom Pegasus zum Perseus streift, stößt im Fernglas auch auf Andromeda, unsere Nachbargalaxie, die in etwa 2,5 Millionen Lichtjahren Entfernung liegt.

Reine Sternkartenromantik greift im Oktober zusätzlich zu: Feuerkugeln und Trümmerteilchen liefern einen saisonalen Bonus. Fixiert bleiben viele auf die klassischen August-Sternschnuppen der Perseiden, doch der Himmel „schnuppt“ das ganze Jahr. Über den Oktober hinweg können Meteore auftreten, die mit Staubteilchen zusammenhängen, die unter anderem mit dem Halley-Kometen (Orioniden) sowie mit dem Kometen 2P/Encke (Tauriden) in Verbindung gebracht werden. Zwar sind es nur wenige pro Stunde, aber darunter können spektakuläre Feuerkugeln sein. Gerade weil das Spektakel nicht dauerhaft präsent ist, lohnt es sich, sich für einen Beobachtungsblock gut einzumummeln und die stärkere Phase ab Mitternacht mit einzubeziehen.

Neben dem „astronomischen Programm“ verschiebt der Oktober aber auch den Blick auf Umweltthemen, die nicht im Teleskop sichtbar sind. In den letzten Monaten wurden häufiger Trümmerteile erwähnt, die in die Erdatmosphäre eindringen und damit Themen wie die Belastung der oberen Atmosphäre berühren; hier ist entscheidend, dass solche Ereignisse im Gegensatz zu Meteoren keine natürliche „Feuerkugel-Ästhetik“ haben, sondern reale Risiken für Systeme und Schutzschichten. Umgekehrt ist der Mond als natürliches Licht viel präziser planbar: Zwischen Neumond am 10. Oktober und zunehmendem Halbmond am 17. Oktober sind die Nächte besonders gut zum Sterneschauen geeignet. Am 26. Oktober geht der Vollmond gegen 18 Uhr am Osthorizont auf und dürfte je nach Staubpartikeln in der Atmosphäre gelblich leuchten.

Und genau damit kommt ein weiterer Effekt ins Spiel: Vollmond ist zwar mit unter 0,3 lx Beleuchtungsstärke vergleichsweise „sanft“, aber er bleibt das hellste natürliche Licht in der Nacht und kann sogar Farbwahrnehmung ermöglichen. Problematisch wird es jedoch, wenn er in Schlafräume fällt: Forschende der Charité Berlin berichten, dass Licht in der Ruhephase als Stressfaktor wirken und das Stresshormon Cortisol erhöhen kann; parallel wird Melatonin gedrosselt. Das trifft nicht nur Menschen, sondern auch Tiere, weil nächtliches Kunstlicht die innere Uhr verschiebt und die Melatonin-Ausschüttung hemmt, was wiederum die Immunregulation stören kann. Dazu passt ein beobachtetes Muster bei der Initiative „Stunde der Gartenvögel“: Besonders bei Haussperlingen, den beliebten Spatzen, gab es einen drastischen Rückgang, für den unter anderem Vogelmalaria als Ursache vermutet wird. Wenn man Licht als gut steuerbares Umweltparameter betrachtet, folgt daraus eine klare Konsequenz: „Licht aus“ ist für Sternenfans ein Hobby, für Ökosysteme aber auch eine praktische Maßnahme, weil Spatzen als Teil des Systems bei Schädling- und Unkrautkontrolle mithelfen.


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