LONDON (IT BOLTWISE) – Hornbach steigert im ersten Halbjahr 2026/27 den Umsatz um 6 % auf 3,8 Milliarden Euro. Besonders Klimageräte sowie Beschattungs- und Bewässerungsprodukte liefern starke Impulse. Auch das zweite Quartal wächst mit 7,3 % deutlich und verbessert die Profitabilität spürbar. Trotz Kosten- und Unsicherheitslage bleibt die Jahresprognose unverändert.

Hornbach liefert derzeit ein Beispiel dafür, wie stark saisonale Sortimente in einem schwierigen Konsumumfeld den Unterschied machen können. Während die Heimwerker- und Renovierungsnachfrage die Nachfrage nach wetterrelevanten Produkten stützt, fällt die Konzernentwicklung zugleich aus dem Branchentrend heraus. Im ersten Halbjahr des Bilanzjahres 2026/27 kletterte der Umsatz um sechs Prozent auf 3,8 Milliarden Euro, und der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn legte knapp fünf Prozent auf 285,6 Millionen Euro zu. Der Jahresüberschuss stieg außerdem um 1,8 Prozent auf 182,2 Millionen Euro.
Für das operative Bild sind dabei nicht nur die absoluten Zahlen entscheidend, sondern die Zusammensetzung der Nachfrage. Der Konzern führt die Dynamik vor allem auf eine robuste Kundennachfrage nach saisonalen Produkten zurück, insbesondere nach Klimageräten sowie Artikeln zur Beschattung und Bewässerung. In solchen Produktkategorien wirken Nachfrageimpulse oft schneller als in klassischen Grundsortimenten, weil Wetterbedingungen und kurzfristige Planungen privater Haushalte den Einkaufstakt bestimmen. Dass Hornbach in Deutschland und weiteren europäischen Ländern nach eigenen Angaben Marktanteile hinzugewinnen konnte, wird dabei mit einer Kombination aus Preispolitik, Sortiment und digitalen Angeboten begründet.
Auch die zeitliche Verteilung untermauert den Eindruck eines operativ „vorne liegenden“ Wachstums. Besonders stark entwickelte sich das zweite Quartal, das von Juni bis August lief. Dort stieg der Nettoumsatz um 7,3 Prozent auf 1,81 Milliarden Euro, während das bereinigte operative Ergebnis mit plus 12,8 Prozent auf 124,6 Millionen Euro sogar deutlich schneller wuchs als der Umsatz. Flächenbereinigt, also ohne den Effekt neu eröffneter Standorte, wuchs das Geschäft im gesamten ersten Halbjahr um vier Prozent. Diese Kombination deutet in der Praxis häufig auf eine bessere Marge im Mix hin, beispielsweise durch höhere Auslastung, effizientere Bestandssteuerung oder günstigere Einkaufsbedingungen in den gefragten Saisonbereichen.
Ein weiterer Blick lohnt sich auf die regionale und kanalbezogene Aufteilung, weil hier häufig die Hebel für weitere Fortschritte liegen. Der größte Teilkonzern, die Hornbach Baumarkt AG, steigerte seinen Halbjahresumsatz um 5,9 Prozent auf 3,60 Milliarden Euro. Besonders dynamisch verlief dabei das Geschäft außerhalb Deutschlands mit einem Plus von 7,7 Prozent in der Region „Übriges Europa“, die die Handelsaktivitäten in acht Ländern bündelt. Gleichzeitig legte auch das Onlinegeschäft spürbar zu: Es stieg um 8,6 Prozent auf 485,8 Millionen Euro. Das ist relevant, weil Online-Umsätze im Baumarkt häufig nicht nur zusätzliche Reichweite liefern, sondern auch die Planbarkeit von Lieferfenstern, die Umschlaggeschwindigkeit und die Retourenquote beeinflussen können.
Parallel zur operativen Entwicklung läuft die Expansion weiter, und sie adressiert zwei Ziele: organisches Wachstum im Filialnetz und die Stärkung bestehender Standorte durch Übernahmen. Hornbach investiert in weiteres Wachstum in Europa und übernimmt sechs Hellweg-Standorte in Deutschland, um das lokale Filialnetz zusätzlich zu stützen. Zum Stichtag Ende August betreibt die Hornbach Baumarkt AG 177 Filialen, eine mehr als im Vorjahr, bei einer Verkaufsfläche von 2,133 Millionen Quadratmetern. Das entspricht einem Flächenplus von 0,7 Prozent. Für die Investorenseite ist das eine wichtige Kennzahl, weil Filialausbau zwar kurzfristig Investitionen und Integrationsaufwand mit sich bringt, langfristig aber die Reichweite und die Standortdichte erhöht.
Die Meldung fällt zudem in ein Branchenumfeld, das laut Darstellung weiter unter Druck steht. Der deutsche Baumarktmarkt kämpft weiterhin mit einer zurückhaltenden Konsumstimmung, höheren Kosten und einem nur schwach wachsenden Einzelhandel. In einem solchen Umfeld wird Wachstum besonders dann bemerkenswert, wenn es nicht allein auf Preisaktionen oder kurzfristige Sondereffekte zurückzuführen ist. Gerade deshalb sticht heraus, dass Hornbach sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis zulegen konnte und dabei gleichzeitig Marktanteile gewann. Praktisch bedeutet das: Der Konzern adressiert nicht nur die Nachfrage, sondern trifft offenbar auch die Erwartungen der Kunden an Verfügbarkeit und Preisniveau in den entscheidenden Kategorien.
Für das laufende Geschäftsjahr bleibt die zentrale Frage, wie stabil sich die Saison-getriebenen Effekte in die Folgequartale übertragen lassen. Das Management hält die Jahresprognose für das Geschäftsjahr 2026/27 unverändert. Erwartet wird ein Nettoumsatz auf oder leicht über dem Vorjahresniveau von 6,4 Milliarden Euro, im Einklang mit der bereits am 19. Mai veröffentlichten Prognose. Trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheiten und steigender Kosten sah sich das Management nicht veranlasst, die Jahresziele nach dem starken zweiten Quartal anzuheben. Für Marktteilnehmer ist damit vor allem entscheidend, ob Hornbach seinen Wachstumspfad im Jahresverlauf über Marktanteilsgewinne und die internationale Expansion weiter bestätigt – während der Heimatmarkt offenbar insgesamt kaum vom Fleck kommt.
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