LONDON (IT BOLTWISE) – Bitcoin durchbricht die Verkaufsmauer bei 85.000 US-Dollar und nähert sich dem Septemberhoch. Treiber sind schwindende Zinssorgen, ausgelöst durch einen schwächeren US-Arbeitsmarktbericht und eine unter den Erwartungen liegende Inflationskennzahl der Fed. Gleichzeitig laufen bei den Bitcoin-Spot-ETFs zwar weiterhin Zuflüsse, allerdings deutlich langsamer als in der Rekordwoche zuvor. Derweil bleiben Ethereum-ETFs von Abflüssen geprägt, während Solana durch eine neue Bankenplattform von Fiserv einen praktischen Use-Case erhält.

Bitcoin setzt zur neuen Runde an, obwohl sich die Liquiditätslage bei den US-Spot-ETFs merklich abkühlt. Am Dienstag durchbrach die Kryptowährung die Verkaufsschwelle bei 85.000 US-Dollar und liegt damit nur noch knapp unter dem Septemberhoch von 87.281 US-Dollar. Zum Handelstag am 6. Oktober 2026 notierte Bitcoin gegen 10:15 Uhr (MESZ) bei rund 86.000 US-Dollar, etwa 0,6 Prozent über dem Schlusskurs von 85.508 US-Dollar. Damit zeigt sich ein typisches Muster: Erst die makroökonomische Entspannung macht den Markt „risikofreudiger“, danach prüft der Kurs technische Widerstände, während die Nachfrage über ETP-Strukturen parallel weiterläuft, aber weniger dynamisch.
Technisch betrachtet ist die Bewegung weniger ein einzelner Trigger als die Kombination aus Bewertungsdruck und Geldfluss. Zwar verzeichneten die US-Spot-ETFs in der Woche bis zum 2. Oktober Nettozuflüsse von 241,08 Millionen US-Dollar – damit bereits die dritte Zuflusswoche in Folge –, doch der Abstand zur Rekordwoche mit 2,39 Milliarden US-Dollar ist groß: Es sind rund 90 Prozent weniger. Am 30. September endete zwar eine neuntägige Zuflussserie, bereits am Donnerstag drehten die Fonds jedoch wieder mit 102,67 Millionen US-Dollar in den positiven Bereich zurück, angeführt vom IBIT von BlackRock mit 195,57 Millionen US-Dollar. Auf der Makroseite dämpft zudem der Blick auf die von der Fed bevorzugte Inflationskennzahl PCE: Der Kernindex der Konsumausgabenpreise lag am 30. September bei 3,0 Prozent und damit unter der erwarteten Rate von 3,3 Prozent. Wenn Zinsangst abnimmt, sinkt bei vielen Marktteilnehmern die Hürde, riskantere Assets überhaupt zu halten – selbst wenn Zuflüsse in ETFs nicht mehr „auf Rekordtempo“ laufen.
Auch der Terminplan für die nächsten Wochen wirkt direkt in den Kursverlauf hinein. Als nächster Belastungs- und zugleich Erkenntnispunkt steht das Zinstreffen der Notenbank am 27. und 28. Oktober an; bis dahin wird der Markt sensibel auf Daten reagieren. Im Vorfeld hat ein schwächerer US-Arbeitsmarktbericht für September am 2. Oktober den Erwartungsdruck reduziert, weil er weniger Argumente liefert, eine weitere Zinserhöhung durchzuziehen. Dazu kommt ein Entlastungsfaktor aus dem Rohstoffmarkt: Der Ölpreis fiel erstmals seit Wochen wieder unter 100 US-Dollar je Barrel. Ein niedriges Energie-Niveau kann die Inflationsdynamik ausbremsen und damit indirekt die „Duration“ im Portfolio erhöhen, also die Bereitschaft, längerfristige Risiken zu tragen. Für Anleger bedeutet das praktisch: Bitcoin muss sich nicht nur gegen kurzfristige Gewinnmitnahmen durchsetzen, sondern gegen den Gedanken, dass der Zinszyklus möglicherweise weniger restriktiv bleibt als noch zuvor eingepreist.
Während Bitcoin damit an Widerstände heranrückt, zeigt der Altcoin-Teil des Marktes ein anderes Bild. Ethereum hält sich zwar über 2.700 US-Dollar, doch die Stimmung bei den Ethereum Spot ETFs ist deutlich gedämpfter: In der Woche bis zum 2. Oktober gingen Nettoabflüsse von rund 138 Millionen US-Dollar zu Buche, die schwächste Wochenbilanz seit mehreren Wochen. In der Vorwoche waren hingegen noch 689,9 Millionen US-Dollar zugeflossen. Der Kursverlauf folgt dem nicht unmittelbar: Ethereum legte im September um 10,88 Prozent zu und notierte am 6. Oktober 2026 gegen 10:15 Uhr (MESZ) bei rund 2.721 US-Dollar, rund 0,7 Prozent über dem Vortageswert von 2.702 US-Dollar. Als nächsten Protokollschritt nennt der Markt das „Glamsterdam Upgrade“, das für das vierte Quartal 2026 erwartet wird – solche Upgrade-Erwartungen wirken oft eher als mittel- bis langfristiger Fundamentalfaktor, während kurzfristige ETF-Flows die Tagesstimmung stärker drehen können.
Für Solana kommt ein konkreter Ausbau der Infrastruktur hinzu, der über das reine Trading hinausgeht. Der Zahlungsdienstleister Fiserv schaltete am 1. Oktober eine Plattform für digitale Vermögenswerte frei, wobei als erster Anwendungsfall der Roughrider Coin dient: ein an den US-Dollar gebundener Stablecoin der Bank of North Dakota. Mehr als 90 Banken und Kreditgenossenschaften sollen diesen Stablecoin für Zahlungen untereinander nutzen können, wobei die Transaktionen auf Solana abgewickelt werden. Auch wenn daraus laut Einordnung kein unmittelbarer Nachfrageschub für SOL abgeleitet werden kann, ist es als Signal für Netzwerk-Nutzung im Bankenalltag relevant. Solana selbst zeigte im ETF-Bereich trotz mehrerer negativer Handelstage in der Woche bis zum 2. Oktober Nettozuflüsse von 2,43 Millionen US-Dollar nach 188,21 Millionen US-Dollar in der Vorwoche. Am 6. Oktober notierte Solana bei rund 120 bis 121 US-Dollar, leicht über 119,64 US-Dollar am Vortag – im September hatte es bereits um 14,6 Prozent zugelegt.
Für den breiteren Markt bleibt damit entscheidend, wie gut der Kursanstieg mit den nächsten Makrodaten zusammenpasst. Der unmittelbare Fokus liegt für Bitcoin auf dem Test des Septemberhochs bei 87.281 US-Dollar, weil dort oft Liquidität „auf der anderen Seite“ sitzt: Wer Verluste aus Steigen absichern will, platziert Verkäufe häufig in der Nähe früherer Hochs. Gleichzeitig verschiebt sich der Blick auf den Kanal, über den viele überhaupt investieren: ETF- oder ETP-Strukturen senken für institutionelle und breite Anleger typischerweise Hürden, weil sie wie Wertpapiere handelbar sind, ohne dass jede Position technisch direkt über Wallets verwaltet werden muss. Ein Beispiel für solchen regulierten Zugang ist der 21Shares Bitcoin Core ETP (CBTC, ISIN CH1199067674), der die Wertentwicklung von Bitcoin abbildet und laufende Kosten von 0,10 Prozent pro Jahr nennt. Unabhängig von der Hülle bleibt aber das Grundprinzip bestehen: Der Wert solcher Produkte hängt unmittelbar von der Entwicklung des zugrunde liegenden Coins ab und damit auch von dessen typischerweise hoher Volatilität. In den kommenden Wochen entscheidet sich daher nicht nur, ob die 85.000 US-Dollar nachhaltig werden, sondern auch, ob die Marktlogik „weniger Zinserhöhung“ in echte Kaufbereitschaft übersetzt – oder ob die ETF-Dämpfung am Ende doch stärker wiegt.
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