LONDON (IT BOLTWISE) – Bitcoin bleibt in diesem Bärenmarkt laut einer Auswertung über dem Realized-Price-Niveau und schließt den Tag nicht darunter. Gleichzeitig blieb die Kennzahl Net Unrealized Profit/Loss (NUPL) während des gesamten Zyklus positiv. Das spricht eher für flachere, marktweite Anspannung als in früheren Bärenphasen. Für die Erholung steht nun ein klarer technischer Prüfpunkt aus, an dem sich die Richtung entscheidet.

Die aktuelle Bitcoin-Schwäche wirkt auf den ersten Blick wie ein klassischer Bärenmarkt: Kurse fallen, Volatilität bleibt hoch, und viele Marktteilnehmer greifen wieder zu defensiven Strategien. Doch eine Auswertung, die zentrale On-Chain-Metriken zusammenzieht, legt nahe, dass dieser Abschwung weniger stark „durchschlägt“ als frühere historische Vergleichsphasen. Konkret geht es um die Frage, ob Bitcoin im laufenden Zyklus den Realized-Price-Korridor auch wirklich nachhaltig unterschritten hat. Denn in der Vergangenheit führten vergleichbare Bärenmärkte regelmäßig dazu, dass Bitcoin für Monate unterhalb des Realized-Price gehandelt wurde. In diesem Zyklus hingegen wurde kein täglicher Schlusskurs unter diesem Niveau beobachtet, und selbst das markanteste Tief blieb darüber.
Technisch betrachtet ist der Realized-Price mehr als nur ein psychologischer Kursanker. Er entspricht dem „realisierten“ Wert der zuletzt bewegten Coins und fungiert damit als Referenz dafür, zu welchem Preis der Markt Bestandteile seiner Positionen zuletzt aufgenommen bzw. aktualisiert hat. Wenn der Markt über längere Zeit darunter handelt, kann das darauf hindeuten, dass ein wachsender Anteil der Coins relativ betrachtet „unter Wasser“ gerät. Genau dieses Muster sah man in den Bärenphasen 2018/2019 sowie 2022/2023: Dort lag Bitcoin teils monatelang unter dem Realized-Price. Die aktuelle Beobachtung lautet dagegen: Kein täglicher Schluss unterhalb dieses Werts, und das Juni-Tief blieb oberhalb der Referenz.
Ein zweiter Hebel ist die breitere Stress-Ebene des Marktes, gemessen über Net Unrealized Profit/Loss (NUPL). NUPL aggregiert vereinfacht gesagt Papiergewinne und -verluste über alle Coins, also nicht nur über kurzfristige Trader, sondern über die Gesamtheit der Bestände. Während NUPL in früheren Bärenmärkten in den negativen Bereich rutschte, blieb es im aktuellen Zyklus durchgehend positiv. Das ist wichtig, weil NUPL nicht gleichbedeutend ist mit „jeder hält Gewinne“: Auch bei positivem NUPL können einzelne Langfrist-Holder oder einzelne Käufergruppen weiterhin Verluste ausweisen. Die Kernaussage ist jedoch eine andere – nämlich dass der Markt insgesamt nicht in den Zustand maximaler, flächiger Bewertungskorrektur geraten ist, der in vergangenen Abwärtszyklen häufiger den Ton angab.
Die Auswertung setzt darüber hinaus auf die Einordnung des Juni-Tiefs relativ zu mehreren „Zonen“, die häufig als Support-Referenzen genutzt werden. Der True Market Mean wird dabei als eine Art tiefer liegende Stabilitätslinie genannt; unterhalb davon würde die Wahrscheinlichkeit steigen, dass der Markt in eine neue Phase stärkerer, realisierter Kapitulation übergeht. In der Analyse wird außerdem betont, dass die Percent Supply in Profit rund um das Juni-Tief ungefähr auf das Niveau gefallen ist, das man zuvor am November-2022-Tief sah. Das deutet darauf hin, dass ein ähnlich großer Anteil der Coins „unter Wasser“ sein kann – der zentrale Unterschied lag dann in der Größenordnung der Verluste. Spiegelbildlich wird auch eine Aussage zu den tiefsten Bärenmarkt-„Ausprägungen“ getroffen: Wenn der Preis über dem True Market Mean bleibt, soll das Juni-Tief das flachste Tief in einem direkten Vergleich der genannten Bärenphasen sein.
Für die weitere Einordnung spielt auch die Frage eine Rolle, wo langfristige Angebotscluster liegen und wie sich daraus Rückschlüsse auf Profitabilität und mögliche Verkäufe ziehen lassen. Die Auswertung nennt als bedeutenden Bereich das größte langfristige Holder-Supply-Cluster bei etwa 84.000 bis 85.000 US-Dollar. Ein Supply-Cluster ist jedoch kein Beweis dafür, dass genau diese Coins aktuell in Gewinnposition sind oder dass ihre Inhaber zwangsläufig verkaufen. Der Bericht ergänzt daher eine weitere Metrik: Oberhalb dieses Clusters wird der MVRV-Mean (Mean MVRV price) bei rund 96.700 US-Dollar verortet. MVRV leitet sich aus dem Realized-Price und einem Langfrist-MVRV-Faktor ab und wird in solchen Kontexten oft als Schwelle beschrieben, an der die durchschnittliche Profit-Situation wieder stärker ihrem langfristigen Durchschnitt entspricht – also dort, wo der Markt aus historischer Sicht „zurück in sein Normalmaß“ läuft.
Neben den reinen Kurs- und Bewertungsmetriken wird auch die Dynamik des Verkaufsdrucks adressiert. Dafür ist interessant, dass wöchentliche realisierte Gewinne im aktuellen Lauf laut der Auswertung nur einen Bruchteil der Größenordnung erreichen, die in den Spitzenphasen 2024 und 2025 gemessen wurde. Gleichzeitig sind nahezu alle kurzfristigen Holder wieder im Gewinn. Dieses Zusammenspiel spricht für eine Phase, in der das Aufkommen neuer Verkäufe gedämpft bleibt, obwohl sich die Preisbildung erholt. Für Unternehmen und professionelle Marktteilnehmer ist das relevant, weil es ein anderes Risikoprofil signalisiert: In vielen früheren Abwärtsphasen führten ähnliche Erholungsversuche eher zu schnellen, erneuten Abgaben, getrieben durch starkes Rebalancing. Wenn realisierte Gewinne dagegen „abflachen“, kann das die Stabilität von Rebound-Phasen erhöhen.
Am Ende steht aber der wichtigste Punkt für den nächsten Schritt: Die Erholung steht laut der Analyse vor einem definierten Test. Auf der einen Seite wird mit dem True Market Mean bei etwa 77.000 US-Dollar ein konkreter Support-Punkt genannt, an dem sich zeigt, ob die Bodenbildung belastbar ist. Auf der anderen Seite bleibt die Annäherung an höhere Bewertungszonen – etwa an Bereiche, die in der Auswertung über MVRV-Referenzen beschrieben werden – ein Gradmesser dafür, ob Käufer bereits bereit sind, in größere Stückzahlen zu attraktiveren Preisen zu übernehmen. Wer Bitcoin in Portfolios führt, sollte diese Kombination aus NUPL-Stand, Realized-Price-Position und den genannten Referenzniveaus nicht als Garantie missverstehen, aber als präzisere Landkarte für das Timing der nächsten Kursphase nutzen.
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